Home
http://www.faz.net/-gvg-75dt4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Baufinanzierung

Die Vermögensfrage Vom Reiz, rechtzeitig zu verzichten

Testamente führen leicht zu Streit. Ursache ist meist, dass sich Erblasser um klare Entscheidungen drücken. Es gibt zwei Ansätze, Konflikte unter den Erben zu minimieren.

© Kai Vergrößern „Dann wollen wir es doch mal gerecht verteilen...“

Die Gestaltung des Privatvermögens im hohen Alter ist heikel. Hier geht es nicht mehr um die Anlage, sondern um die Verteilung des Geldes. Das mag sich nach Haarspalterei anhören. Wer jedoch weiß, wo Senioren im Alter von 80 oder 90 Jahren der Schuh drückt, kennt die Situation. Es geht weniger um die Frage, ob die Geldanlagen 2 oder 3 Prozent im Jahr abwerfen, sondern es geht in erster Linie um die Überlegung, wie das Vermögen auf bestimmte Menschen verteilt wird. Wie viel Geld behalten die Senioren für sich, wie viel wird an die Kinder und Enkel verschenkt, wie viel Vermögen wird für eine gute Sache gespendet? Die Probleme werden in folgendem Beispiel deutlich.

Ein vermögender Zahnarzt ist 80 Jahre alt. Die Ehefrau ist zwei Jahre jünger. Das Ehepaar hat drei Kinder im Alter von 50, 47 und 44 Jahren. Hinzu kommen acht Enkel, die zwischen 15 und 25 Jahre alt sind. Der Freiberufler ist durch Fleiß und Tüchtigkeit zu einem beachtlichen Vermögen gekommen, wie ein Blick auf die Konten zeigt. Bargeld, Sparbücher und Termingeld summieren sich auf 150.000 Euro, die Anleihen auf 400.000 Euro. Hinzu kommt die Rente des Versorgungswerkes von 3.000 Euro pro Monat.

Das entspricht bei einer Restlaufzeit von zehn Jahren, einem jährlichen Anstieg um 1,5 Prozent und einem Abzinsungssatz von 3 Prozent einem Vermögenswert von 333.000 Euro. Das Eigenheim könnte für 350.000 Euro verkauft werden, und die Ferienwohnung in der Schweiz ist 250.000 Euro wert. Die vermieteten Immobilien haben einen Summenwert von 900.000 Euro. Der Marktwert der Aktien liegt bei 300.000 Euro. Abgerundet wird das Vermögen durch Gold im Wert von 100.000 Euro. Das führt unter dem Strich zu einem Vermögen von 2.783.000 Euro.

Bei Geld entfaltet Missgunst ihre volle Blüte

Die Summe wird, wie das in diesem Land üblich ist, bei vielen zu bissigen Kommentaren führen. Wie ist es möglich, dass ein Zahnarzt so viel Geld hat? Und nun will dieser Mann auch noch Probleme haben, was er mit seinem Vermögen machen soll? Das kann doch nicht wahr sein! Neid ist zwar, wie Wilhelm Busch notierte, die aufrichtigste Form der Anerkennung. Doch beim Geld entfaltet Missgunst, wenigstens in Deutschland, ihre volle Blüte. Daher ist es kein Wunder, dass viele Millionäre in ihren Geldangelegenheiten einsame Menschen sind. Sie haben das Vermögen mit eigenen Händen erworben. Trotzdem bleibt ihnen in der Regel die Anerkennung versagt. Hinzu kommt die Angst, das Vermögen durch Abgaben, Inflation und Fehlentscheidungen wieder zu verlieren.

Geldanlage am Ende des Lebens führt, wie gesagt, weniger zur Frage, in welche Produkte das Kapital gesteckt wird, sondern wie es verteilt werden soll. Die Gedanken münden früher oder später in die Diskussion, wie viel die Senioren für sich brauchen. Dann geht es um die Frage, wie der Überschuss abgegeben werden soll. Und am Ende wird es knifflig: Wird das Geld verschenkt oder vererbt? Und wie wird es bis zum Lebensende angelegt?

Die einfachste Frage dürfte die erste Überlegung sein: Wie viel Geld brauchen die Eltern für sich? Die Antwort wird vom Konsumverhalten der Senioren abhängen, und da ist ein Blick in die Bücher notwendig: Wie hoch sind die Ausgaben für die Autos? Wie viel kostet das Eigenheim? Wie teuer ist der Konsum? Was verschlingen die Urlaube? Wie hoch sind die Prämien für die Versicherungen?

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuertipp So vererben Sie eine Immobilie steuerfrei

Vererbt oder verschenkt man ein Haus oder ein Wohnung innerhalb der Familie, so fallen meist keine Steuern an. Doch es muss sich um ein Familienheim handeln. Ferien- oder Wochenendwohnungen gehören nicht dazu. Mehr Von Carl-Josef Husken

15.10.2014, 09:37 Uhr | Finanzen
Die oberen 10 Prozent. Erben genügt als Beruf.

Die Erbschaftswelle in Deutschland rollt. Die vorangegangene Generation hat Vermögen angehäuft. Während manche von der Rendite ihres Erbes leben, fällt es Arbeitnehmern immer schwerer aus ihrem Lohn Rücklagen bilden. Mehr

18.06.2014, 09:12 Uhr | Wirtschaft
Kinderarmut Etwas mehr Kinder in Hartz IV

Jahrelang lebten in Deutschland immer weniger Kinder von Hartz IV, weil ihre Eltern Arbeit fanden. Doch dieser Trend ist jetzt gestoppt. Andrea Nahles will erreichen, dass mehr Langzeitarbeitslose Stellen finden. Mehr

11.10.2014, 12:38 Uhr | Wirtschaft
China sorgt sich um die steigende Zahl an Senioren

Wegen der Ein-Kind-Politik sind in China immer mehr Ältere auf die Hilfe von immer weniger Jüngeren angewiesen. Die Senioren in Altenheimen unterzubringen, ist in der chinesischen Kultur eine neue und umstrittene Praxis. Mehr

20.08.2014, 15:22 Uhr | Gesellschaft
Biograph Reiner Stach Was für ein Kind war Kafka?

Franz Kafkas Kindheit fand ohne Freunde statt und wurde von den permanenten Drohungen des Vaters begleitet. Wie münzte Kafka seine schwierige Kindheit in literarische Stärke um? Mehr

10.10.2014, 13:08 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.12.2012, 13:00 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Wertpapiersuche