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Die Vermögensfrage Das teure Studium der Kinder

 ·  Die meisten Sparer kümmern sich am liebsten um alle Sparziele zugleich. Kostengünstiger ist jedoch diese Reihenfolge: Hauskredit, Studien der Kinder und zum Schluss die eigene Altersvorsorge.

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© Kai In der Studentenbude: „Tut uns leid, aber wir konnten uns unser Haus nicht mehr leisten...“

Die solide Ausbildung der Kinder ist, wenn sie an einer Hochschule stattfinden soll, für viele Eltern mit finanziellen Entbehrungen verbunden. Ein Studium über zehn Semester kostet nach Angaben des Deutschen Studentenwerkes in Berlin zwischen 45.000 und 50.000 Euro. Die Aufwendungen dürften neben dem Eigenheim und der Altersvorsorge zu den größten Belastungen im Leben vieler Eltern gehören, so dass sich die Frage stellt, wie die Investition „richtig“ finanziert wird. Bei genauem Hinsehen besteht die Frage sogar aus mehreren Problemen. Auf der einen Seite geht es um die Grundsatzfrage, wie die Ausbildung in die großen Zahlungsströme des Lebens eingebunden wird, und auf der anderen Seite geht es um die Frage, welche Finanzprodukte für die Finanzierung in Betracht kommen. Die beiden Aspekte werden in folgendem Fall beleuchtet.

Ein Chemiker ist 45 Jahre und mit einer Biologin verheiratet, die 42 Jahre jung ist. Das Ehepaar hat drei Kinder, die zehn, acht und sechs Jahre als sind. Die kleinen Orgelpfeifen sollen, wenn sie eines Tages groß sind, studieren. Der Wunsch der Eltern wird ins Geld gehen, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Die schnellsten Studenten sind Juristen mit einer Studiendauer von zwölf Semestern. Kunsthistoriker hingegen brauchen, aus welchen Gründen auch immer, im Schnitt 16 Semester.

Angesichts dieser Perspektiven bleibt kostenbewussten Eltern nur eine Mischung aus Härte und Hoffnung. Sie sollten ihren Kindern nach Möglichkeit keine Selbstfindungskurse bezahlen, die bei allgemeiner Betriebswirtschaft beginnen und nach zwei Fakultätswechseln bei spezieller Botanik enden, sondern sie müssen darauf vertrauen, dass ein vernünftiges Studium nach fünf Jahren erfolgreich beendet werden kann.

Berg- und Talfahrt während den Studien der Kinder

Die Summe von 135.000 bis 150.000 Euro für drei Kinder sollte den Eltern nicht den Schlaf rauben. Mit solchen Schwierigkeiten sind auch andere Generationen fertig geworden, doch die Wahl der richtigen Finanzierung ist nicht ganz einfach. Der Vater bringt zur Zeit monatlich 7.000 Euro nach Hause, und die Mutter verdient etwa 4.000 Euro pro Monat. Von den 11.000 Euro bleiben nach Abzug aller Sozialabgaben und Steuern knapp 7.000 Euro übrig. Das Geld verteilt sich auf verschiedene Töpfe.

Der Konsum fordert 2.000 Euro. Die Tilgung des Hauskredites schlägt mit 1.500 Euro zu Buche. Die Autos verschlingen 1.000 Euro. Die Kosten des Eigenheims liegen bei 500 Euro, Urlaub belastet die Kasse mit 750 Euro. Die Versicherungen führen zu Ausgaben von 250 Euro. Das sind zusammen 6.000 Euro, so dass jeden Monat etwa 1.000 Euro übrig bleiben. Das mag ein ordentlicher Überschuss sein, doch bei genauem Hinsehen wird die Familie keine Probleme haben, das Geld unter die Leute zu bringen: Die Autos sind alt, das Haus ist renovierungsbedürftig, die Kinder werden größer, und die Altersversorgung der Eltern ist karg.

Seit einigen Wochen beschäftigt sich das Ehepaar mit der Frage, wie sie die Ausbildung der Kinder bezahlen soll. Es rechnet damit, dass die Sprösslinge in zehn, zwölf und vierzehn Jahren ein Studium beginnen werden, das jeweils 60 Monate dauern wird. Wenn die Annahme richtig ist und die heutigen Aufwendungen - pro Kind und Monat etwa 800 Euro - unterstellt werden, kommt auf die Eltern in zehn Jahren im wahrsten Sinne des Wortes eine Berg- und Talfahrt zu, die neun Jahre dauern wird. Jeweils zwei Jahre sind monatlich 800 und 1.600 Euro aufzuwenden. Dann kommt das Spitzenjahr mit Ausgaben von 2.400 Euro pro Monat. Am Ende kommen wieder zweimal 24 Monate mit Ausgaben von 1.600 und 800 Euro.

Zwei Möglichkeiten für die Finanzierung

Wenn dieser Zahlungsstrom in einen Computer gesteckt und nach Abzug von Gebühren, Kosten und Steuern mit 2 Prozent pro Jahr verzinst wird, sind zwei Lösungen denkbar. Das sind auf der einen Seite ein selbständiger Sparplan mit einer Laufzeit von zehn Jahren und ein selbständiger Entnahmeplan mit einer Laufzeit von neun Jahren, und das ist auf der anderen Seite ein kombinierter Ein- und Auszahlungsplan über die vollen 19 Jahre. Die erste Lösung führt zu einer monatlichen Sparrate von 994 Euro pro Monat, die zehn Jahre lang bezahlt werden muss. Danach ist Schluss, weil das Kapital ausreicht, um den folgenden Verpflichtungen nachkommen zu können. Die zweite Lösung verlangt von Eltern monatliche Raten von 569 Euro, die während der gesamten 19 Jahre entrichtet werden müssen.

In dem heutigen Budget der Familie sind 1.000 Euro für „sonstige“ Ausgaben enthalten. Das hat zur Folge, dass die erste Lösung - die „kurze“ Finanzierung der Studiengelder - auf dem Papier denkbar ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber an den Widrigkeiten des Alltages scheitern wird. Umgekehrt bedeutet die „lange“ Finanzierung der Studiengelder, dass die Eltern ihre Altersvorsorge frühestens in 19 Jahren in Angriff nehmen können. Das ist zwar nicht besonders erfreulich, doch wenn die Einnahmen der Eltern in den nächsten Jahren nicht steigen, werden sich die beiden Akademiker mit kleinen Renten abfinden müssen.

Bei der Gestaltung des Budgets in den kommenden 19 Jahren hat die Familie zwei Möglichkeiten. Sie kann die beiden großen Aufgaben - Hauskredit und Studienfinanzierung parallel oder nacheinander anpacken. Bei der ersten Lösung fließen 1.500 Euro in die Tilgung der Schulden und 600 Euro in den Aufbau des Studienkontos, und bei der zweiten Lösung wird die Rückzahlung der Schulden auf 2.100 Euro erhöht, so dass die Schulden nach zehn Jahren vom Tisch sein werden. Anschließend fließen monatliche Raten von jeweils 1.300 in die Ausbildung der Kinder, und 800 Euro gehen in die Altersvorsorge.

Sparbücher sind nicht der richtige Ansatz

Finanzmathematisch ist die zweite Lösung günstiger, weil die Eltern die Zinsdifferenz zwischen Darlehensvertrag und Sparplan nutzen. Der bestehende Kredit kostet zur Zeit jährlich 3,5 Prozent. In vier Jahren wird die Zinsbindung enden, und der Anschlusszins sollte nach Möglichkeit nicht über 4 Prozent steigen, um die Restschuld in den folgenden sechs Jahren mit monatlichen Raten von jeweils 2100 Euro tilgen zu können. Im selben Zeitraum werden für die Sparraten bestenfalls 2 Prozent zu bekommen sein, so dass es auf jeden Fall lohnender ist, zuerst die Schulden zu tilgen und dann die Ausbildung der Kinder in Angriff zu nehmen.

Der Vorschlag wird bei vielen Eltern und Banken auf wenig bis gar keine Gegenliebe stoßen. Die meisten Anleger denken in Behältern, und je mehr Eimer und Töpfe in den Schränken stehen, desto wohler fühlen sie sich. Daher ist es kein Wunder, dass Eltern dazu neigen, schon bald nach der Geburt ihrer Kinder Sparbücher anzulegen oder Sparverträge abzuschließen. Banken, Bausparkassen und Versicherungen sind mit Zustimmung unterstützungswilliger Großeltern willige Helfer, weil jeder Vertrag neue Erträge bringt. Besonders pfiffig ist dieser Ansatz aber nicht.

Vernünftiger wären die Erhöhung der Risikoabsicherung der Eltern bei Invalidität und Tod und die Beschleunigung der Schuldentilgung. In den meisten Haushalten gibt es zu dem Ansatz - erst die Schulden, dann das Vermögen - keine Alternativen, weil einfach die finanziellen Mittel fehlen, um bei der Anlage höhere Risiken eingehen zu können. Daher ist die gestaffelte Lösung - erst das Haus, dann die Kinder, schließlich die Rente - am sinnvollsten.

Die Vorteile der schlichten Lösung

Wem die einfache Lösung jedoch nicht schmeckt, muss sich auf die Suche nach sicheren Geldanlagen machen. Aktien mögen ordentliche Renditen abwerfen, doch es ist zweifelhaft, ob sie für die Finanzierung der Kinderausbildung die richtige Lösung sind. Die klassischen Kapitalversicherungen haben seit Einführung der Besteuerung der Erträge viel Glanz eingebüßt; im vorliegenden Fall kommen sie gar nicht in Frage, weil die Verzahnung mit den Entnahmen überhaupt nicht möglich ist.

Aus diesem Grund bleiben für die Kinderausbildung eigentlich nur Spar- und Entnahmepläne übrig. Alternativ eignen sich gemischte Investmentfonds, die das Kapital zu zwei Dritteln in Anleihen und einem Drittel in Aktien investieren. Ohne Kosten und Risiken sind die Verträge jedoch nicht zu haben, so dass sich vernünftige Eltern doch noch einmal überlegen sollten, ob die einfache Lösung - erst Hauskredit, dann Kinderausbildung - nicht doch vorteilhafter ist.

Die schlichte Lösung hat zwei Vorteile. Erstens zwingen sich die Eltern zum sofortigen Sparen. Das Darlehen wird schnell getilgt, und das ist die mit Abstand beste Geldanlage, weil der Kredit aufgenommen worden ist, folglich auch zu tilgen ist. Und zweitens wird in zehn Jahren für die Finanzierung der Studienkosten keine Geldanlage notwendig sein. Die Eltern wenden 1.333 Euro pro Monat auf, und das Geld fließt „umgehend“ auf die Konten der Kinder. Dadurch wird die Finanzierung zur risikoarmen Kapitalanlage, und die einzige Gefahr ist der Abbruch des Studiums. Notwendig werden ab diesem Zeitpunkt nur noch Sparverträge für die Altersvorsorge der Eltern sein, aber das ist ein anderes Thema. Hier wird die Wahl des richtigen Sparvertrages von der Laufzeit und der Verfügbarkeit abhängen.

Gewisse Chancen auf hohe Erträge

Etwas anders sieht die Sache aus, wenn der Wunsch besteht, bereits nach der Geburt der Kinder für deren Ausbildung zu sorgen. Es gibt viele Eltern und Großeltern, die Sparkonten für Kinder und Enkel einrichten wollen. Falls zum Beispiel über einen Zeitraum von 20 Jahren monatlich 200 Euro auf die hohe Kante gelegt werden, werden am Ende der Laufzeit bei einer jährlichen Verzinsung von 2 Prozent rund 59.000 Euro auf dem Konto stehen. Das ist eine solide Basis für die Finanzierung des Studiums, weil in diesem Betrag gewisse Reserven für den Verlust der Kaufkraft durch die Inflation enthalten sind.

In früheren Jahren waren solche Sparverträge die Domäne der Versicherungsvertreter. Sie haben den Eltern und Großeltern der Neugeborenen sogenannte Ausbildungsversicherungen verkauft. Die Bezeichnung war und ist aber etwas irreführend, weil es sich bei diesen Verträgen um normale Lebensversicherungen handelt. Versicherungsnehmer und Versicherter sind in der Regel die Väter der Kinder, und ob das Kapital nach der Fälligkeit tatsächlich für die Ausbildung der Kinder verwendet wird, steht völlig in den Sternen.

Die Verträge sind durch die volle Besteuerung der Erträge weitgehend aus der Mode gekommen. Stattdessen werden heute Investmentfonds und Investmentpolicen verkauft. Die Unterschiede sind, vom Versicherungsschutz abgesehen, kaum der Rede wert. Das Geld fließt in Anleihen und Aktien. Das bietet bei der langen Laufzeit von 20 Jahren gewisse Chancen auf hohe Erträge. Die Sparer können den Vertrag zum Beispiel in vier Abschnitte unterteilen. In der ersten Phase werden die Anleihen und Aktien im Verhältnis von 1 zu 4 gemischt. Danach wird die Kombination auf 2 zu 3 und 3 zu 2 geändert, und in der letzten Phase wird ein Verhältnis von 4 zu 1 gewählt.

Der wunde Punkt der Investmentverträge sind aber die Kosten. In der Regel fallen Ausgabeaufschläge von 4 bis 5 Prozent pro Sparrate an. Hinzu kommen die jährlichen Verwaltungskosten von 2 Prozent. Das hört sich harmlos an, doch die Folgen sind verheerend. Bei einer jährlichen Verzinsung der Einzahlungen zu 2 Prozent drücken die Gebühren und Kosten das Sparkonto auf 46000 Euro. Um zum selben Zeitpunkt aber 59000 Euro zu besitzen, muss der Sparvertrag eine jährliche Verzinsung von mindestens 4,5 Prozent abwerfen. Das sind „gewaltige“ Vorgaben, so dass es eine Überlegung wert ist, auf Indexfonds auszuweichen, weil dort kaum Kosten anfallen.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

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