29.04.2007 · Selbst für Ruheständler, die finanziell nicht in einer Notlage sind, ist die Gestaltung des Lebensabends nicht einfach. Denn viele von ihnen schätzen ihre Rücklagen einfach völlig falsch ein. Die Folgen sind zum Teil fatal.
Von Volker LoomanDie finanzielle Gestaltung des Ruhestandes ist selbst für Ruheständler, die keine Not leiden, in vielen Fällen mit Schwierigkeiten verbunden. Dafür sind in der Regel fünf Gründe verantwortlich: Erstens wissen die Anleger nicht, wie reich sie sind. Zweitens ahnen sie nicht, welches Vermögen hinter ihren Pensionen steckt. Drittens können sie sich nicht vorstellen, wie hoch der Barwert des Konsums ist. Viertens haben sie Angst, Geld an der Börse zu verlieren. Und fünftens fehlt ihnen der Mut, einen Teil des Vermögens zu verbrauchen.
Die Folgen sind zum Teil fatal. Die Senioren verzetteln sich mit ihren Geldanlagen und können den Ruhestand im Extremfall gar nicht so genießen, wie sie es eigentlich verdient hätten. Die alltäglichen Sorgen macht folgender Fall deutlich: Ein verheirateter Anleger ist vor einigen Wochen in den Ruhestand getreten. Der Mann ist 65 Jahre alt und hat viele Jahrzehnte in der Verwaltung gearbeitet.
Senioren wissen oft nicht, wie reich sie wirklich sind
Dafür bekommt er jetzt eine Pension von 3000 Euro pro Monat. Der Betrag ist fast netto. Die Steuern sind schon abgezogen. Nur die Abgaben für die Krankenkasse und die Pflegeversicherung müssen noch bezahlt werden. Die Ehefrau ist 55 Jahre alt und kümmert sich um den Haushalt. Das Vermögen des Ehepaars besteht neben der Rente aus fünf Positionen. Sie wohnen in einer Wohnung, die 250.000 Euro wert ist. Auf dem Festgeldkonto liegen 50.000 Euro. In zwei Kapitalversicherungen stecken 225.000 Euro. Das Wertpapierdepot hat einen Kurswert von 300.000 Euro.
Die beiden Eheleute haben ein Vermögen von 1,4 Millionen Euro und sind somit Millionäre. Doch das können sich die beiden Anleger, die von Natur aus bescheidene Menschen sind, in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen. Statt der 1.400.000 Euro sehen die Senioren lediglich 500.000 Euro, weil sie nur das Festgeld, die erste Kapitalversicherung und das Depot im Blick haben. Die Rente beträgt ihrer Meinung nach 3000 Euro pro Monat. An die lastenfreie Wohnung haben sich die Ruheständler längst gewöhnt, und die zweite Versicherung wird erst in der Zukunft fällig. Die Schilderung mag sich für Menschen, die in anderen Verhältnissen leben, wie ein Märchen anhören, doch das Problem, dass Senioren gar nicht wissen, wie reich sie in Wahrheit sind, ist weit verbreitet.
Verzicht auf Kapitalisierung häufig als größter Fehler
Der größte Fehler, der bei der finanziellen Gestaltung des Ruhestandes gemacht wird, ist der Verzicht auf die Kapitalisierung der Pensionen und Renten. Der Mann ist 65 Jahre alt und wird, wenn die aktuellen Sterbetafeln stimmen, noch 20 Jahre leben. Allein die Multiplikation von 240 Monaten mal 3000 Euro zeigt, dass der Rentner viel Geld besitzt. Nur spürt der Investor diesen Reichtum nicht, weil die 720.000 Euro irgendwo in Berlin oder Bonn liegen. Trotzdem ist das Geld vorhanden. Nicht nur Bund, Länder und Gemeinden, sondern auch Unternehmen haben für ihre Pensionäre hohe Rücklagen gebildet, um die Verpflichtungen erfüllen zu können.
Im vorliegenden Beispiel muss für den Anleger ein Vermögen von 500.000 Euro vorhanden sein, um bei einem Zinssatz von 4 Prozent pro Jahr monatlich 3000 Euro bezahlen zu können. In Wahrheit wird der Betrag sogar höher sein, weil die Frau jünger ist und eine Lebenserwartung von mindestens 30 Jahren hat. Sie hat Anspruch auf eine Witwenrente von 60 Prozent des Gehaltes ihres Mannes, so dass sich der Staat darauf einstellen muss, zunächst 240 Monate lang 3000 Euro und danach 120 Monate lang 1800 Euro bezahlen zu müssen. Das führt bei einem Zinssatz von 4 Prozent zu einem Rentenbarwert von 581.000 Euro.
Senioren sollten auf Boden der Tatsachen bleiben
In enger Verbindung zum Rentenbarwert steht der Konsumbarwert. Das sind die Ausgaben, die das Ehepaar für das tägliche Leben aufbringen muss. Dazu zählen in erster Linie die Aufwendungen für Auto, Ernährung, Kleidung, Urlaub, Versicherungspolicen und Wohnung. Sie summieren sich im vorliegenden Beispiel auf 2500 Euro pro Monat. Wenn einer der beiden Ehepartner stirbt, werden die Ausgaben voraussichtlich auf 2000 Euro sinken. Das führt in Anlehnung an die Rentenrechnung zu 240 Ausgaben à 2500 Euro und zu 120 Raten à 2000 Euro, so dass unter dem Strich ein Barwert von 507.000 Euro herauskommt.
Das ist ein angenehmes Ergebnis. Wenn die Senioren im Alter nicht auf dumme Gedanken kommen und zum Beispiel in die Spielbank gehen. Wenn sie auf dem Boden der Tatsachen bleiben, ist der Lebensabend unter finanziellen Aspekten gesichert. Das Ehepaar hat ein Dach über dem Kopf, und der Barwert der Renten ist um 74.000 Euro höher als der Kapitalwert des Konsums, so dass der Alltag im grünen Bereich verläuft. Damit können sie sich als Anleger mit der Frage beschäftigen, was aus dem Festgeld, den Policen und dem Depot werden soll, wie die 575.000 Euro angelegt werden sollen.
Entscheidung besser unter rationalen Gesichtspunkten
Der Geldmarktfonds von 50.000 Euro ist keine schlechte Idee, weil das Kapital ein solider Notgroschen für ein Auto, Hausreparaturen oder Operationen ist. Bei den Versicherungen sieht die Betrachtung anders aus. Die erste Police hat der Ehemann abgeschlossen, und das Kapital von 150.000 Euro wird in wenigen Tagen fällig. Hier geht es um die Frage, ob das Kapital ausgezahlt oder verrentet werden soll. Die zweite Police läuft auf den Namen der Ehefrau. Der Vertrag hat einen Rückkaufswert von 75.000 Euro, die planmäßige Restlaufzeit beträgt fünf Jahre, und die monatlichen Prämien liegen bei 250 Euro.
Die Entscheidung über die Zukunft der Versicherungen sollte unter rationalen Gesichtspunkten getroffen werden. Das erste Angebot, entweder 150.000 Euro auf die Hand oder 700 Euro pro Monat auf Lebenszeit, verbunden mit einer jährlichen Steigerung von 2,5 Prozent, bedeuten bei einer Zahlungsdauer von 20 Jahren, dass die Versicherung eine Verzinsung von 3,57 Prozent vor Steuern anbietet. Das sind nach Steuern ungefähr 3 Prozent, weil die Renten mit einem Ertragsanteil von lediglich 18 Prozent zu versteuern sind. Die zweite Police wird sich nach Steuern mit 4,85 Prozent pro Jahr verzinsen, wenn die in Aussicht gestellte Ablaufleistung von 112.000 Euro korrekt ist.
Kein Mensch weiß, wann Geld tote Materie wird!
Die beiden Renditen sind ordentliche Ergebnisse, doch die Frage, ob die Rente und die Weiterführung vorteilhaft sind, steht und fällt mit der Überlegung, wie das freie Geld, also das Kapital, das nicht in den Pensionen und der Wohnung steckt, in den nächsten Jahren angelegt werden soll. Angesichts des Umstands, dass vom Gesamtvermögen (1.406.000 Euro) insgesamt 881.000 Euro beziehungsweise 63 Prozent in sicheren Töpfen wie Pensionen, Wohnung und Festgeld liegen, kann das Ehepaar mit den restlichen 525.000 Euro ins Risiko gehen. Die Anleger können sich den Luxus leisten, das Geld in Aktien und Beteiligungen anzulegen und das Kapital in den Sand zu setzen. Das wäre zwar ärgerlich, doch die Welt würde nicht untergehen.
Die rentabelste und sicherste Lösung werden mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Aktien sein. In den vergangenen Monaten sind börsengehandelte Indexfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen, und die passiven Anlagen sind und bleiben für Investoren, die nicht mit zwei- oder dreistelligen Millionenbeträgen handeln, die effizienteste Art, einen Teil des Geldes an der Börse anzulegen. Derzeit bekommen auch die Anleger, denen um die Jahrtausendwende das blanke Entsetzen im Gesicht stand, wieder feuchte Augen, wenn sie sehen, wie sich die Aktien entwickeln.
Doch bei nüchterner Betrachtung sind über Zeiträume von 15 bis 20 Jahren jährliche Renditen von 7 bis 8 Prozent keine Seltenheit. Wenn die beiden Anleger eingesehen haben, dass sie wirklich Millionäre sind, bieten sich vier Schritte an. Erstens: Auszahlung der ersten Police. Zweitens: Rückkauf der zweiten Versicherung. Drittens: Anlage von 500.000 Euro in Aktien. Viertens: Kreuzfahrt für 25.000 Euro, weil kein Mensch weiß, wann die letzte Stunde schlagen wird und Geld tote Materie ist!
wo lebt der verfasser?
Reinhard Pansch (hellko)
- 29.04.2007, 12:52 Uhr
Seltsame Berechnungen und Empfehlungen.....?
wolf haupricht (emilgilels)
- 29.04.2007, 14:38 Uhr
Nachtrag zu...Empfehlungen>
wolf haupricht (emilgilels)
- 29.04.2007, 14:43 Uhr
Hilfebedürftige Rentnermillionäre
Peter T. Erdweg (PTErdweg)
- 29.04.2007, 15:07 Uhr
Realität beachten
rudolf hering (schindergraben)
- 29.04.2007, 18:03 Uhr