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Die Vermögensfrage : Sparen für das Dach über dem Kopf kann zum Albtraum werden

  • -Aktualisiert am

Lieber jetzt als gleich: Energieeffiziente Immobilie für den Eigenbedarf Bild: dpa

Wer in absehbarer Zeit ein Eigenheim haben will, sollte besser jetzt kaufen. Sparen lohnt bei den niedrigen Zinsen kaum, und Kredite sind günstig. Ein Rechenbeispiel, wie es gelingt, sich dabei nicht zu verschulden.

          Mieter mit dem Hang ins Eigenheim sind zur Zeit in der Zwickmühle. Das Eigenkapital ist knapp, und Sparen lohnt sich kaum. Die Preise für Häuser und Wohnungen steigen von Jahr zu Jahr, und die Zinsen für Kredite sind günstig. Das ist ein gefährliches Gemisch. Die steigenden Preise begünstigen die Neigung, den Traum vom eigenen Dach bald zu verwirklichen. Das knappe Eigenkapital und die Weigerung, noch eine Zeitlang zu sparen, steigern aber die Gefahr, sich bis über beide Ohren zu verschulden und den Aufbau der freien Altersvorsorge aufs Spiel zu setzen. Da hilft in der Regel nur kühler Verstand, wie in folgendem Beispiel deutlich wird.

          Ein Betriebsarzt ist 30 Jahre alt und mit einer Lehrerin verheiratet, die ein Jahr jünger ist. Das Paar hat zwei Kinder, so dass der Wunsch besteht, in naher Zukunft ein Haus zu kaufen. Die beiden Akademiker haben sich in den letzten Monaten nach Häusern umgesehen, und die Objekte, die für die junge Familie in Frage kommen, kosten im Schnitt rund 350.000 Euro. Hinzu kommen Nebenkosten von 30.000 Euro, so dass die Geschichte ungefähr 380.000 Euro kostet.

          Die Eltern haben 50.000 Euro auf dem Konto, so dass 330.000 Euro aufgenommen werden müssten, um das Haus bezahlen zu können. Die beiden sind sich bewusst, dass die Decke kurz ist. Es wäre aus mehreren Gründen vorteilhaft, den Anteil des Eigenkapitals auf 20 bis 25 Prozent zu steigern, doch um 80.000 oder 90.000 Euro in der Spardose zu haben, müssten die Mieter noch vier bis fünf Jahre sparen. Dazu sind die Privatleute durchaus bereit, aber was passiert, wenn in dieser Zeit die Preise weiter so stark steigen wie in den letzten Jahren? Schneiden sich die Eltern ins eigene Fleisch, wenn sie auf der einen Seite brav sparen und die Preise auf der anderen Seite frech steigen?

          Damit das Häuschen nicht für den Ruhestand draufgeht

          Die Frage, ob Sparen oder Tilgen die bessere Lösung ist, mag schwierig sein, doch die Berechnung, wie hoch die Teuerung der Immobilie sein darf, ist nicht leicht. Voraussetzung sind zwei Dinge. Das ist auf der einen Seite die Bestimmung der Kreditlaufzeit, und das ist auf der anderen Seite die Festlegung der Ratenhöhe. Der Ansatz ist für viele Menschen gewöhnungsbedürftig, weil sie die Finanzierung in der Regel umgekehrt anpacken.

          Nominaldaten des langen Darlehens

          Normalerweise bestimmen die Privatleute den Gesamtaufwand und ziehen von dieser Summe das vorhandene Eigenkapital ab. Das sind im vorliegenden Fall rund 330.000 Euro. Nun wird im Internet nach günstigen Zinsen gesucht. Das sind zurzeit etwa 3 Prozent, wenn die Zinsen für zehn Jahre festgeschrieben werden. Nun wird auf die Zinsen eine Tilgung von 2 Prozent gepackt, so dass die monatliche Rate für Zins und Tilgung bei 1375 Euro liegt. Das ist eine schöne Belastung. Sie liegt nur wenig über den Kosten für die Wohnung, sie verursacht keine Schmerzen, und sie löst in den Anlegern das Gefühl aus, die Miete endlich in die eigene Tasche zu stecken.

          Gegen die Gefühle ist der Verstand in der Regel machtlos. Trotzdem ist der Versuch, kühlen Kopf zu bewahren, keine strafbare Handlung. Zinsen von 3 Prozent und Tilgungen von 2 Prozent führen zu einer Laufzeit von dreißig Jahren und sieben Monaten. Na und, werden sich viele Betrachter fragen, wo ist das Problem? In 30 Jahren werden die Eigenheimer um die 60 Jahre alt sein, und das Problem ist die Frage, ob die beiden Akademiker neben ihren Renten und dem schuldenfreien Haus freies Vermögen aufgebaut haben werden, um im Alter anständig über die Runden zu kommen. Werden die Eltern, um den Finger in die Wunde zu legen, über die 1.375 Euro hinaus Geld in Aktien und Anleihen gesteckt haben, um ihr Häuschen im Ruhestand nicht wieder versilbern zu müssen?

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