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Die Vermögensfrage : Windräder sind nicht für jedermann

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Rotieren im Sonnenuntergang: Windräder bei Tiefenthal in Rheinland-Pfalz Bild: dpa

Beteiligungen an Biogasanlagen, Solarkraftwerken und Windrädern sind Rentenpläne. Dabei eignen sie sich überhaupt nicht zum Aufbau der Altersvorsorge. Die Vermögensfrage.

          Die private Altersversorgung wird in der Regel über Sparverträge aufgebaut. Die Privatleute legen jeden Monat kleine Beträge auf die hohe Kante. Das eingezahlte Kapital und die Zinsen führen am Ende der Laufzeit zu hohen Endwerten. Die bekanntesten Sparverträge sind Investmentfonds und Kapitalversicherungen. Das ist allerdings nur ein Ausschnitt aus dem Angebot der Banken und Versicherungen. Zu diesen Sparverträgen zählen auch Anlagen, die mit Fremdkapital bezahlt werden. Die klassischen Formen sind vermietete Immobilien aller Art, die mit Hilfe von Krediten finanziert werden. Die Objekte werden während des Berufslebens der Anleger entschuldet, und im Ruhestand leben die Investoren von den Mieten. Was mit Immobilien möglich ist, funktioniert auch mit anderen Anlagen wie Flugzeugen, Schiffen oder Windrädern.

          Der Markt für Beteiligungen war in der Vergangenheit stark von Immobilien geprägt. Dann kamen die Flugzeuge und die Schiffe. Sie erfreuten sich bei vermögenden Anlegern größter Beliebtheit, weil die Erträge weitgehend steuerfrei blieben. Die goldenen Zeiten dieser Anlagen sind jedoch Geschichte, weil die Wirtschaftskrise sowohl Flugzeugen als auch Schiffen das Wasser abgegraben hat.

          Was nach zwei Jahrzehnten kommt, steht in den Sternen

          Heute sind angeblich grüne Anlagen die großen Renner. Biogas, Solaranlagen und Windkraftwerke werfen in der Regel nicht so hohe Erträge wie Flugzeuge und Schiffe ab. Doch das Gefühl, etwas Sinnvolles für die Umwelt zu leisten, ist vielen Privatleuten manchen Minderertrag wert. Trotzdem gilt auch bei diesen vermeintlich ökologischen Investitionen die Devise, dass sich die Anlagen rechnen sollten. Wie hoch die Renditen dieser Geschäfte sind, bleibt in vielen Fällen aber im Dunkel, weil die Initiatoren ähnliche Fehler machen wie ihre Kollegen von der etablierten Zunft. Sie werfen Zahlen in den Ring, die mit Renditen wenig zu tun haben. Damit besteht die Gefahr, dass große und kleine Investoren auf der Suche nach umweltverträglichen Geldanlagen auf finanzielle Abwege geraten.

          Zahlungsplan der Beteiligung an Windkraftwerk

          Windkraftwerke liefern in aller Regel jährliche Erträge von 10 bis 12 Prozent der Investitionssumme. Davon bleiben dem Anleger nach Abzug der üblichen Kosten und Spesen etwa 8 bis 9 Prozent pro Jahr übrig. Verhängnisvoll ist freilich der Glaube, dass sich die Anlagen mit diesen Werten verzinsen. Mobilien verlieren im Laufe der Zeit durch ihren Verschleiß an Wert, so dass die Anlagen nach 15 oder 20 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes Schrott sind. Das wiederum bedeutet, dass alle Anleger, die Mobilien mit Hilfe von Krediten kaufen, ihre Altersvorsorge auf Schrott aufbauen, und das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Die Hintergründe dieses Befundes werden in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein Initiator bietet Windkrafträder an, die 3 Millionen Euro kosten. Der Bruttoertrag wird mit 350.000 Euro angegeben. Die jährliche Nettopacht liegt bei 240.000 Euro. Die große Anlage wird von 30 kleinen Anlegern gekauft, so dass auf jeden Anleger genau 100.000 Euro entfallen. Dafür winken über zwei Jahrzehnte hinweg Ausschüttungen von 8000 Euro pro Jahr, weil der Strom nach dem Gesetz über die erneuerbaren Energien (EEG) erstens solange und zweitens so hoch absetzbar ist. Was danach kommt, steht allerdings in den Sternen. Die Geschichte muss an diesem Punkt nicht zu Ende sein, doch sie kann zu Ende sein. Nüchterne Kaufleute unterstellen deshalb, dass weitere Zahlungen ausbleiben und die Anlage trotz des Hinweises, keinem oder nur mäßigem Verschleiß zu unterliegen, doch nichts mehr wert sein wird.

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