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Die Vermögensfrage Angst und Gier sorgen im Ruhestand für große Unruhe

Senioren sollten bei der finanziellen Gestaltung des Ruhestandes einfache und preiswerte Anlagen bevorzugen. Wer zu sehr auf die Rendite schielt, lädt Finanzberater dazu ein, ihm ungeeignete Anlageprodukte anzudrehen.

© Kai „Das ist doch schon wieder dieser Typ von der Bank...“

Gut betuchte Senioren zwischen 70 und 80 Jahren sind für viele Banken ideale Kunden. Sie haben Geld, sie sind treu, und sie stellen kaum Fragen. Würden bei der Geldanlage im Alter schlichte Dinge wie Kosten, Risiken und Verfügbarkeit hinterfragt, würden viele Abschlüsse mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zustande kommen. Senioren fehlt aber in zahlreichen Fällen der Mut, ihr Unwissen zu bekennen, so dass beim Umgang mit Geld regelmäßig Pannen, Pech und Pleiten wie zum Beispiel im folgenden Fall drohen.

Ein vermögendes Ehepaar, beide Partner sind jeweils Mitte 70, schiebt seit Jahren einen Betrag von 120000 Euro vor sich her. Mal ist das Geld in Bundesanleihen, mal ist es in Sparbriefe gesteckt worden. Nun müssen die Anlagen erneuert werden, weil die alten Papiere fällig geworden sind. Das ist kein Hexenwerk, doch die Anleger empfinden ihre Lage ganz anders. Die beiden Senioren wissen nicht, was sie mit dem Geld machen sollen. Die Zinsen für neue Wertpapiere sind im Keller. Und der alte Betreuer ist im Ruhestand.

Die Gier kennt keine Altersgrenze, was die Bank zum Verkauf einlädt

Nun sitzt ein junger Mann auf dessen Stuhl. Er gibt sich redlich Mühe, mit den Herrschaften ins Gespräch zu kommen, aber irgendwie will der Funke nicht überspringen. Der Bankkaufmann erklärt dem Ehepaar, dass es zurzeit für Anleihen nur noch 2 Prozent pro Jahr gebe. Das wissen die Anleger selbst, dafür sind keine gedrechselten Erklärungen nötig. Fatal ist lediglich, dass die Gier keine Altersgrenze kennt. Statt sich mit den Gegebenheiten abzufinden, fordert das Ehepaar mit Nachdruck alternative Anlagen mit höheren Erträgen.

Die Hartnäckigkeit ist für den Berater die Einladung, drei Produkte vorzuschlagen, die auf den ersten Blick nicht schlecht aussehen. 20000 Euro sollen in einen Bausparvertrag fließen, 50000 Euro sollen in einen Immobilienfonds gehen, und 70000 Euro sollen in einen Aktienfonds investiert werden. Das sei die ideale Mischung, erklärt der Verkäufer, weil auf diese Weise alle Bedürfnisse der Senioren abdeckt werden würden: Sicherheit, Ertrag, Rendite. Das Interesse an den Verträgen ist auf beiden Seiten groß, und wer die Gründe erfahren will, braucht nur hinter die Kulissen zu schauen.

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Jede Partei ist auf ihre Weise gierig. Nur wird die Bank das bessere Geschäft machen. Sie erhält für die Vermittlung des Bausparvertrages einmalig 1 Prozent, für den Immobilienfonds gibt es sogar 6 Prozent, und bei dem Aktienfonds erhält die Bank neben dem Ausgabeaufschlag von 5 Prozent eine jährliche „Vertriebsfolgeprovision“ von 1 Prozent. Folglich kommen, wenn die Aktien fünf Jahre gehalten werden, insgesamt 10400 Euro oder 8,7 Prozent des Anlagekapitals zusammen.

Darüber machen sich die Senioren freilich keine Gedanken, weil sie nicht einmal im Traum auf die Idee kämen, vor dem Eintritt in den Club der Anleger einmalig 520 Zwanzig-Euro-Scheine auf den Tisch blättern zu müssen. Stattdessen folgen sie „erwartungsvoll“ den Ausführungen des jungen Mannes, der den Anlegern mit salbungsvollen Worten die Vorzüge seines Konzeptes erläutert. Der Bausparvertrag sei die Krankenversicherung für das Eigenheim, der Immobilienfonds überzeuge durch jährliche Ausschüttungen von 5 Prozent, und der Aktienfonds sei mit einer „Zielrendite“ von 6 Prozent die beste Waffe im Kampf gegen die Inflation.

Der Bausparvertrag ist überflüssig, der Immobilienfonds ein Gefängnis

Der Vorschlag ist für Beobachter mit gesundem Menschenverstand ein Rohrkrepierer. Der Bausparvertrag ist überflüssig wie ein Kropf. Der Immobilienfonds, eine geschlossene Beteiligung, ist ein Gefängnis, aus dem die Anleger zu Lebzeiten mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr herauskommen werden, und der Aktienfonds ist einfach viel zu teuer. Daher kann von „altersgerechter“ Geldanlage beim besten Willen keine Rede sein.

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