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Die Vermögensfrage : Günstig versichern

  • -Aktualisiert am

Hoffentlich gut versichert: Eingestürztes Haus im bayrischen Manching Bild: dpa

Nettotarife gelten als guter Tipp für fast alle Versicherungen. Sie sind provisionsfrei und deshalb preiswerter oder rentabler. Aber sie sind nicht alternativlos: Auch Direktversicherer kennen keine Provisionen.

          Der rheinische Volksmund hat für viele Lebensfragen eine passende Antwort. Manchmal auch für Nicht-Kölner: „Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet“, kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit, ist so ein Satz. Versicherungsvertreter zitieren ihn sinngemäß gerne, wenn sie auf Nettotarife angesprochen werden. Nettotarife? Was soll das denn sein?

          Derlei Ahnungslosigkeit ist natürlich gespielt, denn Nettotarife sind in den Augen gestandener Vertreter eine Art Teufelszeug. Sie sind nämlich provisionsfrei. Und wer einen Nettotarif verkauft, muss sehen, dass er sein Geld vom Kunden direkt bekommt. Das ist nichts für die rund 230 000 deutschen Versicherungsvertreter und -makler. „Fott domet!“

          Für die Versicherungsnehmer sieht die Sache anders aus: Nettotarife sind preiswerter, weil viel weniger Vertriebskosten einkalkuliert werden. In den Schadenversicherungen sind sie sogar noch ein bisschen preiswerter, weil da auch die 19 Prozent Versicherungssteuer auf diese Kosten wegfallen. Und in der Lebensversicherung sind die Policen mit Sparanteilen rentabler als die entsprechenden Standardangebote. Deutlich rentabler sogar, weil gerade in der Lebensversicherung die Provisionen sehr hoch sind.

          Die Unterschiede zwischen Provisions- und Nettotarifen sind beachtlich

          Zum Mitrechnen: 2015 betrugen die Abschlusskosten aller deutschen Lebensversicherer fünf Prozent der Beitragssumme des Neugeschäfts. So sagt es der Gesamtverband der Versicherer. Für eine Lebens- oder Rentenversicherung gegen 200 Euro Beitrag im Monat über 30 Jahre heißt das durchschnittlich 3600 Euro Provision. Für eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag von 100 000 Euro macht das 5000 Euro. Die sind nach spätestens fünf Jahren weg und fehlen als Substanz und Zinsträger.

          Bei Nettotarifen ist dieses Geld noch da. Im Grundsatz jedenfalls. Dennoch wird auch bei Nettotarifen irgendjemand für seine Bemühungen die Hand aufhalten. Bei Versicherungsberatern und seriösen Honorarvermittlern wird aber in der Regel nach Beratungsstunden bezahlt, wobei die Stundensätze für Verbraucher um die 150 Euro liegen. Das klingt bedrohlich, ist aber höchst sinnvoll, wenn am Ende für zwei Stunden Beratung 300 Euro bezahlt werden, mit dem Abschluss der Rentenversicherung aber unmittelbar 5000 Euro gespart werden.

          Die Versicherungsberater und Honorarvermittler sagen dabei gerne, dass sie gerade wegen ihres Honorars vom Interessenten ehrlich und provisionsunabhängig beraten könnten. Sie müssten ihrem Kunden keine schlechte Police andrehen. Da ist etwas dran. Die rund 155.000 deutschen Einfirmenvertreter haben keine Auswahl der Gesellschaft, koste sie, was es wolle. Auf der anderen Seite ist bei der Honorarberatung das Honorar fällig, egal was nach der Beratung passiert. Das gilt auch für die Kündigung einer Police.

          Bild: F.A.Z.

          Nettotarife gibt es für faktische alle Versicherungen - vom Hausrat über Wohngebäude und Fahrzeuge, von der Berufsunfähigkeit bis hin zur Rente. Und sie werden aus naheliegenden Gründen fleißig gekauft. Allerdings weniger von Privatleuten als von Unternehmen. Und aus denselben Gründen, den Kostenvorteilen, gibt es sie gerade für die teuren Lebens- und Rentenversicherungen. Die Unterschiede zwischen den Provisions- und den Nettotarifen sind dabei beachtlich. Die Tabelle verdeutlicht die Dimension des Provisionsverzichts am Beispiel von Tarifen der Alten Leipziger Lebensversicherung für drei klassische Tarifarten: Die Rentenversicherung gegen laufenden Beitrag, die Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag und die Kapitalversicherung mit Todesfallschutz gegen laufenden Beitrag. 116 640 Euro oder 106 783 Euro, es lohnt sich im Fall der Alten Leipziger auf jeden Fall, einem Versicherungsberater zwei oder drei Stundensätze zu bezahlen und dafür statt eines Standardtarifs einen Nettotarif zu bekommen. Auch wenn am Ende des Vertragslebens andere Zahlen herauskommen werden als heute vorgerechnet, die garantierten Leistungen sollten es wenigstens sein. Und auch da sind die Unterschiede erheblich.

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