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Die Vermögensfrage Kredit gegen Vorsorge

Sollte man erst fürs Alter sparen oder erst das Haus abbezahlen? Das hängt davon ab, wie viel Risiko man verträgt.

© Kai Vergrößern „Was soll das heißen – du hast unser ganzes Vermögen versteckt?!...“

Die Altersversorgung der Beamten und Angestellten wird in Zukunft auf zwei Säulen ruhen. Das werden auf der einen Seite die gesetzlichen Pensionen und Renten sein, und auf der anderen Seite die private Versorgung. Die betriebliche Altersversorgung hat bei den Beamten noch nie eine Rolle gespielt, und sie wird bei den Angestellten weiterhin an Bedeutung verlieren, weil die meisten Unternehmen einfach keine Mittel mehr haben, um Betriebsrenten wie in früheren Jahrzehnten bezahlen zu können. Was heißt das für junge Leute? Die gesetzliche Rente ist Pflicht, auf deren Gestaltung die Angestellten, egal ob Beamte oder Manager, keinen Einfluss haben. Sie haben in die Rentenkassen einzuzahlen, und sie müssen darauf hoffen, im Alter „faire“ Gegenleistungen zu erhalten.

Das sieht bei der privaten Altersvorsorge völlig anders aus. Hier haben die Privatleute mehr Freiheiten, als ihnen bewusst ist. Es geht bei nüchterner Betrachtung der Dinge weniger um die Frage, einen Investmentsparvertrag oder eine Versicherung abzuschließen, um im Alter etwas Geld auf der hohen Kante zu haben, sondern es geht bei dieser Kür um die optimale Verwendung der monatlichen Gesamtrate, die für Wohnung und Vorsorgen zur Verfügung steht. Die Gedanken, die hinter diesem Konzept stecken, werden in folgendem Beispiel deutlich.

Ein Ingenieur ist 30 Jahre alt. Er ist mit einer Ärztin verheiratet, die zwei Jahre jünger ist. Das Ehepaar hat zwei Kinder, die vier und zwei Jahre alt sind. Die Eltern sind beide berufstätig und verdienen pro Jahr knapp 100.000 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern etwa 59.000 Euro übrig, so dass die Familie knapp 5000 Euro pro Monat ausgeben kann. Die Eltern haben in den vergangenen Jahren durch Erbschaften und Geschenke ungefähr 50.000 Euro angesammelt. Bei der Frage, ob Eigenheim oder Miete, schwankt die junge Familie. Sie interessiert sich zwar für ein Haus, das 350.000 Euro kosten soll und einem Miete von 1200 Euro ersparen würde, doch ob sich die Geschichte lohnt, kann die Familie kaum beurteilen. Sie kann sich im Moment auch vorstellen, zur Miete zu wohnen und die Überschüsse in verschiedene Spartöpfe zu stecken.

Das eigene Haus wäre, das ist der entscheidende Punkt der Überlegungen, nach der gesetzlichen Rente die zweite Säule der Altersversorgung, es darf aber auf keinen Fall der Eckstein der Altersvorsorge sein, weil es sonst unter der Last zusammenbrechen würde. Im Ruhestand ist als dritte Säule freies Kapital notwendig, um auf angemessene Weise über die Runden zu kommen. Sonst droht die Gefahr, das Haus im Alter versilbern zu müssen, und das ist mit hohen Risiken verbunden. Folglich geht es bei der privaten Altersvorsorge um die Überlegung, wie das Dach über dem Kopf und der Aufbau freier Mittel unter einen Hut gebracht werden können.

Bei dieser Überlegung sind zwei Punkte wichtig. Wie hoch ist die Monatsrate für Wohnen und Vorsorgen, und wie werden diese Raten aufgeteilt? Zuerst muss geklärt werden, wie viel Geld vom monatlichen Nettoeinkommen (5000 Euro) für Wohnen und Vorsorgen abgezweigt werden soll, und dann geht es um die Frage, wie dieser Betrag in den nächsten 40 Jahren angelegt wird. Soll das Kapital zum Beispiel in eine Kombination aus Miete und Sparvertrag eingesetzt werden? Wie viel dürfte das Haus kosten, wenn der Betrag in voller Höhe in einen Kredit fließt? Gibt es vernünftige Mischungen aus Wohnen und Vorsorge?

Bei der Klärung der Frage, wie viel Geld für Wohnen und Vorsorge eingesetzt werden soll, gibt es weder richtige noch falsche Antworten. Das ist und bleibt Ansichtssache. Denkbar sind beispielsweise 50 Prozent des Nettoeinkommens, so dass monatlich 2500 Euro zur Verfügung stünden. Von diesem Betrag können 1500 Euro für das Wohnen und 1000 Euro für die Vorsorge reserviert werden. Wenn von den 1500 Euro ungefähr 20 bis 25 Prozent abgezogen werden, wird das Ergebnis die Kaltmiete sein. Die 1200 Euro pro Monat erlauben - je nach Region und Lage - unterschiedliche Objekte. In München sind für diesen Betrag vielleicht 80 Quadratmeter zu bekommen, und in Flensburg sind für denselben Preis leicht 150 Quadratmeter vorstellbar.

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