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Zertifikate und ETFs

Die Vermögensfrage Flurbereinigung im Privatvermögen entspannt

In der Lebensmitte sollten Sparer Versicherungen und Kredite auf den Prüfstand stellen. Denn sie entsprechen nur noch selten den Wünschen und Zielen der Anleger.

© Kai Vergrößern „Ich habe extra einen Profi engagiert...“

Denkt der Deutsche an die Rente in der Nacht, ist er nicht selten um den Schlaf gebracht. Die Störungen wären aber nicht vonnöten, wenn die Einsicht bestünde, dass die Altersvorsorge ein Gebäude ist, an dem ein Leben lang - meist das ganze Berufsleben hindurch - gebaut wird. So wie auf jeder Baustelle Stockwerk für Stockwerk errichtet wird, verhalten sich aber nur wenige Anleger beim Aufbau ihrer Vorsorge. Die meisten Deutschen sind Bastler und Heimwerker, und so gehen sie auch beim Umgang mit Geld zu Werke. Sie hämmern und schrauben, um im Bild zu bleiben, in jeder Ecke ein bisschen herum, ohne eine Sache richtig zu beenden, und bei dieser Arbeitsweise ist es kein Wunder, dass die Bauten am Schluss etwas „hausbacken“ aussehen. Die Ursachen werden in folgendem Beispiel deutlich.

Ein Anwalt ist 45 Jahre alt. Er ist mit einer Richterin verheiratet, die drei Jahre jünger ist. Das Paar lebt im Norden der Republik und hat zwei Kinder im Alter von zehn und acht Jahren. Die beiden Juristen sind seit 15 Jahren ein Paar und haben in den Sturm- und Drangzeiten ihrer Ehe flott gelebt. Außerdem wurden sie von mehreren Vermittlern mit den üblichen Versicherungen gegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit zugeschüttet. Der finanzielle Ernst des Lebens begann vor sechs Jahren, als sich der Mann in die Kanzlei der Kollegen einkaufte. Das führte zu einer Kreditaufnahme von etwa 150.000 Euro. Vor drei Jahren sind 350.000 Euro für den Kauf des Eigenheims hinzugekommen. Folglich sind die beiden Juristen halbe Millionäre, nur mit dem „falschen“ Vorzeichen.

Längst keinen Überblick mehr

In den letzten Monaten sind dem Anwalt nebst Frau massive Zweifel gekommen, ob die finanzielle Statik des Haushaltes in Ordnung ist. Die Eltern versteuern pro Jahr etwa 250.000 Euro. Das ist auf den ersten Blick „bannich“ Geld, wie es an der Küste heißt, doch die Liste der Ausgaben ist lang. Hier sind Abgaben an den Staat und das Versorgungswerk fällig, dort fließt Geld in Kredite, Sparverträge und Versicherungen. Da bleibt unter dem Strich nicht fürchterlich viel übrig, und das stößt dem Ehepaar sauer auf. Nun liegt die Frage auf dem Tisch, ob für die Kredite (500.000 Euro) weiterhin nur Zinsen bezahlt werden sollen und was mit den Guthaben (300.000 Euro) passieren soll, die in den Investmentfonds und Kapitalversicherungen stecken. Kurzum geht es um die sicheren Renten der beiden Juristen im Alter.

Bevor die beiden Akademiker, die über ihre Finanzen, wie das bei Juristen im Doppelpack keine Seltenheit ist, längst keinen Überblick mehr haben, zum wiederholten Male ihre Ordner durchforsten, dürfte es vorteilhafter sein, sich an einem Wochenende einmal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen, was ein Ehepaar, das Mitte 40 ist und viel Geld verdient, zum finanziellen Glück braucht. Das sind, wenn es hoch kommt, neun Punkte: Haftpflicht-Policen, Krankenkassen, Absicherung bei Berufsunfähigkeit, Versorgung der Hinterbliebenen, Einzahlungen in das Versorgungswerk, Notgroschen auf dem Girokonto, Tilgung des Bürokredites, Rückzahlung der Hausschulden, Aufbau des freien Vermögens.

Die Absicherung gegen Schäden, die selbst verursacht worden sind, führt bei Freiberuflern zu drei Policen: Auto-Haftpflicht, Berufs-Haftpflicht und Privat-Haftpflicht. Die ersten Verträge sind Pflicht, der letzte Vertrag ist Kür. Bei zahlreichen Anwälten ist die Privat-Haftpflicht-Police in der Berufs-Haftpflicht-Versicherung enthalten, und das ist nicht von Vorteil. Der Grund ist die Deckungssumme. Bei der beruflichen Police ist ein Betrag von zwei bis drei Millionen Euro branchenüblich. Das bedeutet aber, dass diese Höhe auch bei Privat-Haftpflicht-Schäden gilt, und das ist zu wenig. Sinnvoller sind die Entflechtung der beiden Verträge und der Neuabschluss einer Privat-Haftpflicht-Versicherung mit einer Deckung von 50 Millionen Euro.

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