25.04.2010 · Senioren sollten nicht blind den Ratschlägen der Bankberater folgen. Der Unterschied zwischen aktiver und passiver Vermögensverwaltung klärt sich anhand einfacher Grundregeln.
Von Volker Looman, ReutlingenVermögende Senioren jammern, wenn es um Geld geht, in mehrfacher Hinsicht auf höchstem Niveau. Das beginnt damit, dass viele stattliche Renten beziehen und das Kapital bei der Gestaltung ihres Privatvermögens vergessen. Und es endet bei Klagen, dass die Beratung der Banken miserabel geworden sei. Nur die Einsicht in eine erhebliche Mitschuld wächst nicht. Eigentlich hat sich nichts geändert. Ältere Anleger schenken den Gebühren und Kosten der Anlagen einfach zu wenig Beachtung. Die Folgen werden im folgenden Beispiel deutlich.
Ein ehemaliger Manager ist 70 Jahre alt. Der Mann ist verwitwet und eine gute Partie: Er ist belesen, er ist in der Welt herumgekommen, er hat Humor - und Geld. Nur interessiert ihn das Vermögen nicht. Es beträgt je nach Sichtweise 1,5 bis 2,3 Millionen Euro. Der Anleger kommt auf die niedrige Summe, weil er Festgeld (300.000 Euro), Anleihen (800.000 Euro) und Aktien (400.000 Euro) addiert. Fachleute kapitalisieren die Betriebsrente von 5000 Euro pro Monat mit 4 Prozent, lassen den Mann noch 20 Jahre leben und erhöhen das Vermögen um 833.000 Euro. Lebendig werden die Zahlen jedoch erst durch die jüngsten Ereignisse.
Der Mann hat sein Eigenheim verkauft, weil es ihm nach dem Tod der Ehefrau zu groß geworden ist. Stattdessen will er sich eine große Wohnung kaufen, die 300.000 Euro kostet. Das ist vernünftig, weil ein bezahltes Heim eine gewisse Sicherheit vermittelt. Unvernünftig ist, dass er die Hausbank in seine Pläne einweihte. Der junge Verkäufer ist dem alten Herrn schon lange auf der Spur, weil mit dem Desinteresse des Mannes an Geld ein kleines Vermögen zu verdienen ist. Er hat ihm folgenden Vorschlag unterbreitet: Die Wohnung wird mit Hilfe einer Hypothek bezahlt. Getilgt wird der Kredit über einen Bausparvertrag und das vorhandene Vermögen auf drei Töpfe verteilt: 800.000 Euro in Anleihen, 400.000 Euro in Aktien und 300.000 Euro in eine Solaranlage in Spanien. Was soll man dazu sagen?
Ein sauteures Geschäft
Das Urteil hängt, wie könnte es anders sein, vom Standpunkt des Betrachters ab. Der Verkäufer ist für höhere Aufgaben geeignet, weil das Geld in der Kasse klingelt, wenn die Vorschläge verwirklicht werden. Der Kredit bringt 15.000 Euro und der Bausparvertrag 3000 Euro. Das Management der Anleihen kostet jährlich 4000 Euro. Die Verwaltung der Aktien führt zu weiteren 4000 Euro pro Jahr. Und die Solaranlage bringt eine Provision von 30.000 Euro. Unter der Annahme, dass die Anleihen und Aktien zehn Jahre in der Vermögensverwaltung der Bank bleiben, kommen etwa 128.000 Euro zusammen.
Der Vorschlag ist aus Sicht des Anlegers - mit Verlaub - ein „sauteures“ Geschäft. Was bewegt den Mann, einen Kredit für die Wohnung aufzunehmen? Wofür dient der Bausparvertrag, der 20 Jahre läuft? Warum will der Anleger 1,2 Millionen Euro in die Verwaltung durch Leute geben, die wahrscheinlich genauso ahnungslos wie er selbst sind? Und welchem höheren Ziel dient die Anlage von 300.000 Euro in eine Solaranlage in Andalusien? Die Antwort ist einfach. Der Anleger möchte „billiges“ Geld „teuer“ investieren, um die Zinsdifferenzen auszunutzen. Das ist hier aber ein Schuss in den Ofen, wie ein Blick in die Vermögenspläne zeigt.
In der Übersicht wird deutlich, was aus dem heutigen Vermögen im Verlauf der nächsten Jahre werden kann, wenn der Anleger die Kirche im Dorf lässt. Die Tabelle beginnt mit den Einnahmen und Ausgaben. Einkünfte sind die Dividenden der Aktien, die Zinsen der Anleihen und die Betriebsrente. Ausgaben sind die Abgeltungsteuer auf die Geldanlagen, die Einkommensteuer auf die Rente und der Konsum. Das führt zu jährlichen Überschüssen von 29.375 Euro.
Hände weg von den Zusatzverträgen!
Die Überschüsse gehen in die Kasse. Hinzu kommen die Vermögenswerte. Die Aktien mögen im Wert um 4 Prozent pro Jahr steigen. Die Anleihen und die Wohnung sollen ihre Werte behalten. Der Kapitalwert der Betriebsrente sinkt von Jahr zu Jahr, weil Geld entnommen wird. Genauso sinkt der Kredit, mit dem der Anleger bei sich selbst in der Kreide steht. So wie die Renten kapitalisiert worden sind, wurde der Konsum abgezinst. Dadurch beginnt das Vermögen bei 1.667.000 Euro und steigt im Laufe von zehn Jahren auf 2.063.000 Euro. Das entspricht einer Verzinsung von 2,15 Prozent pro Jahr.
Der Endwert in zehn Jahren ist der Dreh- und Angelpunkt für die Alternative. Der Investor soll einen Kredit aufnehmen, einen Bausparvertrag abschließen und Strom produzieren. Sinn und Zweck kann nur der Versuch sein, die „langweilige“ Mischung zu schlagen. Beim zweiten Modell sollte mehr als beim ersten herausspringen. Der Blick auf den zweiten Endwert ist ernüchternd. Er ist um 18.000 Euro höher, wenn die Solaranlage 20 Jahre läuft und jedes Jahr die prognostizierten Ausschüttungen abwirft, die einer Verzinsung von 8 Prozent entsprechen. Wird der Vermögensplan um zehn Jahre verlängert, ändert sich an der Differenz der Endwerte nichts. Es bleibt bei 18.000 Euro, so dass sich die Frage stellt, was das Ganze soll.
Für die Bank ist die Sache klar. Das Darlehen, der Bausparvertrag und die Solaranlage bringen einen Mehrertrag von 48.000 Euro, doch für Anleger lohnt sich das Zinsdifferenzgeschäft nicht. Dafür sind die Zinssätze nach Steuern verantwortlich. Der Kredit kostet 4,5 Prozent. Der Bausparvertrag bringt 0,3 Prozent pro Jahr. Und die Solaranlage wirft 5,4 Prozent ab. Diese Werte zeigen, dass die Geschäfte in dieser Verknüpfung ein Rohrkrepierer sind. Es gibt also nur eine Empfehlung: Hände weg von den Zusatzverträgen!
10.000 Zehneuronoten in den Aktenvernichter
Das gilt auch für die Vermögensverwaltung. Hier sind das Problem nicht die Anleihen und die Aktien, sondern die jährlichen Gebühren für deren Verwaltung. Die geforderten 8000 Euro sind 0,7 Prozent der Anlagesumme von 1,2 Millionen Euro. Um diesen Wert muss die Rendite des Verwalters über den Indizes der Anlagen liegen. Das sollte sich der Investor auf der Zunge zergehen lassen. Der Verwalter hat klare Vorgaben: Er soll 800.000 Euro in festverzinsliche Anleihen und 400.000 Euro in solide Standardaktien anlegen. Trotzdem muss der Mehrertrag pro Jahr bei 0,7 Prozent liegen. Wie soll das gehen?
Die Masse der Verwalter schafft es nicht, über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren die Märkte zu schlagen, und bei einem Depot, das zu zwei Dritteln aus Anleihen besteht, ist ein jährlicher Mehrertrag von 0,7 Prozent Utopie. Daher sollte sich der Anleger den Kauf börsengehandelter Indexfonds überlegen. Die Empfehlung ist natürlich Gift für jeden Verkäufer, weil er bei diesen Geschäften nichts verdient. Daher bieten die Banken solche Produkte nicht an. Wenn ältere Semester die Anlagen dennoch kaufen, gibt es nur zwei Erklärungen. Entweder wissen sie nicht, was sie tun, oder sie sind Verschwender. Dagegen helfen nur drastische Mittel. Die Differenz von 100.000 Euro zwischen der aktiven und der passiven Vermögensverwaltung ist in Zehneuronoten vom Konto abzuheben. Danach sind die 10.000 Scheine nacheinander - Schein für Schein - in einen Aktenvernichter zu stecken. Das dauert drei Stunden, so dass genügend Zeit bleibt, um sich Gedanken über den Wert von 100.000 Euro zu machen.
Loomann soll mal schweigen...
Michael Meier (never1)
- 25.04.2010, 17:27 Uhr
wer ist hier Oberlehrer???
W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)
- 26.04.2010, 00:42 Uhr
@Weide
Michael Meier (never1)
- 26.04.2010, 10:50 Uhr
..und mir ging es darum,
W.P. Bayerl (Dr.Bayerl)
- 27.04.2010, 00:13 Uhr
bei Bedarf teure Fondsmanager?
H. Gebhardt (hgebhardt)
- 27.04.2010, 14:44 Uhr