20.12.2006 · Wenn der Anleger die Verrentung seines Vermögens wünscht, ist die Rürup-Rente eine solide Investition. Senioren erzielen mit wenigen Prämien und langen Renten konkurrenzlos hohe Renditen.
Von Volker Looman, ReutlingenDas Prämiendepot mit Lebensversicherung war bis 2004 ein Steuersparmodell, das sich bei vermögenden Privatleuten größter Beliebtheit erfreute. Auf diese Weise konnte Geld zwölf Jahre so angelegt werden, daß die Zinsen am Ende der Laufzeit steuerfrei blieben und unter dem Strich jährliche Renditen von 4 bis 6 Prozent erzielt wurden. Die Anlage ist auch heute noch möglich, doch die Aussicht, daß bei neuen Verträgen die Zinsen mindestens zur Hälfte steuerpflichtig sind, hält die meisten Investoren von dieser Anlage ab.
Statt dessen scheint sich die Rürup-Rente als Geldanlage zum Schlager zu entwickeln. Seit Monaten laufen Heerscharen von Vermittlern durch die Lande und machen Privatleuten das verlockende Angebot, größere Beträge in ein Depot zu stecken, daraus Jahresbeträge von maximal 40.000 Euro zu entnehmen, das Geld in einen Rürup-Vertrag zu stecken, dafür eine Rente bis zum Lebensende zu beziehen und auf diese Weise jährliche Renditen von 5 bis 6 Prozent nach Steuern zu erzielen. Die Chancen und Risiken werden in folgendem Beispiel deutlich.
Geschäft besteht aus vier Abschnitten
Ein Anleger ist 61 Jahre alt, sitzt auf 100.000 Euro und weiß im Augenblick nicht so recht, wie er das Geld anlegen soll. Die Altersversorgung ist längst in trockenen Tüchern: Der Staat wird ab dem 66. Lebensjahr eine monatliche Rente von 2.000 Euro überweisen, der Betrieb wird Zahlungen von 3.000 Euro pro Monat überweisen, und das Privatvermögen steuert 1.000 Euro bei, so daß zum Jammern kein Anlaß besteht. Trotzdem plagt sich der Anleger seit Wochen mit der Frage herum, was aus den 100.000 Euro werden soll. Eine Lösung verspricht der Versicherungsvertreter, der die Familie seit Jahren betreut. Er macht dem Senior den Vorschlag, das Geld in eine Rürup-Rente zu investieren.
Das Geschäft besteht aus vier Abschnitten. Das Geld wird bei der Versicherung in ein Depot gepackt, das jährlich 3 Prozent abwirft. Aus diesem Topf werden fünf Beträge nebst Zinsen entnommen; das sind 21 331,18 Euro pro Jahr. Die fünf Raten werden in eine Rürup-Rente umgeschichtet, die aus festverzinslichen Anleihen besteht. Dadurch soll in sechs Jahren eine lebenslange Rente von 721 Euro fließen. Die jährliche Rendite der Geldanlage soll, wie der Versicherungsvertreter erklärt, unter Berücksichtigung der Steuervorteile mehr als 5 Prozent betragen.
Volle Absetzbarkeit erst 2035
Die Rechnung ist korrekt. Die Verzinsung des Vertrages ist in der Tat so hoch, wenn „normale“ Bedingungen gelten. Zunächst ist richtig, daß die Anlage der 100.000 Euro zu 3 Prozent fünf Entnahmen von jeweils 21.221,18 Euro ermöglicht. In diesen Beträgen sind keine Zinssteuern enthalten, so daß die Abgaben an den Fiskus getrennt zu entrichten sind. In der Folge sind die Einzahlungen steuerlich als Sonderausgaben absetzbar. Ledige dürfen höchstens 20.000 Euro steuermindernd sparen, Verheiratete maximal 40.000 Euro.
Die Einzahlungen sind im Augenblick aber (noch) nicht zu 100 Prozent, sondern lediglich zu 62 Prozent absetzbar. Dieser Wert steigt in Zukunft um jährlich 20 Basispunkte, so daß die volle Absetzbarkeit erst 2035 erreicht werden wird. Damit werden die fünf Prämien des Beispiels zu 62 bis 70 Prozent absetzbar sein. Dafür muß die anschließende Rente mit einem Ertragsanteil von 62 Prozent versteuert werden. Die monatlichen Bezüge werden nach der aktuellen Sterbetafel voraussichtlich 20 Jahre fließen, und wenn das Kapital dauerhaft zu 4 Prozent angelegt wird, kann mit einer Monatsrente von 721 Euro gerechnet werden.
Hoffnung auf eine lange Rente
Der Pfiff der Anlage liegt in der steuerlichen Behandlung der Ausgaben und Einnahmen. Der Anleger versteuert im Moment noch 200.000 Euro pro Jahr. Die jährlichen Aufwendungen von jeweils 21.331 Euro führen zu Steuervorteilen von 5.862 bis 6.617 Euro, so daß der Anleger in der Summe stolze 31.000 Euro spart und den tatsächlichen Kapitaleinsatz auf etwa 70.000 Euro drücken kann. Im Vergleich dazu sind die 721 Euro, die als Rente winken, zu 62 Prozent steuerpflichtig, doch bei einem Steuersatz von 25 Prozent während des Ruhestandes hält sich der Schaden in Grenzen. Die jährliche Abgabe wird aller Voraussicht nach bei 1.709 Euro liegen, so daß die Schmerzen zu ertragen sind.
Die jährliche Rendite basiert auf einem Zahlungsstrom, der auf 25 Jahre angelegt ist und unter Berücksichtigung der Steuern aus drei Abschnitten besteht. Anfangs werden 100.000 Euro eingezahlt. Dafür winken fünf Rückflüsse von jeweils gut 6.000 Euro. Danach gibt es 240 Rückzahlungen à 579 Euro. Das führt zu einer Verzinsung von 5,18 Prozent, und für solche Ergebnisse, da hat der Versicherungsvertreter schon recht, müssen die meisten Anleger weit laufen. Trotzdem will die Investition überlegt sein. Der Vorteil liegt in der Sicherheit der Anleihen, in der Erwartung der Steuervorteile und in der Hoffnung, daß die Rente lange gezahlt wird. Genau in diesem Punkt liegt aber auch das Risiko. Falls der Anleger früh stirbt, sind die Bezüge nur in Maßen vererbbar, so daß die Verzinsung sinkt.
Basisrente zur Zeit kaum zu schlagen
Wenn der Anleger die Verrentung des Geldes wünscht, ist die Rürup-Rente eine solide Investition. Die Ergebnisse vergleichbarer Anlagen sind bescheiden. So ist es zum Beispiel denkbar, das Kapital in eine private Rentenversicherung einzuzahlen. Der Nachteil ist die fehlende Abzugsfähigkeit der Prämien, der Vorteil ist die Tatsache, daß die Renten mit einem Ertragsanteil von nur 18 Prozent belastet werden. Trotzdem beträgt die jährliche Rendite nur 3,50 Prozent nach Steuern. Das ist im Vergleich zur Rürup-Rente eine Einbuße von 14.000 Euro, und für den Verzicht gibt es keine Gründe. Die beiden Verträge sind klassische Spar- und Rentenverträge, hier wie dort kommt der Anleger an das Kapital nur in Form der Rente heran, und die Renditen stehen und fallen mit der Dauer der Rückflüsse.
Noch schlimmer sieht das Ergebnis bei der selbstgestrickten Verrentung an. Wer sich zum Beispiel entschließt, die 100.000 Euro fünf Jahre in einen Sparbrief mit Zinsansammlung und danach in einen Rentenfonds mit Verzehr von Zins und Kapital zu legen, kommt bei einem jährlichen Guthabenzins von 4 Prozent auf eine Rendite von 2,56 Prozent nach Steuern. Die Besteuerung der Zinsen ist ein Keulenschlag, der den Anleger mit voller Wucht trifft. Zuerst erhöhen die Zinsen das steuerpflichtige Arbeitseinkommen, danach steigern sie die Renteneinkünfte. Die Abgaben der Anlage sind so hoch, daß im Vergleich zur Rürup-Rente ein Nachteil von 25.000 Euro entsteht. Der Schaden gegenüber der Rentenversicherung beträgt 12.000 Euro.
Unter dem Aspekt der Verrentung ist die Basisrente zur Zeit kaum zu schlagen. Das gilt in besonderem Maße für Anleger, die in den nächsten Jahren große Beträge einzahlen, hohe Steuervorteile kassieren und im Ruhestand auf moderate Steuersätze fallen. Je länger die Sparphase dauert, je niedriger die Besteuerung der Arbeitseinkommen ist, je weiter die Verrentung des Kapitals in der Zukunft liegt, desto stärker sinkt die Rentabilität der Verträge. Wer jedoch in den letzten Berufsjahren noch etwas für seine Altersversorgung anpacken will, sollte so bald wie möglich zupacken.
Spitzenrentner
Wolfgang Mücke (wmuecke)
- 20.12.2006, 16:56 Uhr
Kann man auch anders sehen
Alexander Dillenburg (Dillenburg1)
- 20.12.2006, 21:19 Uhr
Spitzenrentner?
Wolfgang Pflug (Wolug)
- 21.12.2006, 02:47 Uhr
Krank !!!
Andreas M. Wirth (mightyson)
- 21.12.2006, 10:34 Uhr
Leider falsch für die "normalen" Rentner
Matthias Fischer (Thies4)
- 21.12.2006, 14:14 Uhr