Home
http://www.faz.net/-gvg-761n6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Baufinanzierung

Die Vermögensfrage Immobilien sind keine Versicherung gegen Inflation

Die Renditen vermieteter Häuser und Wohnungen auf Kreditbasis liegen bei nüchterner Betrachtung der Endwerte in vielen Fällen unter der jährlichen Inflationsrate.

© Kai Vergrößern „Unsere Nachbarn wollen mal wieder mit ihrem Vermögen angeben...“

Die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten und in der Politik haben bei vielen Anlegern große Ängste und Sorgen verursacht. Auf der einen Seite geht es um die Sicherheit des Geldes, und auf der anderen Seite geht es um die Bekämpfung der Inflation. Die beiden Ziele sind, um Missverständnissen vorzubeugen, in der Regel nicht miteinander vereinbar. Guthaben auf Sparbüchern zum Beispiel sind, so merkwürdig das klingt, sicher und unsicher zugleich. Sicher bedeutet, dass die Guthaben keinen Schwankungen unterliegen, und unsicher bedeutet, dass die Guthaben bei Habenzinsen von 1 bis 2 Prozent und Inflationsraten von 2 oder 3 Prozent doch abnehmen. Mit der Aussage, dass Sachwerte in solchen Lebenslagen vorteilhafter als Geldanlagen seien, sollten die Anleger vor allem bei der Betrachtung von Immobilien vorsichtig sein, weil die Hoffnungen, die sich dahinter verbergen, in vielen Fällen nicht erfüllt werden. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

Ein erfolgreicher Zahnarzt ist 52 Jahre alt. Der Mann ist verheiratet und hat mit seiner Frau, die ein Jahr jünger ist, zwei erwachsene Kinder. Die Mutter ist ebenfalls als Zahnärztin tätig, und das Ehepaar versteuert pro Jahr rund 250.000 Euro. Die Eltern haben in den vergangenen Jahren im Umgang mit Geld die meisten Dinge richtig gemacht. Sie waren fleißig, die Einnahmen waren hoch, und die Ausgaben waren im Verhältnis zu den Überschüssen angemessen. Das hat dem Ehepaar ein lastenfreies Eigenheim beschert. Auch die Praxisräume, die sich die Freiberufler vor Jahren gekauft haben, sind frei von Belastungen. Außerdem besitzen die beiden Mediziner noch Bargeld und Rentenansprüche, so dass der Wohlstand beträchtlich ist.

Die goldenen Zeiten sind längst vorbei

Nun drohen die Anleger mit ihrem Bargeld, rund 450.000 Euro, aber auf Abwege zu geraten. Das Kapital stammt aus Erbschaften und Überschüssen, und die Mittel sollen in ein Mehrfamilienhaus fließen. Die Immobilie kostet 1, 3 Millionen Euro. Hinzu kommen Nebenkosten von 150.000 Euro, so dass der Preis auf 1,45 Millionen Euro klettert. Bezahlt werden soll die Liegenschaft mit Hilfe des Eigenkapitals und einer Hypothek. So wollen die Anleger drei Fliegen auf einen Streich erledigen. Sie möchten die 450.000 Euro sicher anlegen. Sie wollen das Anwesen in den nächsten 15 Jahren durch zusätzliche Sparraten entschulden und auf diese Weise für ihren Ruhestand vorsorgen. Und sie wollen der drohenden Inflation eine Schnippchen schlagen, frei nach dem Motto: Immobilien steigen im Wert, und Kredite verlieren an Wert.

Mehr zum Thema

Das Vorhaben sieht auf den ersten Blick bestechend aus, doch bei genauer Analyse der Dinge stellen sich Fragen über Fragen. Das beginnt bei der Betrachtung des Gesamtvermögens. Dann folgt die Rentabilität der Kombination - wie hoch ist die Verzinsung des Mehrfamilienhauses und des Kredits? Das führt zur Bewertung der Chancen und Risiken des Immobilien-Sparplans. Schließlich ist die Frage zu prüfen, ob es zu diesem Vorhaben auch Alternativen gibt und wie sich diese Modelle rechnen. Das Vermögen beträgt 1.682.000 Euro. Davon entfallen ungefähr 700.000 Euro auf das Eigenheim und die Praxis. Das Bargeld umfasst 450.000 Euro, und die Barwerte der Renten aus dem Versorgungswerk liegen bei 532.000 Euro. Es sind zurzeit keine Verbindlichkeiten vorhanden. Folglich sind die Anlagen heute zu 100 Prozent mit Eigenkapital bezahlt. Das Vorhaben würde die Verhältnisse gewaltig verändern. Das Ehepaar würde ein Stück in alte Zeiten zurückkehren, als Darlehen und Hypotheken zum Alltag gehörten. Die Summe der Anlagen würde durch den Kredit auf 2.532.000 Euro steigen, doch die Eigenkapitalquote des Vermögens würde auf 61 Prozent sinken.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reale Hauspreisentwicklung In Deutschland sind die Häuser billig

Häuser sind teuer? Das denken zwar viele Bundesbürger, stimmt aber nicht. Nach Abzug der Inflation kosten sie ein Fünftel weniger als noch vor 40 Jahren. Mehr Von Martin Hock

10.10.2014, 10:28 Uhr | Wirtschaft
Es geht um Kitas, Schulen und Bürgermeister

Nicht nur Europas Parlament steht zur Wahl: In gleich zehn Bundesländern stimmen die Bürger am Sonntag in Kommunalwahlen ab. Gestritten wird über Schulpolitik, steigende Mieten – oder Ärztemangel. Ein Interaktiv. Mehr

21.05.2014, 09:39 Uhr | Politik
Die Vermögensfrage Wie viel muss ich fürs Alter sparen?

Wer im Alter genug Geld haben will, kann sich in der Jugend weniger leisten. Die nötige Ersparnis schneidet tief ins Budget. Mehr Von Volker Looman

11.10.2014, 13:38 Uhr | Finanzen
Frankreich droht zum kranken Mann Europas zu werden

Die "Grande Nation" kränkelt schon seit Jahren - und eine Genesung liegt wohl in weiter Ferne. Dieses Jahr wächst der Schuldenstand auf 94 Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung. Und auch die Neuverschuldung steigt weiter. Mehr

15.10.2014, 12:10 Uhr | Wirtschaft
Immobilien Wir werden von Blase zu Blase gehen

Kann der Immobilienboom auf Dauer so weitergehen? Daran gibt es Zweifel. Doch die Immobilienbranche feiert ihre Party - und blendet die Risiken aus. Mehr Von Michael Psotta

11.10.2014, 09:10 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.01.2013, 11:58 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Wertpapiersuche