18.08.2007 · Die erste Aufregung über die künftige Abgeltungssteuer scheint vorbei zu sein, der 1. Januar 2009 liegt für viele Anleger in weiter Ferne. Doch die neue Steuer macht zusammen mit Gebühren und Inflation die Rendite zunichte.
Von Volker LoomanRichtlinien für Lesermeinungen
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Der deutsche Staat ist faktisch bankrott
Durch die niedrige Arbeitsmarktpartizipation, hohe Defizite der Renten-, Pflege- und Krankenkassen und vor allem die dramatische demographische Entwicklung geht der deutsche Staat faktisch auf dem Bankrott zu. Daher braucht man sich über Massnahmen wie die Abgeltungssteuer nicht zu wundern. Ich befürchte, dass dies erst der Anfang ist. Der Rückgang der aktiven Bevölkerung macht sich jetzt immer stärker bemerkbar, und die Politiker immer ratloser. Vorläufig werden die Probleme noch einigermassen vom zyklischen Aufschwung überdeckt, aber sobald der vorbei ist ....
hat unseren Herrn Finanzminister Steinbrück von seinem Berserker-Ritt abgehalten.
Der sog. "Haushaltsausgleich",dessen angebliches Ziel ja die ständigen Steuererhöhungen der letzten 8 Jahre sei,ist eine reine fata morgana.
Ein solches Ziel kann de facto nur annähernd erreicht werden.
Sobald die Wirtschaft wieder deutlich schlechter läuft
(ein simples Gesetz der Marktwirtschaft,das ganz sicher eintreten wird),dann werden die jetzt sprudelnden Steuereinnahmen ausbleiben,sich die Arbeitslosigkeit und die Inanspruchnahme der Sozialkassen wieder erhöhen UND die geburtenstarken Jahrgänge werden die Rentenkasse in Anspruch nehmen.
Und dann wird von diesem nie zu erreichenden Ziel nicht einmal mehr eine Staubspur übrigbleiben.
Viel intelligenter wäre es gewesen,in einer großen Koalition (eine nicht so schnell wiederkehrende Chance)die Systeme ENDLICH zu reformieren (!) -auch das Steuersystem- und den Menschen Geld zu lassen,damit diese es anlegen können.
Auch wenn unser mittlerweise sozialistische Staat es anders propagiert:
Er möchte gar keine Anlage in die (grundkapitalistische) Form "Aktie" .
Denn da fehlt dem Sozialisten rundweg die staatliche Oberaufsicht !
Kurzsichtige Politik, enttäuschtes Vertrauen
Ich kann den bisher geschriebenen Beiträgen nur inhaltlich zustimmen. Ab Ende der 90er Jahre wurde zunehmend propagiert, dass die gesetzliche Rente nur noch als Basis der Altersvorsorge dienen wird, sie aber keinesfalls ausreichen wird, um einen gewohnten Lebenstil finanzieren zu können. Also wurde die Botschaft von einem Bruchteil der Bevölkerung verstanden, diese sicherten sich entsprechend ab. Des deutschen liebstes Kind ist die Versicherungslösung. Also rein in Rentenversicherungen, damals mit noch attraktivem Garantiezins. Was passiert? Garantiezinsen wurden wegen der Börsenfehlspekulationen der Versicherungsgesellschaften um das Jahr 2000 herum gesenkt, bald darauf wurde die Steuerfreiheit abgeschafft. Hhm. Was nun, Altersvorsorgesparer? Ok, bleibt noch der Kapitalmarkt, also Aktien und vor allem Aktienfonds und entsprechende Sparpläne dazu. Also gerade für meine Generation der Anfang 30jährigen, die nach dem Studium gerade noch soviel Geld verdienen, um neben der Familie bescheidene Beiträge zur Altersversorge ableisten zu können, eine sehr attraktive Chance. Wir sorgen vor, um dem Staate nicht zur Last zu fallen.
Was passiert wieder?
Abgeltungssteuer. Also doch Hartz IV im Alter. Sozialkassen, wir kommen!
Abgeltungssteuer bei Indexfonds/ETFs
Dem Wunsch des Lesers Jens Harke nach einem Artikel über die zukünftige Versteuerung bei Indexfonds möchte ich mich anschließen.
Es gibt viele Artikel über die günstige Kostenstruktur bei Indexfonds und ebenso viele Artikel über die Abgeltungssteuer, aber leider habe ich noch keinen Artikel gefunden, der die Details der Besteuerung von Indexfonds erläutert. Auf diese Details kommt es aber gerade beim Zinseszinseffekt an, der sensibel auf den Bruchteil des Prozents reagiert.
1.) Falls, wie Herr Harke gehört hat, bei thesaurierenden Fonds der fiktive Gewinn schon auf Fondsebene versteuert wird, wie kann dann der Emittent des Fonds unterscheiden, welcher Anteil vor und welcher nach dem 1.1.2009 gekauft wurde?
2.) Wird, wie der Leser Claus Gerhardt schreibt, wirklich erst bei der Veräußerung der Fondsanteile die Abgeltungssteuer berechnet?
3.) Gerade für Kunden von Direktbanken stellt sich die Frage, wie nach zehn bis 20 Jahren dem Fiskus nachgewiesen werden kann, daß die Anlagen vor dem 1.1.2009 gekauft worden sind, wenn man Kaufbestätigungen zumeist nur noch in elektronischer Form bekommt.
Über einen Artikel, der auch solche Detailfragen berücksichtigt, würde ich mich sehr freuen!
Abgeltungssteuer erfasst insbesondere.....
.....die Veräußerungsgewinne, die nun mal bei einer pers. Steuerquote von z.B. 45 v.H. Gutbetuchte und Großanleger
künftigt besser stellt und zwar mit einer Abgeltungssteuer von eben nur noch 25 v.H.
Der Kleinanleger und Vorsorgesparer mit einem pers. Steuersatz von z.B. 17 v.H. ist gezwungen, seine zuviel gezahlte Steuer per Erklärung zurück zu holen, wenn er nicht zuviel abführen will.
Insgesamt fördert die Neuregelung eine Aktienkultur für den Normalanleger nicht und die unbeschränkte Besteuerung von Veräußerungsgewinnen wird ebenso die Aktien einschl. Fonds weniger attraktiv machen, d.h. geringerer Aktienerwerb wird den AG weniger Geld für Investitionen bereitstellen.
Wie bereits in anderen Beiträgen dargelegt, ist ein höheres Steueraufkommen i.d.S. durchaus zweifelhaft.
Gerne hätte ich an dieser Stelle mal erfahren, wie künftig unterschiedlich ETFs besteuert werden hinsichtlich Herkunft des Fonds und Herkunft der Aktien. Konkret:
Wird ein Fond von Indexchange auf den EuroStoxx50 mit ISIN DE... anders besteuert als einer von Lyxor mit ISIN FR...
Ist es steuerlich günstiger in einen ausschüttenden ETF, z.B. aus der DJ Familie oder in einen thesaurierenden wie z.B. MSCI World oder DAX zuinvestieren. Bei thesaurierenden Fonds hatte ich gehört, dass sowohl auf Fondsebene als auch beim Anleger der fiktive Gewinn versteuert werden. Wie ist hier der Unterschied zwischen der Herkunft des Fonds (DE, FR, ...)
Dividendenstrategie und Quellsteuer: wie werden ausländische Dvidendenerträge in ETFs künftig behandelt, z.B. im DJ Stoxx Selected Dividend. Spielt die Fondherkunft hier eine Rolle?
Das wäre doch mal ein Thema für die nächste Vermögensfrage. Bisher habe ich noch nirgends konkrete Infos hierzu gefunden.
Es würde mich nicht wundern, wenn zukünftig weniger Steuern für den Fiskus dabei herauskommen.
Möglicherweise erleidet der deutsche Kapitalmarkt einen gehörigen Schrumpfungsprozess.
Im übrigen brauchen Betuchte gar nicht wirklich in ein Steuerparadies zu wechseln. Der Trend zur rein fiskalpolitisch begründeten Steuererhebung schafft und hat soviele steuerrechtliche Widersprüche geschaffen, dass ab einer gewissen Größenordnung mit guter Beratung der Fiskus sowieso leer ausgeht und an verfassungrechtliche Grenzen stossen würde, wenn er versuchen würde die Lücken zu schließen.
Der Dumme ist, vermutlich sogar billigend in Kauf genommen, die Mittelschicht sowie zeitversetzt alle die sich noch darunter bewegen.
Schlechte Gesetze und Inkompetenz können Unrecht zwar legalisieren, legitimieren könne sie es aber nicht.
Werden wir doch Alle Stützeempfänger.
Dann werden wir in 10 Jahren zur Mehrheit dazugehören und die Politik bestimmen können.
Und die Einwanderer werden unsere Transferzahlungen erwirtschaften.
Utopia is going to be reality
Keine Besserung für Anleger, aber Mehrertrag für den Fiskus
Mit der "Abgeltungssteuer" stellt sich nur der Anleger besser, der bei hohem Steuersatz nur Zinsen bezieht. Alle anderen stellen sich teils erheblich schlechter. Ein Besserverdienender mit 45% Steuersatz versteuert aktuell seine Dividenden mit 22,5%. Ausländische Quellensteuer kann er de facto komplett anrechnen lassen (in Zukunft Deckelung der Anrechnung auf 15%) und kann seine Werbungskosten (bei Aktien zur Hälfte) abziehen. In Zukunft versteuert er Dividenden zu 25% (plus anteilige ausländische Quellensteuer, z.B. für frz. Dividenden +10%), der Werbungskostenabzug fällt praktisch weg. Dazu kommt die Vollversteuerung der Kursgewinne bei minimalem Freibetrag, die es in keinem dem umliegenden Länder so gibt.
Der Kleinsparer hingegen hat schon bisher keine 25% gezahlt, der wird wie bisher (bei natürlich auch gekappten Freibeträgen!) seine Steuererklärung machen und einen Teil der bereits vorab abgezogenen Steuer zurückbekommen.
Den großen Gerechtigkeitsgewinn und die Vereinfachung sehe ich nicht, aber den steuerlichen Mehrertrag für den Fiskus. Vermutlich war der ja auch das primäre Motiv.
Die Abgeltungssteuer wird auch bei Zinsen greifen, somit ist die Börse dann doch besser?
Die Abgeltungssteuer ist......
......prinzipiell der richtige Weg, an der Quelle fällige Steuern zu erheben und zwar zu einem einheitlichen Satz.
Der Sparerfreibetrag is dabei jedoch mit rd. 750 € schnell erschöpft.
Dann wird der Kleinsparer, der einen Notgroschen oder unverzichtbare Rücklagen bilden will bzw. muss, gnadenlos vom Staat geschröpft.
Welch ein unsoziales Verhalten des Staates, so in die Tasche des kleinen Mannes zu greifen.
Hier muss dringend nachgebessert werden, z.B. in der Weise, dass Aktiensparpläne o.ä. bei Vorsorge fürs Alter
bei langer Haltedauer freigestellt werden.
Dass Aktienspekulanten und Gutbetuchte bei der geplanten Besteuerung künftig Vorteile genießen, ist bezeichnend für das "durchdachte" neue Verfahren.
absolut 1000000% meine Meinung :).
Zustimmung dem vorigen Schreiber
Tja, ich sehe das in etwa genauso. Wer für die Zukunft plant, wird zukünftig bestraft! Wozu dann noch sparen, wenn die post-kommunistischen Parteien dir das Interesse an Eigenständigkeit und Mündigkeit nehmen. Eigentum bedeutet Freiheit, und das ist der erste Feind der Sozialistischen Einheitsmacher.
Andere Länder sind da nicht so streng: In Großbritannien beispielsweise hat man die Möglichlichkeit, steuermindernd mehrere Tausend Pfund jährlich anzulegen. Selbst in Frankreich gibt es Freibeträge bei der Altersvorsorge...
sind denn hier zu lande (zu Wasser und zu Luft auch?) alle ideologisch so verblendet, oder was?
Seit Jahren predigen unsere superklugen Politiker den Bürgern, mehr private Vorsorge für die Rente zu leisten. Mittlerweile dürften wohl die meisten Bürger begriffen haben, daß die demographische Entwicklung zu einem dramatischen Absinken des Rentenniveaus führen wird. Wie aber vorsorgen? Überall hält der Staat die Hand auf: der Sparerfreibetrag wurde in mehreren Stufen auf einen lächerlichen Betrag abgeschmolzen. Geldanlagen, die jährlich Zinsen abwerfen, lohnen sich nicht mehr. Die Erträge aus Kapitallebensversicherungen müssen nun versteuert werden –auch keine attraktive Anlage mehr! Jetzt hat es auch noch die Geldanlage in Aktien „erwischt“: hier wird ab 2009 munter abkassiert. Alle diese Maßnahmen werden in erster Linie die Mittelschicht treffen. Die Beträge, die der Staat dabei zusätzlich einnimmt, sind allerdings eher bescheiden. Die wirklich Reichen dürften ihre Millionen schon längst in Steuerparadiese transferiert haben- da ist nichts zu holen! Die sozial schwachen Mitbürger dürfen sich über steigenden Transferleistungen (Hartz IV) freuen – und die Mittelschicht wird ausgepreßt. Am besten gar nichts mehr sparen, „alles auf den Kopf hauen“ und geniessen, so lange es die Einkünfte irgendwie zulassen!