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Die Vermögensfrage Kündigung von Versicherungen ist nur in bestimmten Fällen sinnvoll

Die Erträge von Lebensversicherungen sind im Keller. Magerzinsen reizen Kunden zum Umstieg auf andere Anlagen. Die Entscheidung hängt von den Motiven und Zielen der Privatleute ab.

© © Biosphoto / David Allemand Vergrößern Hoffentlich richtig versichert: Helikoptereinsatz in Frankreich

Die deutschen Lebensversicherungen haben zurzeit gewaltige Probleme. Die Erträge der Geldanlagen sind im Keller. Das Neugeschäft läuft wegen der niedrigen Garantiezinsen schleppend. Die drohende Kündigung bestehender Policen hängt wie eine dunkle Wolke über vielen Unternehmen. Weiterzahlen, stilllegen oder aussteigen? Das ist die Frage, die zurzeit viele Privatleute umtreibt. Die richtige Antwort hängt vom Einzelfall ab, weil gemischte Policen heikle Zwitter aus Geldanlage und Versicherung sind.

Die Policen wurden abgeschlossen, um die finanziellen Folgen bei Invalidität und Tod zu mildern, sie werden zur Tilgung von Krediten eingesetzt, und die Ablaufleistungen sollen die Rente aufbessern. Bei nüchterner Betrachtung der Dinge gibt es zwei Gründe, um Versicherungen auf den Prüfstand zu stellen. Das sind auf der einen Seite finanzielle Engpässe, und das sind auf der anderen Seiten rationale Überlegungen, ob das Kapital in anderen Verträgen besser angelegt ist. Wer zum Beispiel seine Arbeit verloren hat oder in einer Scheidung steckt, hat keine Wahl.

Er kann die Prämien nicht mehr bezahlen, er braucht Geld, und da gibt es zur Kündigung kaum Alternativen. Anders sieht es aus, wenn Überlegungen im Raum stehen, ob die Police die richtige Wahl war. Falls sich die Risikolage verändert hat oder lohnendere Anlagen zur Verfügung stehen, kann die Kündigung des Vertrages eine Überlegung wert sein. Die unterschiedlichen Lebenslagen werden in fünf Beispielen deutlich.

Im Todesfall

Versicherungen sind in erster Linie der Versuch, Hinterbliebenen das Leben zu erleichtern, wenn der Ernährer gestorben ist. Das ist eine Binsenweisheit, die im medialen Getöse über Versicherungen viel zu wenig beachtet wird. Wenn die Versorgung der Hinterbliebenen im Vordergrund steht, müssen die Kapitalpolicen schnell auf den Prüfstand. In den meisten Fällen wird sich herausstellen, dass die Absicherung nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Vor allem in Familien wird die Analyse mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Empfehlung hinauslaufen, junge Kapitalversicherungen zu kündigen und zuerst für die richtige Absicherung bei Tod zu sorgen.

Eltern mit kleinen Kindern brauchen sich keine Gedanken zu machen, ob die Zinsen auf 3 oder 3,5 Prozent gesunken sind, doch sie sollten sich viele Gedanken machen, ob eine Unfallversicherung von 200.000 Euro oder eine Kapitalpolice mit einer Todesfallsumme von 100.000 Euro die richtige Lösung ist. In beiden Fällen strebt der Nutzen, wie es in der Mathematik heißt, stetig gegen null. Unfallversicherungen bezahlen, wie der Name zweifelsfrei belegt, nur nach Unfalltod. Folglich gibt es nach dem Tod durch Krankheit von der Unfallversicherung keinen Cent, und die Verrentung von 100.000 Euro verwandelt jede Witwe, die zurzeit nicht arbeitet, nach kurzer Zeit in einen Sozialfall.

Wenn zum Beispiel junge Familien monatlich 3.000 Euro brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen, ist bei einer Versorgungsdauer von zehn Jahren und einem Anlagezins von 2 Prozent eine Todesfallsumme von 335.000 Euro notwendig. Der Abschluss einer Kapitalversicherung kostet einen 30 Jahre alten Familienvater monatlich 750 Euro; für eine Risikopolice sind dagegen nur 23 Euro fällig. Die beiden Werte sind, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, absolut nicht miteinander vergleichbar, weil sich hinter den Zahlen verschiedene Produkte verbergen. Wichtig ist nur die Erkenntnis, dass in jungen Familien das Geld knapp ist. Das sollte im Umkehrschluss jedoch nicht heißen, Kapitalversicherungen so lange klein zu rechnen, bis deren Prämie irgendwann tragbar ist. Stattdessen ist es bei begrenztem Budget sinnvoller, niedrige Kapitalversicherungen zu kündigen und die Prämien zum Abschluss hoher Risikopolicen zu verwenden.

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Veröffentlicht: 17.08.2013, 15:09 Uhr

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