Home
http://www.faz.net/-hbv-76ygm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Die Vermögensfrage Kreditrückzahlung beeinflusst Höhe des Nominalzinses

Verhandlungen auf der Grundlage der Marktzinsmethode bieten Anlegern mit guter Bonität heute interessante Perspektiven.

© Kai Vergrößern „Wir hätten die Rückzahlung des Kredits genauer festlegen sollen...“

Bei der Aufnahme von Geld sind zwei Dinge von großer Bedeutung. Der Schuldner sollte wissen, wie der Kredit aussehen soll, und er sollte die aktuellen Preise für Hypothekenpfandbriefe kennen, weil diese Sätze die Grundlage für die Kalkulation der Kreditzinsen sind. Oftmals bezahlen die Anleger aber zu viel Geld für die Kredite. Die Gründe lauten: Die Privatleute machen sich zu wenig Gedanken darüber, wie die Darlehen getilgt werden sollen, und sie informieren sich zu wenig über die aktuellen Renditen der festverzinslichen Wertpapiere.

Am schlimmsten ist freilich der selbstverschuldete Zeitdruck. Die meisten Investitionen, zum Beispiel eine Immobilie oder eine Maschine, sind längst unter Dach und Fach. Jetzt muss „nur“ noch die Finanzierung in trockene Tücher gebracht werden. Das sind miserable Voraussetzungen für „ruhige“ Gespräche mit der Bank.

Die Kunden brauchen „dringend“ Geld, und in dieser Situation haben die Kreditgeber leichtes Spiel, sowohl die Bedingungen als auch die Preise zu diktieren. Dabei hätten manche Investoren, vor allem zahlungskräftige Privatanleger, alle Trümpfe in der Hand, um mit der Bank auf Augenhöhe über faire Preise zu verhandeln, wie in folgendem Vergleich deutlich wird.

Unterschied liegt in Tilgung des Schuld

Dies sei an einem Beispiel gezeigt: Es geht um zwei Kredite von jeweils 500.000 Euro. Sie sollen in beiden Fällen zu 100 Prozent ausbezahlt werden. Der jährliche Nominalzins beträgt jeweils 2,75 Prozent. Die Zinsbindung gilt zehn Jahre. Die Raten sind in beiden Fällen jeweils am Monatsletzten fällig. Die Kredite gleichen sich zumindest auf den ersten Blick wie ein Ei dem anderen, so dass viele Leute meinen, die Kredite seien identisch. Die Auszahlung ist gleich, die Zinsbindung ist gleich, der Nominalzins ist gleich, und die Fälligkeitstermine der Raten sind gleich. Können sich diese Kredite wirklich voneinander unterscheiden und, wenn ja, in welchen Punkten?

Die Verwirrung wird ihren Höhepunkt erreichen, wenn auch noch die Effektivzinsen überprüft werden. Sie betragen jeweils 2,78 Prozent pro Jahr, so dass die letzten Zweifel beseitigt sein dürften, die Kredite könnten sich voneinander unterscheiden. Das ist aber ein Trugschluss, weil zwischen beiden Darlehen doch Unterschiede liegen, wie der Blick hinter die Kulissen zeigt - in diesem Fall die Tilgung der Schuld.

Das erste Angebot ist ein Kredit mit geringer Rückzahlung und dem Recht zu jährlichen Sondertilgungen von bis zu 10 Prozent des Nominalbetrages. Die Rückzahlung beträgt 2,05 Prozent, so dass die monatliche Rate bei genau 2.000 Euro liegt. Außerdem besteht die Möglichkeit, jedes Jahr bis zu 50.000 Euro zusätzlich zu tilgen. Wird davon kein Gebrauch gemacht, wird am Ende der Zinsbindung eine Restschuld von 382.000 Euro offen sein.

Zinsverschiebung mit starker Auswirkung

Die zweite Offerte ist ebenfalls ein Darlehen mit laufender Rückzahlung. Die monatlichen Raten von jeweils 4.771 Euro sind aber so hoch, dass der Kredit in zehn Jahren - am Ende der Zinsbindung - auf jeden Fall vollständig getilgt worden sein wird. Folglich ist in diesem Vertrag auch kein Recht zur Sondertilgung enthalten. Das ist für Leute vom Fach freilich kein Grund, die Konditionen der Banken als „gegeben“ zu schlucken. Sie beschaffen sich Software, schlüpfen in die Rolle der Bank und rechnen die Margen aus.

Die Kalkulation heißt „Marktzinsmethode“ und baut auf effektiven Zahlungsströmen auf. Dabei kommen zum Teil große Unterschiede heraus, so dass im Umkehrschluss die Möglichkeit besteht, eine „einheitliche“ Marge vorzugeben und auf die nominalen Konditionen der Kredite zurückzurechnen. Auf diese Weise sind Zinsverschiebungen möglich, die erhebliche Auswirkung auf die Verhandlungen haben können.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geschenkt ist noch zu teuer Dreimonats-Geldmarktzins Euribor erstmals negativ

Undenkbar, aber wahr - Banken haben diese Woche erstmals Geld dafür gezahlt, um ihr Geld zu verleihen. Folgen dem negativen Geldmarktzins jetzt auch die Hypothekenzinsen? Mehr Von Gerald Braunberger

21.04.2015, 21:47 Uhr | Finanzen
Nach Treffen mit IWF-Chefin Varoufakis verspricht Kredit-Rückzahlung

Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis hat zugesagt, dass Griechenland alle vereinbarten Auflagen gegenüber seinen Gläubigern unbegrenzt einhalte. Derzeit ringen Gläubiger und die Regierung in Athen um die Auszahlung der letzten Kreditrate des auslaufenden Hilfsprogramms in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Mehr

06.04.2015, 10:26 Uhr | Politik
Schuldenkrise So teuer ist die Euro-Rettung in Griechenland

Millionen, Milliarden, zig Milliarden: Was hat die Schuldenkrise der Griechen Deutschland bislang gekostet? Und wie teuer könnte es noch werden? Mehr Von Manfred Schäfers und Philip Plickert

28.04.2015, 12:55 Uhr | Wirtschaft
Deutschland lernt sparen 2013 So bringt Ihr Geld mehr Zinsen

Die Deutschen verschenken vier Prozent Zins im Jahr, weil sie ihr Geld falsch anlegen. Aber es geht auch besser. Unser Videokurs erklärt, wie. Mehr Von Andreas Hackethal und Holger Detmering

21.11.2014, 12:41 Uhr | Finanzen
Finanzplanung für jedermann Russmann kann die Insolvenz vermeiden

Weil Russmann immer brav seine Kreditraten gezahlt und auch dem Finanzamt keinen Ärger gemacht hat, sind die Gläubiger zu einem Vergleich bereit. Das klappt nicht bei jedem Schuldner, hat aber für alle Beteiligten oft viele Vorteile. Mehr Von Daniel Mohr

22.04.2015, 12:35 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.02.2013, 18:40 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinswende am europäischen Anleihemarkt

Von Gerald Braunberger

Eine wachsende Zahl von Anlegern scheint nicht länger bereit, im Euroraum Anleihen zu sehr niedrigen oder gar negativen Renditen zu kaufen. Amerikanische Hedgefonds wetten schon auf steigende Zinsen für Bundesanleihen. An den Aktienmärkten könnte es bald ungemütlich werden. Mehr 4 12