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Die Vermögensfrage Gratwanderung in der Altersvorsorge

18.01.2009 ·  Spar- und Rentenverträge mit staatlicher Förderung bieten hohe Renditen, aber auch weniger Flexibilität. Das Verlangen nach Freiheit kostet wiederum viel Geld. Man muss sich jedenfalls entscheiden - denn fürs Sparen ist es irgendwann zu spät.

Von Volker Loomann, Reutlingen
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Der richtige Aufbau des Vermögens hängt von den Zielen der Anleger ab. Wer in jungen Jahren vom eigenen Dach über dem Kopf träumt, ist gut beraten, auf klassische Sparverträge zu setzen. Sie werden vor dem Bau oder Kauf des Eigenheims aufgelöst, um den Kredit gering zu halten. Hier passen Sparverträge wie die Basisrente, Leibrente oder Riester-Rente nicht. Anders sieht die Situation aus, wenn das Eigenheim kein Thema ist. Dann sind die langfristigen Spar- und Rentenverträge von größter Wichtigkeit. Erstens sind die Anlagen sicher, und zweitens versprechen die Verträge Steuervorteile.

Allerdings haben die Renten auch Nachteile. Sie binden die Sparer langfristig. Daher müssen sich die jungen Anleger, die sich Gedanken über ihre Altersvorsorge machen, vor allem mit der Grundsatzfrage beschäftigen, wie frei sie in finanzieller Hinsicht sein wollen. Die Überlegungen werden in folgendem Beispiel deutlich.

Rente fließt durschnittlich 20 Jahre

Ein 35 Jahre alter Mann, der zur Zeit netto 3000 Euro pro Monat verdient, will bis zum 67. Lebensjahr ein Zehntel seines Einkommens auf die hohe Kante legen. Das sind monatlich 300 Euro. Die erste Wahl ist die Basisrente. Wer im Internet herumstöbert, bekommt zum Beispiel bei der Cosmos, dem größten Direktversicherer in Deutschland, die Antwort vorgelegt, dass dieser Anleger ab dem 67. Geburtstag mit einer lebenslangen Rente von 1418 Euro pro Monat rechnen kann.

Lebenslang ist freilich ein relativer Begriff. Wer früh stirbt, wird nicht viel bekommen haben, und wer lange lebt, wird der Gesellschaft kräftig auf der Tasche gelegen haben.

Das heißt bei nüchterner Betrachtung der Dinge, dass die Einzahlungen „sicher“ und die Rückflüsse „unsicher“ sind. Im vorliegenden Beispiel sind 384 Prämien à 300 Euro zu überweisen. Die Höhe und die Dauer der Renten stehen auf dem Papier. Erstens werden die monatlichen 1418 Euro nicht garantiert, und zweitens ist die Dauer der Rente unbekannt.

Im Mittel werden die Menschen, die heute 35 Jahre auf dem Buckel haben, mindestens 85 Jahre alt, so dass die monatliche Rente durchschnittlich 20 Jahre fließen wird.

Hervorragende Zinsen

Bei einer Dauer von 19 Jahren kommen unter dem Strich genau 4 Prozent heraus. Nach Steuern ist die Verzinsung sogar noch etwas besser, weil die jährlichen Prämien als Sonderausgaben abzugsfähig sind. Von den jährlichen Aufwendungen können 2009 genau 68 Prozent abgesetzt werden, und dieser Satz steigt bis 2025 jedes Jahr um 20 Basispunkte an. Im Gegenzug wird die Basisrente ab 2026 in voller Höhe steuerpflichtig sein. Der Abzug der Prämien als Sonderausgaben und die Belastung der Renten als Einkünfte führen im vorliegenden Fall zu 32 Steuervorteilen und 19 Steuernachteilen.

Die genaue Höhe der einzelnen Zahlungen richtet sich nach dem Einkommen des Anlegers. Wenn der Investor bis zur Pensionierung zum Beispiel jährlich 35 Prozent versteuert, winken Steuervorteile von 857 bis 1260 Euro pro Jahr, und bei einem Steuersatz von 25 Prozent im Ruhestand stehen dem Anleger jährliche Abgaben von 4297 Euro ins Haus. Das führt zu einer Rendite von 4,3 Prozent pro Jahr.

Das ist für eine Geldanlage, die auf festverzinslichen Anleihen aufbaut, ein hervorragendes Ergebnis. Trotzdem zeigen die meisten Privatleute, vor allem Leute mit hohem Einkommen, der Basisrente die kalte Schulter, weil sie keine Lust haben, sich vom Staat die Gestaltung der Altersversorgung vorschreiben zu lassen.

Das ist einerseits verständlich, doch andererseits ist es bemerkenswert, dass gerade die Anleger, die kein Steuersparmodell auslassen und auf hohe Renditen versessen sind, solchen Wert auf finanzielle Freiheit legen.

Freiheit hat ihren Preis

Die Alternativen halten sich in Grenzen. Der Spar- und Rentenvertrag ist zum Beispiel über die klassische Leibrente darstellbar. Das ist bei Licht betrachtet derselbe Vertrag wie die Basisrente, doch der Anleger hat bei Rentenbeginn - sozusagen in letzter Sekunde - noch die Wahl, ob er sich das Kapital in einer Summe auszahlen lässt oder doch die Rente wählt.

Der kleine, aber wichtige Unterschied macht sich in erster Linie in steuerlicher Form bemerkbar. Die Prämien der klassischen Rentenversicherung sind aus versteuertem Geld zu bezahlen; dafür werden die Renten im Alter auch nur mit einem Ertragsanteil von 17 Prozent besteuert.

Das heißt in Zahlen, dass sich die Leibrente mit 3,8 Prozent pro Jahr verzinst, und das bedeutet im Klartext, dass sich diese Lösung im Vergleich zur Basisrente nicht lohnt.

Wer die Freiheit wirklich nutzt, die Abfindung wählt und das Geld selbst verrentet, fährt sogar noch schlechter. Er kommt wegen Abgaben auf die Abfindung auf eine Verzinsung von höchstens 3,4 Prozent. Das ist im Vergleich zur Basisrente ein Minus von 13 000 Euro, so dass in aller Deutlichkeit klar wird, dass die Freiheit ihren Preis hat.

So hohe Renditen bekommt man nur mit der richtigen Mischung

Umgekehrt stellt sich die Frage, welche „freien“ Anlagen notwendig sind, um im Verlaufe von 50 Jahren auf eine jährliche Rendite von 4 Prozent zu kommen. Die Antwort liegt auf der Hand. Renditen von über 4 Prozent nach Steuern für Spar- und Rentenverträge sind nur mit einer Mischung aus Anleihen, Immobilien und Aktien erzielbar.

Das wird vielen Anlegern den Schweiß auf die Stirn treiben, doch Rendite plus Flexibilität zuzüglich Sicherheit und Steuervorteile sind ein bisschen zu viel auf einmal. Weniger freundlich ausgedrückt heißt die Feststellung, dass der Wunsch nicht erfüllbar ist.

Wer mehr als 4 Prozent nach Steuern erzielen will, muss Risiken auf sich nehmen und kann sein Glück mit Hilfe von drei Verträgen suchen. Er steckt jeden Monat jeweils 100 Euro in einen Rentenfonds, einen Immobilientopf und ein Aktienpaket.

Hier sind Renditen von 4 bis 8 Prozent denkbar, und nach Abzug der Abgeltungsteuer können etwa 4,5 Prozent pro Jahr herauskommen. Das werden am Ende der Sparphase rund 256 000 Euro sein, und falls dieser Betrag mit Hilfe von Anleihen verrentet wird, können sich alle Zahlungen mit 4,1 Prozent pro Jahr verzinsen.

Das Sparen kann man im Alter nicht nachholen

Es liegt in der Sache der Natur, dass die Zahlen auf wackeligen Beinen stehen. Ein halbes Jahrhundert ist eine lange Zeit, und in dieser Spanne ist die einzige Sicherheit die Unsicherheit. Das dürfte der Hauptgrund sein, warum junge Leute für die Altersvorsorge so schwer zu begeistern sind. Sie haben zu Recht den Eindruck, dass nichts mehr planbar ist, doch das war vor 50 oder 100 Jahren nicht anders. Damals gab es genauso wenig Sicherheit wie heute; vielleicht war es sogar noch schlimmer.

Daher ist die Einstellung, überhaupt nicht fürs Alter zu sparen, sondern die Überschüsse gleich auf den Kopf zu hauen, verständlich, doch die Folgen können fatal sein, weil das Sparen im Alter nicht nachgeholt werden kann.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

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