Geld im Alter kann Lust oder Last oder Lust und Last sein. Für die meisten Anleger gilt im Moment wohl die Aussage, dass die Anlage eher eine Last ist, und je älter die Anleger sind, desto schwerer ist diese Last. Auslöser ist in erster Linie die verzweifelte Suche nach auskömmlichen Zinsen, um nicht nur Kosten, Steuern und Inflation zu zahlen, sondern von dem Vermögen auch noch leben zu können. Und der Schlusspunkt ist zu gegebener Zeit die Frage, in welche sicheren Produkte das Kapital gesteckt werden muss. Noch vorteilhafter ist aber das Wissen, in welche Produkte das Vermögen nicht investiert werden sollte, weil beim Geld das Umschiffen von Gefahren schon die halbe Miete ist.
Ein geschiedener Arzt zum Beispiel, gerade 60 Jahre jung geworden, lebt in einer Eigentumswohnung, die etwa 300.000 Euro wert ist. Der Mann hat in den vergangenen Monaten die Praxis verkauft. Außerdem sind Lebensversicherungen fällig geworden, und das Versorgungswerk hat, was bei Ärzten selten geworden ist, die Altersrente in einer Summe ausgezahlt. Die Überweisung war zwar in steuerlicher Hinsicht ein teurer Spaß, doch der Mediziner war von diesem Schritt nicht abzubringen, weil er dem Versorgungswerk nicht über den Weg traut.
Bargeld und Wertpapiere summieren sich auf 1,5 Millionen Euro. Das mag auf den ersten Blick viel Geld sein, doch beim zweiten Blick relativiert sich die Sache. Der Arzt ist fidel und gesund, und er hat die feste Absicht, mindestens 85 Jahre alt zu werden. Trotz der Vitalität ist der Mann sehr auf Sicherheit bedacht, und er will mit den anderthalb Millionen nach Möglichkeit kein Risiko eingehen. Außerdem rechnet er in den nächsten Jahren mit einer jährlichen Inflation von 3 Prozent. Das sind heikle Bedingungen, und wer ein wenig Gefühl für Zeit und Zinsen hat, ahnt die Folgen.
Geldanlage bedeutet zurzeit, dass beim Anlagezins vor Steuern höchstens 2 Prozent herausspringen werden. Wird eine jährliche Geldentwertung von 3 Prozent angesetzt, muss die Verzinsung ins Minus rutschen. Das führt zu heftigen Risiken und Nebenwirkungen. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren führt die Anlage der 1,5 Millionen zu einer dynamischen Rente von 4200 Euro. Das reicht dem Arzt freilich nicht. Er träumt davon, jeden Monat real 5000 Euro auszugeben. Das ist aber trotz des Verzehrs des Kapitals nicht darstellbar.
Wer glaubt, dass Geld keine Arbeit mache, ist auf dem Holzweg
Die Rentenlücke zwischen 5000 und 4200 Euro kann bestenfalls die Phantasie anregen. Der erste Traum ist die Erhöhung des Zinses. Bei einer Rente von 5000 Euro, die 300 Monate bezahlt und jedes Jahr um 3 Prozent erhöht wird, ist nach Kosten und vor Steuern ein Anlagezins von 3,9 Prozent notwendig. Das ist selbst mit einem Depot, das aus Anleihen, Immobilien und Aktien besteht, im Moment kaum zu erzielen. Hier sind mit viel Mut und Optimismus vielleicht 3 Prozent im Jahr zu erreichen. Dieser Satz zwingt zu einer Abrundung des Restlebens, falls der Mediziner auf die monatliche Rente von 5000 Euro verzichten will. Mehr als 23 Jahre sind bei dieser Vorgabe nicht finanzierbar, so dass der Mann, sollte er im Alter von 83 Jahren weiter gesund und munter sein, eben seine Wohnung versilbern muss.
Die meisten Verkäufer in Banken und Versicherungen haben nicht den Mut, ihren Gesprächspartnern solche Kost aufzutischen. Umgekehrt wollen viele Privatleute der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen. Was nicht geht, geht eben nicht, und was nicht geht, kann auch nicht passend gemacht werden. Daher enden viele Anlagen mit faulen Kompromissen: Hier eine Rentenpolice für die Grundversorgung, da ein paar Optionen und Zertifikate für die Rendite, dort eine Beteiligung an einem Solarstrompark und Windkraftwerk für das Gewissen: Bei einem Anlagebetrag von 1,5 Millionen Euro läuft jedem Verkäufer das Wasser im Mund zusammen, weil Provisionen von 60.000 Euro winken, wenn die Geschichte nicht aus dem Ruder läuft.
Die Zahlen mahnen zu Besonnenheit. Das kostet zwar Geduld und Kraft, doch wer glaubt, dass Geld keine Arbeit mache, dass sich das Problem auf dem Weg vom Golfplatz ins Opernhaus lösen lasse, ist auf dem Holzweg. Der wichtigste Punkt bei diesen Rahmenbedingungen ist die Erkenntnis, um die Vermögensverwaltung von Banken nicht nur einen großen Bogen, sondern einen riesigen Bogen zu machen, sonst wird es richtig lausig und ungemütlich. Die Vermögensverwalter der Banken lassen ihre Kunden jedes Jahr mit 1 bis 2 Prozent zu Ader. Davon merken die Anleger in der Regel nicht viel, weil die Gebühren dem Depot entnommen werden. Wenn die Anlagen wegen der Verwaltung aber nicht mehr 3 Prozent, sondern nur noch 1,5 Prozent abwerfen, geht die monatliche Rente um rund 1000 Euro zurück. Diesen Luxus kann sich der arme Arzt freilich nicht einmal in Ansätzen leisten, so dass er selbst Hand anlegen muss. Denkbar sind zum Beispiel drei Ansätze.
Es kommt auf die Dynamik und die Garantiezeit an
Die besorgten Anleger packen 200.000 Euro auf ein Sparbuch und stecken 1,3 Millionen Euro in eine Leibrente. Wer etwas Mut hat, legt 100.000 Euro auf das Sparkonto und investiert je 700.000 Euro in Leibrenten und Aktienfonds. Und wer Nervenkitzel braucht, wird einen Kredit von 400.000 Euro aufnehmen und die 1,9 Millionen Euro auf vier Töpfe verteilen: 100.000 Euro in Festgeld und jeweils 600.000 Euro in Leibrenten, Immobilien und Aktienfonds.
Das erste Modell besteht in der Tat nur aus zwei Töpfen. In den ersten Trog wird ein Betrag von 200.000 Euro gesteckt, und in den zweiten Trog werden die übrigen 1,3 Millionen Euro investiert. Sinn und Zweck der schlichten Lösung sind Ruhe und Übersicht. Der Anleger weiß, dass auf dem Sparbuch genügend Geld liegt, um sich ein neues Auto kaufen oder das Eigenheim renovieren oder eine Weltreise machen zu können. Das tägliche Leben wird mit Hilfe der Leibrente finanziert.
Bei der Auswahl des richtigen Tarifs kommt es in erster Linie auf zwei Dinge an: Das sind die Dynamik und die Garantiezeit. Wer die Sorge hat, dass die Kaufkraft der Rente in den kommenden Jahren sinken wird, ist gut beraten, auf konstante Rente zu verzichten. Stattdessen empfehlen sich Policen, bei denen die Rente jedes Jahr um 2 bis 3 Prozent erhöht wird, um die Inflation zu bekämpfen. Das heißt in Zahlen, dass bei guten Gesellschaften mit einer lebenslangen Rente von 4250 Euro gerechnet werden kann, die jedes Jahr um 3 Prozent steigt.
Die Anlage ist mit der Hoffnung auf höhere Rendite verknüpft
Die Leibrenten werden mit dem Ertragsanteil von 22 Prozent besteuert. Rund ein Fünftel der jährlichen Bezüge unterliegt wie Einkommen, Mieten und Pensionen nicht der Abgeltungsteuer, sondern der Einkommensteuer. Der Arzt wird bei diesem Modell keine weiteren Einnahmen haben. Trotzdem sind von Anfang an Abgaben fällig. Sie liegen im ersten Jahr bei 500 Euro und im 25. Jahr bei 4000 Euro. Folglich wird der Arzt zweimal geschröpft: Hier schlägt die Inflation zu, dort zehrt die Steuer. Das nüchterne Fazit des Modells wird freilich die Erkenntnis sein, dass bei dieser Anlageform die Wunschrente von 5000 Euro nicht erreichbar ist.
Die zweite Lösung baut auf dem ersten Modell auf. Nur verschieben sich die Zahlen. Das Sparschwein wird mit 100.000 Euro gefüttert, und in die Versicherung werden 700.000 Euro einbezahlt. Dadurch sinkt die Rente auf 2300 Euro im Monat. Die Differenz zu den 4250 Euro des ersten Modells holt sich der Mann aus dem Aktientopf. Er wird mit 700.000 Euro gefüllt, und egal ,wie sich die Aktien entwickeln, werden aus diesem Trog monatlich 1950 Euro oder jährlich 23.400 Euro für den Konsum entnommen.
Die Anlage in Aktien ist mit der Hoffnung auf höhere Rendite verknüpft. Das mag sich in Zeiten, in denen die Aktienkurse wie Fieberkurven verlaufen, wie ein schlechter Witz anhören, aber das ändert nichts an der Hoffnung auf höhere Erträge. Weil die 700.000 Euro während des Ruhestandes aufgezehrt werden können, ist vor Steuern eine Verzinsung von lediglich 2 Prozent nötig. Das sollte erreichbar sein. Um die eigentliche Wunschrente von 5000 Euro zu erzielen, sind monatliche Entnahmen von 2650 Euro notwendig. Sie erfordern eine Verzinsung von 5,35 Prozent vor Steuern, und diese Verzinsung könnte möglich sein.
Mit Mut und Zuversicht
So unsicher die gewünschten 5,35 Prozent sind, so sicher ist die Tatsache, dass Ausgabeaufschläge von einmalig 5 Prozent und Verwaltungskosten von jährlich 2 Prozent ein Ding der Unmöglichkeit sind. Die Abgaben belasten das Vermögen so stark, dass für den Anleger nicht viel übrig bleibt. Der Hinweis mag für jeden Verwalter der blanke Horror sein, aber Wahrheit ist in vielen Fällen bitterer als Arznei. Die meisten Verwalter schaffen es über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren nicht, die Märkte zu schlagen, so dass sich die Anleger damit abfinden sollten, dass es so ist und vier Gebote beherzigen: Kauf börsengehandelter Indexfonds, Hände weg von ständiger Umschichtung der Anlagen, Entnahme von jährlich 31800 Euro und Genuss des Lebens in vollen Zügen!
Darauf baut auch das dritte Modell auf. Die Umsetzung erfordert aber Mut und Zuversicht. Hier wird ein Kredit von 400.000 Euro aufgenommen, so dass der Anleger insgesamt 1,9 Millionen Euro in der Kasse hat. Von diesem Betrag werden wiederum 100.000 Euro auf ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto gepackt. Die restlichen 1,8 Millionen Euro werden zu gleichen Teilen auf Anleihen, Immobilien und Aktien verteilt. Hinter den Anleihen steckt die Leibrente, und bei den Aktien werden Indexfonds gekauft. Die Police wird eine Rente von 2000 Euro abwerfen. Die Aktien können pro Monat weitere 2000 Euro abwerfen, wenn sie sich mit 4 Prozent pro Jahr rentieren. Neu sind die Immobilie und der Kredit. Sie sind der Versuch, die Lücke zu der Wunschrente von 5000 Euro pro Monat zu schließen. Dafür sind freilich gewisse Vorgaben einzuhalten.
Das Leben ist kein Wunschkonzert
Der erste Eckpunkt sind die Preise der Immobilie. Sie darf höchstens 600.000 Euro kosten. Die jährlichen Nettomieten müssen mindestens 30.000 Euro betragen und jedes Jahr um 1 bis 2 Prozent steigen. Die Gebäudesubstanz sollte in den kommenden 25 Jahren um maximal 50 Prozent fallen. Wenn diese Liegenschaft mit einem Kredit, das ist der zweite Eckpunkt, von 400.000 Euro verknüpft wird, der im Jahr höchstens 3 Prozent kostet und mit den Mieten der Immobilie bedient wird, entsteht ein interessantes Zinsdifferenzgeschäft.
Der Anleger setzt 200.000 Euro ein und wird in 25 Jahren weiterhin 200.000 Euro auf dem Konto haben. Dazwischen fließen dem Arzt jedes Jahr zwischen 7000 und 14.000 Euro in die Tasche, so dass die Wunschrente im Laufe der Zeit erreicht wird. Die Rendite liegt bei 4,1 Prozent nach Steuern, und die 200.000 Euro bieten die Möglichkeit, das Geld zu gegebener Zeit für irgendeine Freude auf den Kopf zu hauen. Natürlich können die 200.000 Euro auch als Reserve für schlechte Zeiten gebunkert werden. Der Arzt kann beispielsweise 90 oder 95 Jahre alt werden, der Aktientopf kann leer sein, oder es passiert etwas, womit beim besten Willen nicht zu rechnen war. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Der Arzt sollte sich in erster Linie seine Freude und seinen Humor bewahren, weil sie zu den besten Anlagen gehören, die das Leben zu bieten hat. Finanziell gesehen, wird er selbst mit Mitte 80 nicht am Stock gehen, weil die Leibrente und die Wohnung weiterhin Sicherheit bieten.
Rechenbeispiel
Jan Wigger (Midiman)
- 06.12.2012, 20:07 Uhr
Sehr einseitige,hedonistische Sichtweise, Herr Looman!
Wolfgang Lochner (adam68161)
- 04.12.2012, 08:19 Uhr
Schlüssig und wohl richtig
Carsten Berg (Carberg)
- 03.12.2012, 14:51 Uhr
Vorsorge nach der Vorsorge tut Not !
Mark Möschl (Cimpoler)
- 03.12.2012, 13:09 Uhr
Versorgungswerk
Marvin Parsons (mapar)
- 03.12.2012, 00:34 Uhr