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Die Vermögensfrage Was den Anlegern droht, wenn Inflation kommen sollte

 ·  Sollte die Inflation wieder Einzug halten, behalten Geldanlagen bestenfalls ihren Wert. Die Verzinsung vieler Kapitalanlagen rutscht nach Abzug der Kosten und Entwertung ins Minus.

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© Kai „Kann hier mal jemand die Geisterjäger holen?“

Die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten und in der Politik haben bei vielen Anlegern große Ängste verursacht. Auf der einen Seite geht es um die Sicherheit des Geldes, auf der anderen um die Bekämpfung der Inflation. Die beiden Ziele sind nicht miteinander vereinbar. Guthaben auf Sparbüchern zum Beispiel sind, so merkwürdig das klingt, sicher und unsicher zugleich. Sicher bedeutet, dass die Guthaben keinen Schwankungen unterliegen. Unsicher bedeutet, dass die Guthaben bei einer jährlichen Inflation von 3 oder 4 Prozent doch abnehmen. Mit der Aussage, dass Sachwerte in solchen Lebenslagen vorteilhafter als Geldanlagen seien, sollten die Anleger vorsichtig umgehen, weil die Hoffnung, die sich dahinter verbirgt, in vielen Fällen nicht erfüllt wird. Die Schwierigkeiten bei der Suche nach der besten Lösung werden in folgendem Beispiel deutlich.

Ein vermögender Anleger ist 52 Jahre alt und hat vor kurzem 250.000 Euro geerbt. Der Mann steht mit beiden Beinen im Berufsleben und verdient etwa 100.000 Euro pro Jahr. In naher Zukunft wird er somit weder das Kapital noch die Erträge benötigen. Er kann, anders ausgedrückt, das Erbe für 15 Jahre wegsperren und alle Erträge, die in dieser Zeit anfallen, in irgendeiner Form wieder anlegen. Folglich sind in 15 Jahren allein die realen Endwerte möglicher Geldanlagen maßgebend, weil in diesen Beträgen nicht nur die Zinsen, sondern auch die Gebühren, die Steuern und die Inflation zum Ausdruck kommen.

Der Zins ist sicher und unsicher zugleich

Die einfachste Geldanlage wäre ein Pfandbrief mit einer Laufzeit von 15 Jahren und Ansammlung der Zinsen. In der Praxis gibt es so lang laufende Sparbriefe aber nicht, so dass der Anleger drei Sparbriefe mit einer Laufzeit von jeweils fünf Jahren hintereinander kleben muss. Der Privatmann steckt die 250000 Euro fünf Jahre in den ersten Sparbrief. Dafür gibt es im Augenblick etwa 2,5 Prozent pro Jahr. Dadurch wächst das Kapital im ersten Drittel der Gesamtlaufzeit auf 282.852 Euro an.

In der Pause meldet sich der Fiskus. Er begehrt von den Zinsen, in diesem Fall 32.852 Euro, ein Viertel nebst Solidaritätszuschlag. Das sind 26,375 Prozent. Damit sinkt das Kapital um 8.665 Euro auf 274.187 Euro. Dieser Betrag wird in den zweiten Sparbrief investiert, und wenn sich der Zinssatz in fünf Jahren nicht geändert haben sollte, wird es weiterhin 2,5 Prozent pro Jahr geben. Auf diese Weise klettert das Erbe auf 310217 Euro. Leider steht vor dem Abgang in die zweite Pause die nächste Mautstelle. Dieses Mal sind 9503 Euro an den Fiskus abzuführen, so dass 300.714 Euro übrigbleiben. Nach dem letzten Drittel wird er mit einem Kapital von 329.808 Euro dastehen.

Die effektive Verzinsung der Anlage errechnet sich aus dem Verhältnis des Endwertes zum Anfangsbetrag. Das ergibt im vorliegenden Fall 1,86 Prozent pro Jahr. Der Zins ist sicher und unsicher zugleich. Auf der einen Seite hat der Anleger gute Karten, dass in 15 Jahren knapp 330.000 Euro auf dem Konto stehen werden, doch bei einer jährlichen Geldentwertung von 3 oder 4 Prozent wird der Endwert mit Sicherheit unter den Anfangswert sinken.

Das Problem der Zukunft

Die Inflation wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Problem der Zukunft sein. Der Finanzminister dieses Landes kann bei nüchterner Analyse der Lage keine Kredite mehr aufnehmen. Weder ist er in der Lage, die Zinsen zu bezahlen, noch wird er die Kredite tilgen können. Trotzdem spannen Politiker ständig Rettungsschirme aller Art auf, und mit Sicherheit werden ihnen im nächsten Wahlkampf weitere Ideen kommen, um die Bürger auf ihre Seite zu ziehen. Bei diesen Perspektiven ist nicht viel Phantasie notwendig, was in den nächsten Jahren passieren muss, um die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Erstens muss die Geldpresse angeworfen werden, und zweitens sind die Steuern zu erhöhen. Anders wird es nicht gehen. Offen ist bestenfalls die Höhe der künftigen Geldentwertung.

Bei einem Satz von 3 Prozent jährlich wird das Erbe des Anlegers in 15 Jahren 212.000 Euro wert sein. Bei einem Schwund von 4 Prozent im Jahr werden 183.000 Euro übrigbleiben. Umgekehrt müsste das Erbe in 15 Jahren ohne die Zinsen im landläufigen Sinn mindestens 389.000 beziehungsweise 450.000 Euro wert sein, um allein den heutigen Startwert von 250.000 Euro zu behalten. Wie schwierig das werden wird, zeigen die weiteren Geldanlagen.

Die Begeisterung hält sich in Grenzen

Wer sich mit einfachen Sparbriefen nicht zufriedengibt, weil ihm die Wiederanlage zu lästig oder die Rendite zu gering ist, kann das Geld zu einer Versicherung tragen. Dort ist die Anlage in eine klassische Rentenpolice möglich. Die Investition führt nicht, wie manche Betrachter befürchten, automatisch zur Verrentung des Geldes. Stattdessen handelt es sich zunächst um einen Sparbrief mit Zinsansammlung oder Zerobonds. Der Anleger gibt 250.000 Euro aus der Hand und bekommt bei einem Direktversicherer nach 15 Jahren 317.000 Euro auf die Hand zurück. So hoch ist das Garantiekapital. Das ist eine Verzinsung von 1,6 Prozent. Da ist es kein Wunder, wenn sich Privatleute mit den Einmalzahlungen in Kapitalversicherungen zurückhalten.

Für den Anleger stehen die 1,6 Prozent nicht am Ende der Rechnung. Die Differenz zwischen dem Endwert (317.000 Euro) und dem Barwert (250.000 Euro) ist zur Hälfte steuerpflichtig, und 33.500 Euro unterliegen der Einkommensteuer. Bei einem Steuersatz von beispielsweise 30 Prozent fordert der Fiskus bei Fälligkeit der Versicherungspolice einmalig 10.050 Euro. Dadurch sinkt der Endwert auf 306.950 Euro und die Verzinsung auf 1,38 Euro. Wird nun noch die Inflation berücksichtigt, rutscht der Vertrag ins Minus.

Selbst unter der Voraussetzung, dass der Versicherer dem Anleger in 15 Jahre nicht nur den Garantiebetrag von 317.000 Euro, sondern das Überschusskapital von 465.000 Euro auszahlen kann, wird sich die Begeisterung des Erben in Grenzen halten. Es fallen Steuern von 32.250 Euro an, der Endwert sinkt auf 432.750 Euro, und die Verzinsung liegt bei 3,7 Prozent nach Steuern.

Ein Depot mit Anleihen und Aktien

Nun kommt wieder die Inflation ins Spiel, so dass die reale Verzinsung erneut gegen null strebt. Damit wird sich der Anleger mit hoher Wahrscheinlichkeit abfinden müssen. Fraglich ist nur, wie groß die Aussicht ist, dass die Versicherung in 15 Jahren ein Überschusskapital von 465000 Euro zur Verfügung stellen wird. Der Wert entspricht einer Verzinsung von 4,22 Prozent pro Jahr, und es steht in den Sternen, wie die Gesellschaft diesen Wert erzielen will.

Die 4,2 Prozent sind das Ergebnis für den Kunden, und wenn die Versicherung auf ihre Kosten kommen will, muss sie mindestens 5,2 bis 5,5 Prozent pro Jahr erzielen, und solche Vorhaben sind im Augenblick nicht zu erfüllen. Folglich steht die Prognose auf so tönernen Füßen, dass sich Anleger gut überlegen sollte, ob er auf diesen Handel einlässt. Der dritte Versuch ist ein Depot mit Anleihen und Aktien. Der Anleger legt, weil er das Geld nicht braucht, zu 40 Prozent in Anleihen und zu 60 Prozent in Aktien an. Bei festverzinslichen Papieren erwartet er eine Rendite von 3 Prozent, und bei Aktien hofft er auf eine Verzinsung von 6 Prozent.

Dort soll die Rendite zu gleichen Teilen aus Dividenden und Kurssteigerungen bestehen. Der Endwert des Depots besteht aus drei Töpfen. Im ersten Topf liegen die 100.000 Euro der Anleihen. Der zweite Topf enthält 212.000 Euro des Aktiendepots. Sie ergeben sich aus den Kurssteigerungen von jährlich 3 Prozent abzüglich der Abgeltungsteuer am Ende der Laufzeit.

Der dritte Topf umfasst die jährlichen Zinsen (2.209 Euro) der Anleihen und die jährlichen Dividenden (3.313 Euro) der Aktien. Sie werden zu jeweils 1 Prozent in einem Sparvertrag angesammelt, so dass im dritten Topf in 15 Jahren voraussichtlich 88.888 Euro liegen werden. Die Summe der drei Töpfe beträgt somit 401.000 Euro. Das führt zu einer Rendite von 3,2 Prozent nach Steuern, so dass selbst die Aussicht, mit Anleihen und Aktien die Inflation zu schlagen, ziemlich düster ist.

Der Erhalt des Kapitals und die Hoffnung auf den zusätzlichen Schnaps sind nur mit Hilfe bester Immobilien und Kredite möglich. Das wird die Liebhaber der Anlagen in ihrem Urteil bestätigen, dass es bei Inflation zu Beton auf Pump kaum Alternativen gibt. Wichtig ist freilich der ungetrübte Blick auf diese Kombination, weil sonst Ärger droht. Denkbar ist der Kauf einer Immobilie für 500.000 Euro. Davon entfallen 150.000 Euro auf das Grundstück, 300.000 Euro auf das Gebäude und 50.000 Euro auf die Nebenkosten für Finanzamt, Makler und Notar. Das Objekt wird jeweils zur Hälfte mit Eigenkapital und Kredit finanziert.

Der Kredit kostet 3,5 Prozent pro Jahr und wird durch eine Tilgung von 2,5 Prozent pro Jahr abgebaut. Die Immobilie wirft jedes Jahr einen Ertrag von 27.000 Euro ab. Davon sollen nach Abzug der Instandhaltungs- und Verwaltungskosten etwa 24.000 Euro übrigbleiben. Sie mögen jedes Jahr um 2 Prozent steigen. Genauso soll der Wert des Grundstücks um 2 Prozent pro Jahr klettern. Nur der Wert des Gebäudes soll wegen des Verschleißes der Substanz um 2 Prozent pro Jahr fallen.

Kein Anlass zum Katzenjammer

Der Endwert der Immobilie wird aus vier Teilen bestehen. Da ist das Grundstück, das in 15 Jahren schätzungsweise 202000 Euro wert sein wird. Das Grundstück wird voraussichtlich 210000 Euro auf die Waage bringen. Die Restschuld des Kredits wird bei 129000 Euro liegen. Und die jährlichen Überschüsse der Vermietung ergeben einen Endwert von 103000 Euro. Das sind in der Summe rund 386000 Euro. Das ist im Vergleich zu den Alternativen nicht schlecht. Nur ist der Endwert nicht so hoch, wie es sich viele Anleger erhoffen. Dafür sind drei Gründe ins Feld zu führen.

Der Anleger hat mit 10 Prozent der Investition hohe Einstiegskosten, und die Möglichkeit, den Aufwand zu reduzieren, sind in vielen Städten gering. Das Objekt sollte eine Mietrendite von 6 Prozent abwerfen. Das setzt Einkaufspreise von höchstens 17 Jahresmieten voraus und ist in starken Regionen ein frommer Wunsch, weil dort Preise von 20 bis 25 Jahresmieten an der Tagesordnung sind. Genauso fromm ist der Wunsch nach hohen Steigerungen. Die Mieten mögen um 2 Prozent pro Jahr klettern. Das mag auch für Grundstücke gelten. Nur die Hoffnung, dass auch die Gebäudewerte in diesem Maße steigen, ist wegen der Abnutzung des Gebäudes trügerisch. Folglich ist es kein Wunder, dass die Rendite der Immobilie trotz der guten Basiswerte und trotz des Kredits nur 2,9 Prozent beträgt.

Das Fazit der Betrachtung mag ernüchternd sein, doch es ist kein Anlass zum Katzenjammer. Privatleute werden sich bei Inflation damit abfinden müssen, dass ihre Geldanlagen bestenfalls den Wert behalten. Der Traum von der wahren Vermehrung des Geldes ist Illusion. Da spendet nur der Glaube an höhere Mächte gewisse Einsicht. Der Mensch kommt ohne Geld auf die Welt. Er strebt über die Dinge, die er zum täglichen Leben braucht, nach Besitz und Geld. Das ist in Ordnung. Besteht aber wirklich ein Anspruch auf Zinsen und Zinseszinsen?

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

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