Die private Finanzplanung junger Leute lässt in der Regel viele Wünsche offen. Das beginnt bei den Einnahmen, konkret Ausbildung und Beruf, und endet bei den Ausgaben, sprich Konsum und Vermögensaufbau. Hier entscheiden zum Teil kleine Unterschiede über Erfolg und Misserfolg, so dass der Glaube an „Chancengleichheit“ mit gewisser Vorsicht zu genießen ist. In der Theorie mögen die Aussichten gleich sein, doch im wirklichen Leben sind die Unterschiede riesig, weil die Menschen eben doch nicht gleich sind. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.
Ein junger Mann ist 35 Jahre alt. Er hat Abitur. Danach hat er eine Lehre zum Feinmechaniker gemacht. Anschließend hat er Maschinenbau studiert. Die Ausbildung wurde mit der Promotion abgeschlossen. Der Lohn ist ein gut bezahlter Arbeitsplatz bei einem Autobauer. Auch im Privatleben lief es nicht ganz schlecht, wie der Schwabe sagt. Der Mann hat mit 30 Jahren geheiratet und ist seit einem Jahr stolzer Vater. Nun wünscht sich das Ehepaar weitere Kinder.
Dem tüchtigen Burschen ist bewusst, dass er trotz aller Tüchtigkeit auch Glück gehabt hat. Vor diesem Hintergrund betrachtet er auch das heutige Bruttogehalt von 6000 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern rund 4000 Euro übrig. Die Verwendung dieses Betrags führt ohne Umwege zum Girokonto. Immer wieder stehen Banken am Pranger, weil sie jährliche Sollzinsen von 14 oder 15 Prozent abrechnen. Warum muss ein Girokonto aber überzogen werden?
Girokonto reicht nicht als Vorsorge
Wer jeden Monat einen bestimmten Betrag einnimmt, kann nach allgemeiner Auffassung nur diesen Betrag ausgeben. Sonst wird es eng, und was nicht geht, kann in solchen Lebenslagen auch nicht passend gemacht werden. Wenn die Ausgaben höher als die Einnahmen sind, droht die Talfahrt in die roten Zahlen, und Zinseszinsen können im Laufe der Zeit verheerende Schäden anrichten. Daher sind und bleiben der Verzicht auf Kreditlinien und Plastikkarten die beste Vorsorge gegen Schulden.
Neben der Einrichtung des „richtigen“ Girokontos ist weitere Vorsorge notwendig, um im Notfall nicht auf der Straße zu stehen. Bei hohen Haftpflichtschäden, bei langer Krankheit und bei dauerhafter Berufsunfähigkeit ist auch ein Jahresgehalt von 72000 Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hier geht es schnell um hohe Beträge, die nur mit Hilfe geeigneter Versicherungen bezahlbar sind. Nötig sind in jungen Jahren freilich nur drei eigenständige Verträge. Die Prämie für eine Privat-Haftpflichtversicherung ist kaum der Rede wert.
Für eine Deckungssumme von 50 Millionen Euro müssen zum Beispiel bei der Haftpflichtkasse in Darmstadt jährlich nur 77 Euro bezahlt werden, und bei der HUK in Coburg sind es 64 Euro im Jahr. Damit sind junge Familien im Schadenfall auf der sicheren Seite und müssen keinen finanziellen Ruin befürchten. Deckungssummen von 5 oder 10 Millionen Euro bringen Vorteile von einigen Cent, doch die Einsparungen sind im Vergleich zu den Vorteilen lächerlich.
Private Versicherung zu teuer
Viel heikler ist die Auswahl der richtigen Krankenversicherung. Angestellte mit Jahresgehältern von mehr als 49500 Euro müssen zur Zeit ein Jahr in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sein, bevor sie zu den privaten Versicherern wechseln dürfen. Die gesetzliche Krankenversicherung kostet bei einem Bruttogehalt von 6000 Euro rund 304 Euro, wenn auf Selbstbehalte verzichtet wird. Durch den Einbau jährlicher Selbstbehalte von 1000 Euro lassen sich die Prämien auf ungefähr 250 Euro im Monat senken.
Bei diesen Rabatten ist der Wechsel in die Private für junge Familien nicht interessant. In der privaten Krankenversicherung müssen die Mitglieder einer Familie einzeln versichert werden. Folglich schießen für jeden Mann mit Frau und Kindern die Prämien ins Kraut. Schon für ein Ehepaar und ein Kind liegen die monatlichen Prämien zwischen 250 und 300 Euro, so dass sich der Wechsel nur in Ausnahmefällen lohnt. Genauso besteht das Risiko, dass die Prämien im Alter erheblich steigen.
Heikel ist die richtige Absicherung gegen Berufsunfähigkeit. Die Rundumversorgung ist mit finanziellem Aufwand verbunden, weil zwei Policen nötig sind. Erstens ist eine Berufsunfähigkeitsrente erforderlich, die bei Bedarf sofort zahlt, und zweitens ist eine Altersrente nötig, weil die Invalidenrente höchstens bis zum 67. Lebensjahr überwiesen wird. Wird die zweite Police also übersehen oder verdrängt, droht im Alter finanzielle Armut, weil kein Geld mehr bezahlt wird. Dafür sind Aufwendungen notwendig, die schnell in die Hunderte gehen.
Absicherung wird zum Pokerspiel
Wer bereit ist, die Beträge auf den Tisch zu legen, kann in der Regel drei Wege einschlagen. Er kann eine klassische Rentenversicherung mit Beitragsbefreiung und Rente bei Berufsunfähigkeit abschließen. Alternativ ist die Vereinbarung einer Basisrente mit denselben Zusätzen denkbar. Genauso kommt aber auch die Mischung selbständiger Policen und Sparverträge in Betracht.
Besonders groß ist die Verlockung, das zweite Paket zu wählen, weil die Prämien als Sonderausgaben absetzbar sind und die Steuerbelastung senken, doch das Modell ist mit erheblichen Nachteilen verbunden, sofern die Berufsunfähigkeit tatsächlich eines Tages eintritt. Hier gilt die Regel: Je früher der Anleger berufsunfähig wird, desto nachteiliger ist die steuerbegünstigte Invalidenrente, weil die Rente in voller Höhe der Einkommensteuer unterliegt.
Damit wird die „lebenslange“ Absicherung zu einem wahren Pokerspiel. Im vorliegenden Fall würde die lebenslange Zahlung einer Monatsrente von 4000 Euro monatlich zwischen 1000 und 1200 Euro kosten. Das ist selbst für junge Spitzenverdiener so viel Geld, dass für weitere Vorhaben, zum Beispiel das Eigenheim, kein Geld mehr zur Verfügung steht. Viele junge Familien wollen aber ihr eigenes Dach über dem Kopf.
Gute Ausbildung und kurze Babypausen
Sollen diese Ziele in naher Zukunft realisiert werden, ist in vier oder fünf Jahren auch Geld notwendig. Da passen die langfristigen Verträge überhaupt nicht ins Konzept, und das Problem ist, um es in aller Deutlichkeit zu sagen, auch nicht lösbar. Der junge Mann muss sich zwischen „befristeter“ Versorgung mit Aussicht auf das Eigenheim und der „lebenslangen“ Absicherung ohne Aussicht auf das Eigenheim entscheiden.
In der Regel wählen Familien die erste Variante. Sie schließen eine Risikopolice gegen Berufsunfähigkeit ab und stecken ihre Rücklagen in mittelfristige Sparverträge. Die Absicherung einer monatlichen Invaliditätsrente bis zum 67. Lebensjahr kostet einen 35 Jahre alten Mann je nach Versicherer zwischen 200 und 300 Euro. Das ist ohne Zweifel viel Geld. Trotzdem gibt es zu dieser Lösung keine Alternative. Die privaten Unfallversicherungen bezahlen ihre Renten nur nach Unfällen, und wer einen Blick in die Statistiken wirft, wird schnell erkennen, dass Berufsunfähigkeit in 70 bis 80 Prozent aller Fälle durch Krankheiten verursacht wird. Folglich sind Unfallpolicen fragwürdige Scheinversicherungen, die in vielen Fällen ihr Geld nicht wert sind.
Die vierte Grundabsicherung ist die Versorgung der Hinterbliebenen. Die beste Absicherung potentieller Witwen und Witwer sind gute Berufsausbildung und kurze Babypausen. Daher ist es kein Wunder, dass junge Frauen heute in aller Regel nicht mehr bereit sind, nach der Geburt ihrer Kinder zu Hause zu bleiben. Ihnen ist bewusst, dass „Auszeiten“ von fünf oder zehn Jahren in der heutigen Arbeitswelt mit dem hohen Risiko verbunden sind, aus dem Berufsleben verdrängt zu werden. Folglich stellt sich die Frage, wie sinnvoll die Absicherung der Hinterbliebenen ist.
Arbeiten und Sparen
Die Antwort hängt von der persönlichen Einstellung und Lebensplanung ab. Rational betrachtet geht es um fünf Fragen. Wie viel Geld benötigen die Hinterbliebenen? Wie hoch ist das Einkommen des Überlebenden? Wie lange soll die mögliche Lücke geschlossen werden? Soll die Rente dynamisiert werden? Mit welchem Anlagezins nach Steuern wird gerechnet? Im vorliegenden Fall möchte das Ehepaar noch ein Kind, und die monatliche Rente soll 3000 Euro betragen. Die Frau ist zur Zeit nicht berufstätig, so dass keine Einkünfte vorliegen. Die Unterstützung der gesetzlichen Rentenversicherung ist gering, weil die kleine Witwenrente nicht lange bezahlt wird. Folglich werden 3000 Euro benötigt, und der Betrag soll zehn Jahre lang bezahlt werden. Die Dynamik soll 2 Prozent im Jahr betragen, und es wird mit einem Anlagezins von 3 Prozent nach Steuern gerechnet.
Die Wünsche führen zu einem Barwert von 340000 Euro, und die richtige Absicherung wird eine „nackte“ Risikoversicherung ohne Firlefanz sein. Der Vertrag läuft zehn Jahre, die Versicherungssumme fällt jedes Jahr um ein Zehntel, und die Prämien werden jährlich bezahlt. Das führt zu Aufwendungen von etwa 200 Euro im Jahr, die kaum der Rede wert sind. Entscheidend ist nur die Bereitschaft, den Vertrag unter Dach und Fach zu bringen. Der Hinweis mag sich merkwürdig anhören, doch wer die Realität kennt, kennt auch die geringe Wertschätzung der Policen. Vertreter lieben die Verträge nicht, weil die Provisionen niedrig sind, und Privatleute machen um Risikolebensversicherungen einen Bogen, weil die Ausgaben in der Regel „verlorene“ Aufwendungen sind.
Wenn die Versicherungen in trockenen Tüchern sind, stehen für das Ehepaar in finanzieller Hinsicht nur noch zwei Dinge auf dem Programm: Arbeiten und Sparen. Das hört sich nicht gerade verlockend an, doch wenn in vier oder fünf Jahren ein Eigenheim gekauft oder gebaut werden soll, ist viel Eigenkapital notwendig. Das Ehepaar hat in den letzten Jahren neben einem Notgroschen von 10000 Euro ungefähr 40000 Euro auf die hohe Kante gelegt. Das ist eine ordentliche Grundlage. Sie wird aber für ein Haus, das schätzungsweise 300000 bis 350000 Euro kosten wird, nicht ausreichend sein. Eigenkapital in Höhe von 25 bis 30 Prozent ist schon notwendig, um den Kredit innerhalb von zehn bis 15 Jahren tilgen zu können. Folglich sollten sie in naher Zukunft noch 60000 Euro ansparen.
Das sollte bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 4000 Euro kein Problem sein. Schwieriger dürfte die Wahl des richtigen Sparvertrages sein, doch bei nüchterner Betrachtung der Dinge löst sich dieses „Problem“ in Luft auf. Es kommen nur kurzfristige und sichere Sparverträge in Frage. Das heißt im Klartext: keine Investmentfonds, null Kapitalversicherungen, nur Sparpläne von Banken oder Bausparkassen. Die Verzinsung dieser Verträge ist zur Zeit lausig, doch die Höhe der Zinsen spielt bei einer Laufzeit von vier oder fünf Jahren eine untergeordnete Rolle.
Entscheidend ist die Tatsache, dass im vorliegenden Fall jeden Monat mindestens 1000 Euro auf die Seite gelegt werden. Dann können in fünf Jahren bis zu 250000 Euro aufgenommen werden. Die Verschuldung ist allerdings an drei Bedingungen geknüpft. Der Ingenieur macht Karriere, oder die Frau sorgt in sechs Jahren für ein zweites Einkommen. Das Ehepaar wird nicht arbeitslos und lässt sich auch nicht scheiden.
Die Familie konzentriert sich zehn Jahre auf die Rückzahlung des Kredites, weil die Aufwendungen für Zins und Tilgung monatlich 2500 Euro verschlingen. Wenn diese Bedingungen erfüllt werden, steht dem Wohlstand nicht mehr viel im Weg. Die Risiken sind abgedeckt, in der Kasse liegt ein Notgroschen, es besteht Anspruch auf staatliche Rente, im Alter von 50 Jahren winkt ein schuldenfreies Eigenheim, und in den folgenden Jahren kann mit den Raten für das Eigenheim weiteres Vermögen aufgebaut werden.
Berufsunfähigkeit?
Michael Schreiber (mshare)
- 31.10.2012, 16:16 Uhr
Ich wünsche mir realistischere Beispiele!
Marion Ansbacher (mary1401)
- 29.10.2012, 12:08 Uhr
Wetten, dass nix schief geht
Marie Kelkmann (MKelk)
- 29.10.2012, 11:58 Uhr
4000 netto von 6000 brutto?
Art More (art.more)
- 29.10.2012, 09:58 Uhr
Viel zu viele "Bedingungen" ! ("...an drei Bedingungen
geknüpft. ...
K. Peter Luecke (microplan2002)
- 28.10.2012, 12:57 Uhr