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Die Vermögensfrage : Vorsicht mit der Betriebsrente

  • -Aktualisiert am

Siemens-Generator mit Durchblick: Der fehlt vielen bei der Betriebsrente. Bild: dpa

Arbeitnehmer können sich ihre Betriebsrente selbst organisieren. Aber das lohnt sich nicht für jeden. Zu oft werden die Sparer doppelt belastet.

          Die Debatte um die Altersvorsorge ist entbrannt. Die Riester-Rente ist nach Ansicht einiger Politiker gescheitert. Gestritten wird nun in Zeiten niedriger Zinsen um das Niveau der gesetzlichen Rente. Und die betriebliche Altersversorgung soll ausgebaut werden. Die Kritik an Riester verunsichert vor allem Bürger, die dem Aufruf nachgekommen sind, aus eigener Kraft für den Ruhestand vorzusorgen.

          Nun soll es künftig die Betriebsrente sein. Bei der Vorsorge über den Chef sind jedoch Reformen notwendig, um diese Form der Altersvorsorge attraktiver zu gestalten. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie, die das Bundesfinanzministerium bei der Universität Würzburg in Auftrag gegeben hat.

          Tatsächlich ist die Betriebsrente vor allem bei größeren Unternehmen verbreitet. Und obwohl jeder sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer seit 2002 das Recht auf eine Entgeltumwandlung hat, fristet dieser Zweig der Vorsorge ein stiefmütterliches Dasein. Die Zahl der Abschlüsse stagniert. Und rechnet man die fünf Millionen Beschäftigten im öffentlichen und kirchlichen Dienst aus der Statistik heraus, sorgt gerade einmal jeder Zweite in der Privatwirtschaft über den Chef für das Alter vor. In Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten sind es noch nicht einmal ein Drittel. Das soll sich nach Ansicht der Bundesregierung ändern. Doch lohnt sich die Entgeltumwandlung überhaupt?

          Auch der Chef spart mit der Betriebsrente

          „Die Entgeltumwandlung kann sich rechnen, wenn der Chef etwas dazugibt“, sagt Martin Schulz, Projektleiter Altersvorsorge bei Finanztest. Aber so pauschal wie noch vor einigen Jahren ließe sich das heute auch nicht mehr sagen. Niedrige Zinsen und schrumpfender Garantiezins setzten der Betriebsrente zu. Auch würden mehr fondslastigere Produkte und solche, die lediglich die eingezahlten Beiträge garantieren, angeboten.

          Darüber hinaus zeigt sich nicht jeder Chef spendabel und gibt etwas zur Altersvorsorge hinzu. Zwar hat jeder sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer seit 2002 das Recht, bis zu 4 Prozent seines Bruttogehalts steuer- und sozialabgabenfrei in eine Direktversicherung, einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse einzuzahlen. Im laufenden Jahr sind dies bis zu 2976 Euro. Zudem können weitere 1800 Euro steuerfrei eingezahlt werden.

          Allerdings existiert kein Anspruch darauf, dass der Chef etwas beisteuert – obwohl auch er bei einer Entgeltumwandlung in der Regel Sozialversicherungsbeiträge spart. „Die Vertriebsleute haben damals den Unternehmen die Entgeltumwandlung mit dem Argument schmackhaft gemacht, sie könnten Sozialversicherungsbeiträge sparen“, sagt Rentenberater Walter Vogts aus Ilbesheim.

          Daher überrasche die Knauserigkeit einiger Unternehmen nicht. Sie steckten die Ersparnisse lieber in die eigene Tasche. Arbeitnehmern würde die Entgeltumwandlung oft mit dem Argument schmackhaft gemacht, in jungen Jahren Sozialabgaben und Steuern zu sparen. Unterschlagen würden dabei jedoch negative Auswirkungen auf andere Sozialleistungen, auf die gesetzliche Rente sowie die Belastungen im Ruhestand, berichtet Vogts.

          Die Betriebsrente hat auch ihre Nachteile

          Im Alter müssen die Auszahlungen aus der betrieblichen Altersversorgung versteuert werden. Ausnahmen gibt es lediglich für Direktversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden. Zudem wird bei gesetzlich Versicherten der volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag fällig – aktuell immerhin bis zu 18,3 Prozent.

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