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Die Vermögensfrage Inflation und Steuern treiben Privatleute zur Verzweiflung

Anleger haben in der Regel keine Chance, den Kampf gegen Inflation und Steuern zu gewinnen. Sie sollten sich um preisgünstige und sichere Finanzprodukte bemühen.

© Kai Vergrößern „Mein Mann glaubt, dass wir so der Inflation ein Schnippchen schlagen...“

Geld im Alter kann Lust oder Last oder Lust und Last sein. Für die meisten Anleger gilt im Moment wohl die Aussage, dass die Anlage eher eine Last ist, und je älter die Anleger sind, desto schwerer ist diese Last. Auslöser ist in erster Linie die verzweifelte Suche nach auskömmlichen Zinsen, um nicht nur Kosten, Steuern und Inflation zu zahlen, sondern von dem Vermögen auch noch leben zu können. Und der Schlusspunkt ist zu gegebener Zeit die Frage, in welche sicheren Produkte das Kapital gesteckt werden muss. Noch vorteilhafter ist aber das Wissen, in welche Produkte das Vermögen nicht investiert werden sollte, weil beim Geld das Umschiffen von Gefahren schon die halbe Miete ist.

Ein geschiedener Arzt zum Beispiel, gerade 60 Jahre jung geworden, lebt in einer Eigentumswohnung, die etwa 300.000 Euro wert ist. Der Mann hat in den vergangenen Monaten die Praxis verkauft. Außerdem sind Lebensversicherungen fällig geworden, und das Versorgungswerk hat, was bei Ärzten selten geworden ist, die Altersrente in einer Summe ausgezahlt. Die Überweisung war zwar in steuerlicher Hinsicht ein teurer Spaß, doch der Mediziner war von diesem Schritt nicht abzubringen, weil er dem Versorgungswerk nicht über den Weg traut.

Bargeld und Wertpapiere summieren sich auf 1,5 Millionen Euro. Das mag auf den ersten Blick viel Geld sein, doch beim zweiten Blick relativiert sich die Sache. Der Arzt ist fidel und gesund, und er hat die feste Absicht, mindestens 85 Jahre alt zu werden. Trotz der Vitalität ist der Mann sehr auf Sicherheit bedacht, und er will mit den anderthalb Millionen nach Möglichkeit kein Risiko eingehen. Außerdem rechnet er in den nächsten Jahren mit einer jährlichen Inflation von 3 Prozent. Das sind heikle Bedingungen, und wer ein wenig Gefühl für Zeit und Zinsen hat, ahnt die Folgen.

Geldanlage bedeutet zurzeit, dass beim Anlagezins vor Steuern höchstens 2 Prozent herausspringen werden. Wird eine jährliche Geldentwertung von 3 Prozent angesetzt, muss die Verzinsung ins Minus rutschen. Das führt zu heftigen Risiken und Nebenwirkungen. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren führt die Anlage der 1,5 Millionen zu einer dynamischen Rente von 4200 Euro. Das reicht dem Arzt freilich nicht. Er träumt davon, jeden Monat real 5000 Euro auszugeben. Das ist aber trotz des Verzehrs des Kapitals nicht darstellbar.

Wer glaubt, dass Geld keine Arbeit mache, ist auf dem Holzweg

Die Rentenlücke zwischen 5000 und 4200 Euro kann bestenfalls die Phantasie anregen. Der erste Traum ist die Erhöhung des Zinses. Bei einer Rente von 5000 Euro, die 300 Monate bezahlt und jedes Jahr um 3 Prozent erhöht wird, ist nach Kosten und vor Steuern ein Anlagezins von 3,9 Prozent notwendig. Das ist selbst mit einem Depot, das aus Anleihen, Immobilien und Aktien besteht, im Moment kaum zu erzielen. Hier sind mit viel Mut und Optimismus vielleicht 3 Prozent im Jahr zu erreichen. Dieser Satz zwingt zu einer Abrundung des Restlebens, falls der Mediziner auf die monatliche Rente von 5000 Euro verzichten will. Mehr als 23 Jahre sind bei dieser Vorgabe nicht finanzierbar, so dass der Mann, sollte er im Alter von 83 Jahren weiter gesund und munter sein, eben seine Wohnung versilbern muss.

Die meisten Verkäufer in Banken und Versicherungen haben nicht den Mut, ihren Gesprächspartnern solche Kost aufzutischen. Umgekehrt wollen viele Privatleute der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen. Was nicht geht, geht eben nicht, und was nicht geht, kann auch nicht passend gemacht werden. Daher enden viele Anlagen mit faulen Kompromissen: Hier eine Rentenpolice für die Grundversorgung, da ein paar Optionen und Zertifikate für die Rendite, dort eine Beteiligung an einem Solarstrompark und Windkraftwerk für das Gewissen: Bei einem Anlagebetrag von 1,5 Millionen Euro läuft jedem Verkäufer das Wasser im Mund zusammen, weil Provisionen von 60.000 Euro winken, wenn die Geschichte nicht aus dem Ruder läuft.

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Veröffentlicht: 01.12.2012, 14:36 Uhr

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