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Zertifikate und ETFs

Die Vermögensfrage Die Altersvorsorge zwingt zum Umgang mit hohen Zahlen

Wer ein Unternehmen aufgebaut und das Eigenheim abbezahlt hat, dem fehlt oft die Rücklage für den Ruhestand. Doch Magerzinsen und Inflation erfordern ein Vermögen in Millionenhöhe.

© Kai Vergrößern „Selbstverständlich haben Sie mit der Gestaltung Ihrer Altersvorsorge alles richtig gemacht, Frau Schwendler...“

Die private Altersvorsorge wird in Zeiten niedriger Guthabenzinsen, hoher Risiken und schleichender Geldentwertung zu einer Rechnung mit großen Zahlen. Das gilt in besonderem Maße für Spitzenverdiener, die etwa 50 Jahre alt sind. Sie haben Unternehmen, Kanzleien und Karrieren aufgebaut. Man hat Eigenheime errichtet und Kredite getilgt.

Nun sind die Kinder in der Ausbildung. Da liegt es in der Sache der Natur, dass für die Rücklage von Geld, das im Ruhestand auch wieder ausgegeben werden kann, bisher kaum Mittel übrig geblieben sind. Für die Bildung der Rücklagen wird es nun aber höchste Zeit. Falls die Privatleute jetzt nicht die Vorsorge, sondern den Konsum ankurbeln, wird ihnen im Ruhestand heftiger Wind ins Gesicht wehen.

Wer heute 50 Jahre alt ist, muss damit rechnen, noch 35 Jahre zu leben. Soll ab dem 67. Geburtstag zum Beispiel eine Rente von 5.000 Euro pro Monat zur Verfügung stehen, sind Rücklagen von 1,08 Millionen Euro notwendig, wenn die Monatsraten zusammengezählt werden. Kommt die Inflation ins Spiel, sind die Zahlen kaum zu ertragen. Bei einer jährlichen Entwertung von 2 Prozent steigt die Summe der Renten auf 1,29 Millionen Euro, und bei einer Inflationsrate von 3 Prozent pro Jahr kommen 1,4 Millionen Euro zusammen.

Anleger werfen die Flinte ins Korn

Mit Hilfe von Zinsen und Zinseszinsen wird die ganze Geschichte etwas freundlicher. Trotzdem geht sie ins Geld beziehungsweise unter die Haut. Bei einem jährlichen Anlagezins von 2 Prozent nach Steuern werden lediglich 908.000 Euro benötigt, wenn die Inflation außen vor bleibt, und bei einem Schwund von 2,5 Prozent pro Jahr sind es 1,1 Millionen Euro.

Bei solchen Differenzen ist es kein Wunder, dass Anleger die Flinte ins Korn werfen. Mutlosigkeit beim Aufbau der Altersversorgung ist freilich die schlechteste Lösung. Da leisten Arbeiten und Sparen bessere Dienste, weil die Privatleute je nach Beruf und Motivation noch 15 bis 20 Arbeitsjahre vor sich haben.

Bei einer Spardauer von 17 Jahren, einem jährlichen Anlagezins von 2 Prozent nach Steuern und ohne Inflation sind 204 Raten je 3747 Euro erforderlich, um die notwendigen 908.000 Euro zu erreichen. Bei dem höheren Ziel von 1,1 Millionen Euro, in welchem die Inflation enthalten ist, sind es 204 Monatsraten je 3.789 Euro, wenn die Zahlungen jedes Jahr um 2,5 Prozent steigen. Die Werte sind ohne Zweifel harte Kost, doch wer im Alter eben 5000 Euro pro Monat ausgeben möchte, muss zuvor den notwendigen Preis bezahlt haben. Sonst bleiben nur die üblichen Rückrechnungen: Lebenszeit kürzen, Guthabenzins erhöhen, Steuern vergessen oder Ansprüche senken.

Verzehr des Kapitals

Das Prinzip gilt auch bei Privatleuten, die im Alter laufende Bezüge aus Rentenkassen erwarten, oder bei Freiberuflern, die im Ruhestand monatliche Zahlungen aus ihren Versorgungswerken erwarten. Von der gewünschten Rente wird der Hoffnungswert abgezogen, und die Versorgungslücke wird nach dem bekannten Schema ermittelt. Sollten im Alter bestimmte Vermögenswerte wie Immobilien, Versicherungen oder Wertpapiere zur Verfügung stehen, kann die Versorgungslücke um diese Werte vermindert werden.

Wichtig für das Verständnis der Versorgungslücke ist allein die Erkenntnis, dass das Rechenschema den Verzehr des Kapitals und der Zinsen unterstellt. Im vorliegenden Beispiel sind weder die 908.000 Euro noch die 1,1 Millionen Euro zu halten. Die Probe ist der beste Beweis. 908.000 Euro werfen bei einem Zinssatz von 2 Prozent monatlich 18.000 Euro beziehungsweise 1.500 Euro pro Monat ab, wenn das Kapital erhalten bleibt. Wenn aber 60.000 Euro benötigt werden, muss das Kapital zum großen Leidwesen potentieller Erben im Laufe des Ruhestandes in voller Höhe verzehrt werden. Sonst ist die Wunschrente von 5.000 Euro pro Monat nicht darstellbar.

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Veröffentlicht: 17.11.2012, 14:00 Uhr

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