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Die Vermögensfrage Flugzeuge bieten keinen Anlass zur Freude

 ·  Beteiligungen sind eigentlich nichts anderes als Aktien, doch die Risiken sind durch die geringe Streuung des Geldes höher. Eine Geldanlage in Flugzeugfonds bietet normalerweise wenig Anlass zur Freude; die Rendite bleibt oft am Boden.

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Die Berg-und-Tal-Fahrt der Aktienkurse beschert zahlreichen Privatleuten schlaflose Nächte. Im vergangenen Jahr ist der deutsche Aktienindex zwar um gut 20 Prozent gestiegen, doch in den vergangenen Tagen hat sich der hübsche Zuwachs mehr oder weniger wieder in Luft aufgelöst. Die heftigen Gewitter haben das Vertrauen in die Aktienmärkte dermaßen erschüttert, dass viele Privatleute von der Börse nicht mehr viel wissen wollen. Momentan sind „ruhige“ Anlagen gefragt, doch die Suche nach Investitionen, die auf lange Sicht eine jährliche Rendite von 6 bis 8 Prozent abwerfen, gleicht der Suche nach Stecknadeln im Heuhaufen.

Die festverzinslichen Anleihen bringen im Augenblick etwa 4 bis 4,5 Prozent je Jahr, und mit Immobilien sind, wenn die Geschäfte gut laufen, jährlich 5 bis 6 Prozent zu verdienen. Vor diesem Hintergrund rücken Beteiligungen an Flugzeugen, Schiffen, Solaranlagen und Windkraftwerken wieder stärker in den Vordergrund. Hier winken Renditen von 7 bis 8 Prozent im Jahr, doch die verlockenden Werte sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Beteiligungen ihre Risiken enthalten. Hinzu kommt die Tatsache, dass Mobilien andere Zahlungsströme auslösen und ein Vergleich mit Aktien nicht einfach ist, wie in folgendem Beispiel deutlich wird.

Muss das eingesetzte Geld jeden Tag verfügbar sein?

Ein Anleger ist 45 Jahre alt und möchte 100.000 Euro langfristig, rentabel und sicher anlegen. Das Geld soll 15 bis 20 Jahre investiert werden. Es sollte nach Steuern eine Rendite von 4 bis 5 Prozent im Jahr abwerfen, und der Einsatz sollte sich nicht in Luft auflösen. Die drei Forderungen scheinen auf den ersten Blick banale Wünsche zu sein, doch bei genauem Hinsehen stellen sich viele Fragen. Was bedeutet zum Beispiel das Verlangen, dass sich das Kapital nicht in Luft auflösen soll? Muss auf dem Konto jeden Tag das eingesetzte Geld verfügbar sein? Oder sind während der Laufzeit der Anlage auch Schwankungen erlaubt? Konkret geht es um die Überlegung, ob Mobilien bei der Forderung nach Kapitalerhalt die richtige Anlageform sind, weil Flugzeuge, Schiffe und Windkraftwerke im Laufe der Zeit natürlichem Verschleiß unterliegen.

Das Verlangen nach einer jährlichen Rendite von 4 bis 5 Prozent führt schnell zu der Frage, in welchem Zeitraum die Verzinsung gewünscht wird. Wird das Ergebnis zum Beispiel fest und jedes Jahr erwartet? Oder sind auch wechselnde Resultate erlaubt, in einem Jahr möglicherweise 2 Prozent, in einem anderem Jahr vielleicht 7 Prozent? Oder sind die 4 bis 5 Prozent die Vorgabe, dass das Kapital während der Gesamtlaufzeit um 4 bis 5 Prozent je Jahr wachsen soll? Was passiert mit den Erträgen und Zuwächsen? Müssen sie von Zeit zu Zeit ausgeschüttet werden, weil der Anleger immer wieder Geld benötigt, oder müssen die Ausschüttungen wieder angelegt werden, weil das Kapital gar nicht gebraucht wird?

Beteiligungen sind mit gewisser Vorsicht zu genießen

Die meisten Anleger haben für die Fragen durchaus Verständnis, doch bei den Antworten schleichen sie vielfach wie die Katze um den heißen Brei. Das Geld soll eben langfristig, rentabel und sicher angelegt werden. Das läuft bei Menschen, die im Berufsleben stehen und Geld verdienen, in der Regel auf die Maximierung des Endwertes hinaus. Die eingesetzten 100.000 Euro sollen im Verlauf der 15 bis 20 Jahre auf 200.000 bis 250.000 Euro anwachsen.

Bei den Anlegern, die nicht mehr im Beruf stehen und die laufenden Erträge brauchen, steht der Wunsch im Mittelpunkt, jedes Jahr zwischen 4 und 5 Prozent zu bekommen. Hier muss außerdem die Frage geklärt werden, ob das Kapital erhalten oder verzehrt wird. Im vorliegenden Fall will der 45 Jahre alte Anleger in den nächsten 15 bis 20 Jahren so viel wie möglich aus dem Startkapital herausholen. Das heißt im Klartext, dass laufende Erträge und gelegentliche Kursschwankungen keine Rolle spielen. Es zählt allein die Tatsache, was vorne hineingesteckt wird und hinten herauskommt.

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Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z., 26.01.2008, Nr. 22 / Seite 24
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