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Veröffentlicht: 05.01.2013, 13:15 Uhr

Die Vermögensfrage Wie soll man sich beim Geld beraten lassen?

In Gelddingen suchen Menschen neutralen Rat und wollen möglichst wenig bezahlen. Die Berater leben darum oft von Verkaufsprovisionen. Wichtig ist, dass sich Kunden und Berater transparent einigen.

von Volker Looman
© Kai „Besser, als es falsch anzulegen...“

In der Schweiz herrscht zur Zeit zwischen der Finanzmarktaufsicht und den Banken dicke Luft. Es gibt Streit über Provisionen. Davon betroffen sind Banken, welche das Geld ihrer Kunden einer Kapitalanlagegesellschaft übergeben haben und freie Verwalter, welche das Geld ihrer Mandanten bei einer Bank deponiert haben. In beiden Fällen ist es seit Jahr und Tag üblich, dass die Banken von der Kapitalanlagegesellschaft und die Verwalter von der Depotbank eine jährliche Bestandsprovision erhalten, die zwischen 0,25 und 1 Prozent des Vermögens liegt.

Die Zahlungen sorgen nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland seit vielen Jahren für heftige Diskussionen zwischen Anlegern und Verwaltern. Nun hat das Bundesgericht, das höchste Gericht der Eidgenossenschaft, am 30. Oktober 2012 entschieden, dass die Bestandeskommissionen, wie die Vertriebsfolgeprovisionen in der Schweiz heißen, ausschließlich dem Anleger gehören. Richtig Öl ins Feuer gegossen hat freilich die Finanzmarktaufsicht. Sie hat am 26. November 2012 angeordnet, dass die Banken ihren Kunden den Entscheid des Bundesgerichtes auf den Tisch legen und auf Nachfrage die Höhe der Provisionen offenlegen müssen.

Das Urteil ist für Fachleute nichts Neues. Seit vielen Jahren entscheiden Gerichte in Deutschland und in der Schweiz, dass Kickbacks und Retrozessionen eine schwerwiegende Untreue hinter dem Rücken des Kunden seien. Neu ist freilich der Umgang mit den Urteilen. Die Aussichten der Banken und Verwalter, sich mit Winkelzügen aller Art um die Herausgabe der Provisionen zu drücken, werden von Jahr zu Jahr schlechter, weil die Behörden die Unternehmen zur aktiven Information ihrer Kunden zwingen.

Neutrale Beratung ist nur auf Honorarbasis möglich

Genauso fragwürdig wie die Gier der Verwalter ist aber auch das Verhalten der Anleger. Warum beschäftigen Privatleute überhaupt Verwalter? Und warum lassen sich Anleger für die Pflege der Beziehung eine Gebühr in Rechnung stellen, für die es in der Regel keinen Gegenwert gibt? Die Antworten sind ernüchternd. Die meisten Privatleute haben einfach Angst, ihr Geld auf eigene Faust anzulegen. Gleichzeitig sind sie aber nur in Ausnahmefällen bereit, angemessene Honorare für neutrale Beratung zu bezahlen. In diesem Geiz sind sich Deutsche und Schweizer trotz vieler Unterschiede sehr ähnlich, so dass es kein Wunder ist, dass Finanzberater ihr Heil in Ausgabeaufschlägen, Gebühren und Kommissionen suchen.

Vor diesem Hintergrund kann der Hinweis nicht oft genug wiederholt werden, dass es sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz drei Beratungsformen gibt, wenn es um Geld geht. Die größte Bedeutung hat die traditionelle Anlage-, Finanz- und Vermögensberatung. Hier treffen sich zwei Parteien zu kostenlosen und unverbindlichen Gesprächen, Damit sind diese Meetings in Wirklichkeit aber Gespräche, in denen es um den Abschluss eines Geschäftes geht.

Die neutrale Beratung, die sich so viele Anleger wünschen, ist nur auf Honorarbasis möglich. Anwälte, Steuerberater und Treuhänder schließen, um gängige Beispiele zu nennen, mit ihren Mandanten individuelle Dienstleistungs- oder Werkverträge ab. Grundlage dieser Vereinbarungen sind in Deutschland die Paragraphen 611, 631 und 675 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Darin verpflichten sich die Berater, bestimmte Leistungen oder Werke zu erbringen. Gleichzeitig versprechen sie ihren Mandanten, ausschließlich deren Interessen zu vertreten.

Manche Berater kassieren Honorar und Provision

Um hier gar keine Begierden zu wecken, hat der Gesetzgeber schon vor vielen Jahrzehnten den Paragraph 667 in das BGB eingefügt. Darin heißt es, dass der Beauftragte alles herauszugeben hat, was er zur Ausführung des Auftrages erhält. Genauso steht es in Artikel 400 des schweizerischen Obligationenrechts. Wenn ein Investor einen echten Berater beauftragt, ihn bei der Geldanlage oder Verwaltung zu unterstützen, kann der Fachmann durchaus 5000 Euro oder 6000 Stutz, wie der Eidgenosse seinen Franken nennt, nebst Mehrwertsteuer verlangen. Sofern bei der Geschäftsbesorgung aber Provisionen von 10.000 Euro oder Kommissionen von 12.000 Franken anfallen, steht dieses Geld ausschließlich dem Auftraggeber zu.

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