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Die Vermögensfrage : Konsum auf Pump - eine gefährliche Verlockung

  • -Aktualisiert am

„Wir hätten nicht die Kleiderordnung lockern dürfen...“ Bild: F.A.Z.-Kai

Autos auf Kredit, Möbel auf Teilzahlung: Insbesondere für junge Leute sind solche Ausgaben eine gefährliche Verlockung und führen zu großer Abhängigkeit von Banken.

          Der Aufbau der Altersversorgung ähnelt der Eröffnung beim Schachspiel. Wenn die ersten Züge stimmen, ist die Partie halb gewonnen, doch wenn der Auftakt vergeigt wird, bleibt der Erfolg mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Das ist beim Sparen nicht anders. Hier zählen nicht Subventionen oder Abgaben, sondern es kommt in erster Linie darauf an, was die Leute mit dem Geld vorhaben und wie hoch die Chancen und Risiken sind, das Ziel zu erreichen.

          Die schlichte Weisheit ist vielen Sparern kaum zu vermitteln. Sie jagen Riesterrenten hinterher, weil der Staat ein paar Cent verschenkt, sie schließen Basisrenten ab, weil Steuervorteile winken oder sie kaufen Immobilien, weil ihnen erzählt wird, dass Sachwerte und Kredite die beste Antwort auf Inflation und Unsicherheit seien. Das sind fragwürdige Verlockungen. Beim Aufbau des Vermögens zählen weder Abgaben und Zulagen, sondern nur die Ziele und die Wege dorthin. Das wird an einigen Beispielen aus dem Alltag deutlich.

          Das Ziel ist Dreh- und Angelpunkt des Vertrages

          Ein junger Akademiker ist 30 Jahre alt. Er verdient brutto 4500 Euro im Monat. Netto verbleiben etwa 2500 Euro. Von diesem Betrag will er 500 Euro sparen. Die Palette der Angebote ist groß. Noch größer ist freilich die Gefahr, vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen. Angebote wie Basisrente, Bausparvertrag, Immobiliensparplan, Investmentfonds, Kapitalpolicen, Rentenversicherung oder Riesterrente sind interessante Offerten, doch solange der Anleger nur weiß, dass er monatlich 500 Euro sparen will, ist das Risiko hoch, auf Abwege zu geraten und im Laufe der Zeit die Pferde wechseln zu müssen. Der Tausch ist aber mit hohen Kosten verbunden, so dass sich der Erfolg in Grenzen halten wird. Günstiger ist die Auswahl des richtigen Produktes auf der Grundlage von fünf Überlegungen.

          Dreh- und Angelpunkt des richtigen Vertrages ist das Ziel. Geht es um den Aufbau von Rücklagen? Soll Geld fürs Auto angespart werden? Ist Kapital für die Wohnungseinrichtung gefragt? Steht ein Eigenheim auf dem Wunschzettel? Oder soll für den Ruhestand vorgesorgt werden? Die einzelnen Ziele helfen bei der Überlegung, wie lange der Sparprozess dauern wird, so dass die Auswahl des richtigen Vertrages kein großes Problem ist. Rücklage, Auto und Möbel führen zu kurzen Laufzeiten, das Eigenheim ist ein mittelfristiges Vorhaben, und der Aufbau der Altersvorsorge ist ein langfristiger Sparvorgang.

          Der nächste Punkt ist das Risiko beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, das gesteckte Ziel bei gegebener Laufzeit zu erreichen. Hier kommt es in der Praxis zu großen Verwerfungen, weil unter dem Risiko in erster Linie die Mentalität des Anlegers verstanden wird. Das ist aber nicht richtig. Es gibt viele Leute, die zu hohen Risiken bereit sind, doch die Wahrscheinlichkeit, mit Aktien oder Hedgefonds innerhalb von zwei oder drei Jahren ein Vermögen aufzubauen, ist in der Regel gering. Umgedreht verschenken ängstliche Anleger viel Geld, wenn sie bei einem Sparprozess, der 25 oder 30 Jahre dauert, auf Aktien verzichten, weil die Wahrscheinlichkeit, mit Hilfe der Börse auf lange Sicht ordentlich Geld zu verdienen, sehr hoch ist.

          Bei der Berufsunfähigkeit ist Vorsicht vor heiklen Policen geboten

          Im Gegensatz zum Ziel, zur Laufzeit und zum Risiko spielen die Steuern eine untergeordnete Rolle. Die Gesetze und Verordnungen sind in den letzten Jahrzehnten dermaßen oft geändert worden, dass auf den Staat kein Verlass ist und es keinen Zweck hat, das Sparen auf steuerlichen Überlegungen aufzubauen. Das gilt auch für die Abgeltungsteuer. Sie ist in den Augen vieler Anleger ein finsteres Ungetüm, doch bei nüchterner Betrachtung sind die Dinge halb so schlimm wie vermutet. Die Überlegungen und Konsequenzen werden in drei Beispielen deutlich.

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