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Die Vermögensfrage : Steuervorteile vernebeln bei Rürup-Rente den Blick

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Vorsicht: Steuerlich begünstigte Kapitalanlagen vernebeln den Blick. Bild: dpa

Die Rürup- oder Basis-Rente ist oft ein schlechtes Geschäft. Die anfangs gesparten Steuern werden in der Rentenphase großteils nachbezahlt. Der Erfolg hängt nicht nur von der Börse, sondern auch noch von der Versicherung ab.

          Die aktuelle Diskussion über den Anstand und die Moral prominenter Steuersünder ist der beste Beweis, dass Intelligenz keine Garantie für Anstand und Moral und kein Schutz vor Gier ist. Die salbungsvollen Worte, Steuern seien ein Gebot der Solidarität und die Stütze jeder Demokratie, sind wunderbare Sonntagsreden. Wenn es ums Geld geht, hören die meisten Freundschaften auf, und wenn es um Steuern geht, hört jede Solidarität auf. Es ist eine Binsenweisheit, dass nirgendwo mehr gelogen wird als auf dem Finanzamt und vor Gericht, und gegen diese „Krankheit“ helfen nur drei Mittel. Die Gesetze müssen einfach und klar sein. Die Abgaben müssen sich in Grenzen halten. Verstöße müssen mit aller Härte geahndet werden.

          Es ist nicht möglich, die Höhe der Abgaben in „starkem Maße“ zu beeinflussen. Lohn ist Lohn, Gehalt ist Gehalt, und Honorar ist Honorar. Angestellte sind gläserne Steuerzahler, und Selbständige haben die Betriebsprüfer im Nacken. Da lassen sich in beiden Fällen, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, die Zahlen nicht verbiegen. Und bei der Geldanlage sieht es nicht besser aus. Wer seine Überschüsse aus der Arbeit in Anleihen, Immobilien und Aktien anlegt, hat die Erträge und Wertzuwächse zu versteuern. Folglich halten sich auch bei Geldanlagen die Möglichkeiten der Steuersenkung in Grenzen.

          Kapitalversicherungen nach wie vor beliebt

          Bei diesen Perspektiven ist es kein Wunder, dass alle Kapitalanlagen, die im Ruf stehen, steuerlich begünstigt zu sein, auf Privatleute große Faszination ausstrahlen. Dazu gehören in erster Linie die vermieteten Immobilien auf Pump. Die Objekte können „abgeschrieben“ werden, Wertzuwächse bleiben unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei, und die Kreditzinsen lassen sich als Werbungkosten absetzen. Kapitalversicherungen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, weil nur die Hälfte der Erträge der Besteuerung unterliegt. Genauso stehen „grüne“ Anlagen auf Kredit hoch im Kurs. Erstens winken bei Solaranlagen und Windrädern üppige Subventionen, und zweitens drücken die Abschreibung und die Sollzinsen die Steuerlast. Und es gibt die Basisrente, bei welcher die Prämien als Sonderausgaben absetzbar sind.

          Verlauf der Basisrente von 2014 bis 2048

          Die Steuervorteile vernebeln in vielen Fällen den klaren Blick für die Risiken der Geschäfte. Die Leute nehmen Kredite auf, weil die Zinsen niedrig sind, und stecken das Geld in Anlagen, weil die Erträge hoch erscheinen. Wer sich freilich die Mühe macht, vor dem Abschluss der Verträge einen „nüchternen“ Zahlungsplan aufzustellen, wird in der Regel schnell erkennen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das wird bei der Analyse von Basisrenten deutlich, die bei der Altersversorgung von Selbständigen eine große Rolle spielen, gerne aber auch von steuergeplagten Managern abgeschlossen werden.

          Die sogenannte Rürup-Rente wurde im Jahr 2005 in die deutsche Altersvorsorge eingeführt. Sie ist im Gegensatz zur gesetzlichen Rente kapitalgedeckt. Jeder Anleger besitzt sein eigenes Konto. Auf dieses Konto fließen die Prämien. Hinzu kommen die Erträge in Form von Dividenden und Zinsen. Die Rente wird zu gegebener Zeit diesem Topf entnommen. Er gehört allein dem Anleger. Der Besitzer muss weder andere Anleger unterstützen, noch erhält er von anderer Seite finanzielle Unterstützung. Maßgebend ist allein der Kapitalmarkt.

          Der Verlauf der Basisrente wird in der Tabelle deutlich. Hier hat ein 50 Jahre alter Mann einen Vertrag mit einer jährlichen Prämie von 24.000 Euro abgeschlossen. Sie soll bis zur Vollendung des 67. Lebensjahr bezahlt werden. Das Geld fließt in den Aktientopf einer deutschen Direktversicherung in Norddeutschland. Das Unternehmen stellt dem Anleger im Gegenzug ab dem 68. Lebensjahr eine jährliche Rente von 41.000 Euro in Aussicht, die bis zum Lebensende bezahlt werden soll. Das ist eine Basisrendite von 3,5 Prozent pro Jahr, sofern die Rente insgesamt 18 Jahre – also bis zum 85. Lebensjahr – bezahlt werden wird. Sollte der Mann fünf Jahre länger leben, wäre das für die Rentabilität des Kapitals von Vorteil, weil die Verzinsung auf 4,37 Prozent pro Jahr steigt. Bei einem Tod nach dem 80. Geburtstag würde die jährliche Rendite auf 1,8 Prozent sinken.

          Der Steuervorteil hat seinen Preis

          Das Ergebnis hängt aber nicht nur von der Länge, sondern auch von der Höhe der Zahlungen ab. In der Einzahlungsphase spielen die Steuervorteile eine große Rolle, und in der Auszahlungsphase haben die Erträge und die Steuern massive Auswirkungen. Die jährlichen Prämien von jeweils 24.000 Euro können, wie in der Tabelle deutlich wird, in steigendem Maße als Sonderausgaben geltend gemacht werden. In diesem Jahr sind es 78 Prozent der Prämien, und dieser Satz wird 2025 volle 100 Prozent erreichen. Danach gilt für diesen Vertrag, dass konstant 91 Prozent der Rente der persönlichen Besteuerung unterliegen.

          Der Abzug als Sonderausgabe führt bei Anlegern, die einen durchschnittlichen Steuersatz von 35 Prozent haben, das sind bei Ehepaaren etwa 150.000 Euro Einkommen pro Jahr, zu jährlichen Steuervorteilen, die bei 6.552 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 8.400 Euro steigen. Insgesamt spart der Anleger in der Einzahlungsphase ungefähr 132.000 Euro an Steuern. Diese Summe dürfte eine der Hauptgründe für den Erfolg der Basisrente sein, doch der Lohn hat seinen Preis. Die Rente muss zu 91 Prozent versteuert werden. Das heißt im vorliegenden Fall, dass in der Auszahlungsphase jährlich 38.000 Euro der persönlichen Besteuerung zu unterwerfen sind. Sie führen bei einem Steuersatz von 20 Prozent zu jährlichen Abgaben von 7462 Euro. Das sind in der Summe rund 134.000 Euro, so dass von einer Steuerersparnis gar keine Rede sein kann. Vielmehr handelt es sich um eine Stundung der Abgaben. Zuerst spart der Anleger ein wenig Steuern, anschließend bezahlt der Anleger ein wenig Steuern.

          Die Einbindung der Steuern in den Zahlungsstrom ähnelt einem Fußballspiel, das aus zwei Halbzeiten besteht. In der ersten Halbzeit, die 17 Jahre dauert, legt der Anleger durchschnittlich 16.000 Euro auf die hohe Kante, und im zweiten Durchgang, einschließlich der Nachspielzeit also 18 Jahre, kommen im Schnitt knapp 34.000 Euro zurück. Das führt, wie in der letzten Spalte der Tabelle deutlich wird, zu einer jährlichen Verzinsung von 4,5 Prozent. Hinter dem Konto verbirgt sich ein Girokonto oder Sparbuch. Zuerst werden Prämien eingezahlt, danach werden Renten abgehoben, und mit einem Habenzins von 4,5 Prozent wird das Konto mit einer Null enden.

          Ein Hinweis kann viel Geld wert sein

          Das Ergebnis mag auf den ersten Blick überzeugen, weil die Verzinsung so „hoch“ ist. Nur sind die „Höhe“ und die „Länge“ nicht sicher. Das Geld wird in Aktien angelegt, und die Restlaufzeit des Anlegers ist unbekannt. Folglich kann die Rendite bestenfalls eine Orientierung sein. Das macht die Sache heikel, weil der Versuch, doch Anhaltspunkte zu finden, wie gut die Verzinsung ist, selbst für Fachleute schwierig ist. Das liegt an der „Weigerung“ der Versicherung, sich bei ihrer Kalkulation ihrer Policen in die Karten schauen zu lassen.

          Die einzige Möglichkeit, etwas Dunkel in das Licht zu bringen, ist der Vergleich mit anderen Anlagen. Dazu ist es notwendig, einen Blick in die Produktinformationsblätter des Anbieters zu werfen und anschließend eigene Prognosen zu verwenden. Wenn in den Unterlagen der Hinweis steht, dass das Geld zu 100 Prozent in Aktien fließt, ist dieser „lapidare“ Hinweis viel Geld wert. Dann weiß der Anleger erstens, dass das Geld an die Börse geht, und der Investor erkennt zweitens, dass ihm eine Verzinsung von 3,5 Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt wird.

          Gegen diese Verzinsung ist nichts einzuwenden, wenn der Anleger eine Erwartung von 3,75 oder 4 Prozent hat. Sollte er aber eine Verzinsung von 6 Prozent erwarten, wird die Sache fragwürdig, weil bei dieser Kalkulation viel Geld im Kamin zu verschwinden scheint. Eine Verzinsung von 6 Prozent würde dem Anleger, wenn er das Geld selbst in Aktien anlegt, wegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent von etwa 4,5 Prozent bescheren. Das ist ungefähr das gleiche Ergebnis, das der Anleger mit Hilfe der Basisrente erzielt.

          Abhängigkeit von Börse und Versicherung

          Die mögliche Schlussfolgerung, es sei Jacke wie Hose, wo das Geld angelegt wird, ist mit Vorsicht zu genießen. Bei der Basisrente gerät der Anleger in die Abhängigkeit von Börse und Versicherung, und bei der Eigenanlage hängt der Anleger nur von der Börse ab. Der kleine Unterschied mag nichtig sein, doch bei genauer Analyse ist die Abhängigkeit der Knackpunkt. Der Anleger kann dem Vermögensverwalter der Versicherung keine Vorschriften machen, wie das Geld angelegt werden soll. Noch heikler ist die Tatsache, dass der Anleger keinen Einfluss auf die Gebühren und Kosten hat. Hier ist er dem Unternehmen total ausgeliefert.

          Die Versicherungen hören, das liegt in der Sache der Natur, solche Bemerkungen nicht gerne. Stattdessen preisen sie die Steuervorteile der Basisrente und den Umstand, dass die Bezüge bis zum Lebensende bezahlt werden. Die beiden Hinweise sind nicht von der Hand zu weisen, doch die Steuervorteile sind ein Argument, das in aller Regel nicht greift, und die lebenslange Rente ist eine Größe, die jeder Anleger durch entsprechende „Reserven“ selbst steuern kann. Er kann bei der Eigenanlage mit einer längeren Lebensdauer rechnen, so dass die Rente entsprechend sinken wird, oder er kürzt die Auszahlungsdauer, weil er weiteres Vermögen besitzt. Diese Möglichkeiten bleiben ihm bei der Versicherung verwehrt, weil es hier nur Verträge von der Stange gibt.

          Der große „Nachteil“ der Basisrente ist die feste Struktur. Der Anleger zahlt Prämien, und der Anleger bekommt Renten. Mehr geht nicht. Das mag für Privatleute gut sein, die im Alter keine „festen“ Einkünfte haben. Wer jedoch Renten aus Versorgungswerken erwartet und in einem schuldenfreien Eigenheim lebt, sollte sich die Basisrente mit Argusaugen ansehen, weil die Steuervorteile einen Vorteil vorgaukeln, der in Wirklichkeit kaum der Rede wert ist. Da ist es in der Regel doch besser, die Steuern zu bezahlen und die Zähne zusammen zu beißen. Steuerhinterziehung ist die schlechteste Lösung.

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