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Veröffentlicht: 19.01.2013, 10:27 Uhr

Die Vermögensfrage Die Neutralität in der Finanzberatung bleibt ein frommer Wunsch

Der Gesetzgeber will die Finanzberatung auf Honorarbasis stärken. Doch die meisten Privatanleger sind gar nicht bereit, für neutrale Informationen Geld auszugeben.

von Volker Looman
© Kai „Sicherheit und unglaublich hohe Gewinne? Tut mir leid! Ich kann nur Kaninchen...“

Die Qualität der Finanzberatung in Banken, Bausparkassen und Versicherungen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Jahr 2013 ein Trauerspiel bleiben. Zwar haben Finanzaufsicht, Gesetzgeber und Gerichte in den vergangenen Jahren mehrere Anläufe unternommen, um bestimmte Missstände zu bekämpfen, doch der Nutzen war gering. Banken müssen ihre Kunden über Provisionen aufklären. Vermögensverwalter dürfen Zahlungen von dritter Seite nur noch in Ausnahmefällen behalten. Versicherer haben über die Kosten ihrer Verträge zu informieren. Die Regierung hat Beipackzettel verordnet. Nun soll in den nächsten Wochen ein „Honorarberatungsgesetz“ verabschiedet werden.

Allein der Name ist Unfug in Reinkultur. Es geht nicht um ein Gesetz, in dem geklärt wird, was Beratung ist oder wie hoch Honorare sein dürfen, sondern es geht um die Klärung, wie die Finanzberatung in Deutschland in Zukunft aussehen soll. Es soll auf der einen Seite weiterhin Berater geben, die in Wahrheit kein Berater, sondern Menschen sind, die Finanzprodukte verkaufen und dafür eine Provision bekommen. Und es soll auf der anderen Seite echte Berater geben, welche für die Weitergabe ihres Wissens über Geldanlagen, Kredite und Versicherungen ein Honorar bekommen und keine Provisionen annehmen dürfen. Es mag Aktionisten und Gutmenschen geben, welche der Meinung sind, die Qualität der Finanzberatung auf diese Weise steigern zu können, doch die Wirklichkeit wird sie eines Besseren belehren.

Anleger neigen zur Einfalt, Finanzinstitute zur Gier

Anleger neigen beim Geld zur Einfalt, Finanzinstitute zur Gier, und Politiker sind, um es mathematisch auszudrücken, die Schnittmenge beider Teilmengen. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre sind groß, und die Erfolge sind klein, so dass auch im Jahr 2013 beim richtigen Umgang mit Geld gesunder Menschenverstand die Lösung aller Probleme sein wird. Es wird nötig sein, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie Geld angelegt oder aufgenommen wird, und es wird notwendig sein, die Qualität und den Preis in Frage kommender Produkte sorgfältig zu prüfen. Dafür gibt es nur eine Lösung: Bildung, Bildung und noch einmal Bildung.

Die Qualität der Finanzberatung ließe sich, wenn der Gesetzgeber den Mut zur Revolution hätte, vielleicht durch Neutralität und Verschreibungspflicht verbessern. Es ist in Deutschland seit Jahrzehnten bewährter Brauch, dass Pharmazeuten zwar Arzneimittel herstellen, dem Patienten diese Medikamente aber nicht selbst verschreiben dürfen. Das ist Ärzten vorbehalten, und dafür gibt es handfeste Gründe. Warum wird das Prinzip nicht einfach auf die Finanzberatung übertragen? Natürlich gibt es auch bei den Weißkitteln dieser Nation schwarze Schafe, doch die Trennung hat Charme.

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Banken, Bausparkassen und Versicherer dürfen auch in Zukunft herstellen, was ihnen beliebt, doch die Dienstleistungen, vor allem gefährliche Produkte, werden wie im Gesundheitswesen verschreibungspflichtig. Privatleute müssen sich, wenn sie Verlangen nach Kredit, Risikoschutz oder Anlage haben, zuvor bei neutralen Fachleuten behandeln lassen. Das Rezept kann anschließend bei jedem Unternehmen eingelöst werden. Auf diese Weise könnten ganz bestimmt nicht alle, aber doch viele Reinfälle verhindert werden.

Ein Beispiel: Ein 25 Jahre alter Berufsanfänger will 20000 Euro aufnehmen, um sich ein Auto zu kaufen. Das ist heute kein Problem, weil jede Autobank diesen Leuten das Geld hinterherwirft, solange sie in Lohn und Brot stehen. Daran wird sich auch mit Hilfe von Beipackzetteln nicht viel ändern. Auf diesen Blättern wird, wenn es hoch kommt, in salbungsvollen Worten stehen, dass Kredite bei Arbeitslosigkeit und Krankheit zu Problemen führen können. Ein verantwortungsvoller „Finanzarzt“ könnte sich den jungen Mann aber liebevoll zur Brust nehmen und ihm klarmachen, dass ein Kredit in dieser Höhe zu viel des Guten ist, dass 10.000 Euro für den Kauf eines gebrauchten Autos vorteilhafter sind.

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