Home
http://www.faz.net/-hbv-77ozo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Altersvorsorge Selbst ist die Frau

Frauen sollten sich bei der Altersvorsorge nicht unbedingt auf ihre Männer verlassen. Einfachheit und Preisvorteile sind die wichtigsten Punkte bei der Gestaltung des finanziellen Ruhestandes.

© Kai Vergrößern Weibliche Altersvorsorge

Geld im Alter kann ein Segen sein. Oft ist es aber auch eine Last. Wenn auf den Konten hohe Guthaben liegen, die zur Finanzierung des Ruhestandes nötig sind, haben zahlreiche Menschen mit der Strukturierung ihres Vermögens gewaltige Probleme. Das beginnt bei dem Druck, das Geld „anständig“ anzulegen, und hört bei der Frage auf, in welche Produkte es gesteckt werden soll. Hier stehen Frauen und Männer im Grunde vor denselben Schwierigkeiten, doch das Verhalten ist unterschiedlich.

Männer stehen auf dem Standpunkt, beim Geld alles im Griff zu haben, doch das ist ein Märchen. Da sind Frauen in der Regel ehrlicher. In vertrauter Runde und bei Likör geben sie ohne Umschweife zu, dass ihnen der Umgang mit Geld im Alter doch Sorgen bereitet. Da ist es kein Wunder, dass die Banken auch in Zukunft die großen Gewinner bleiben werden. Ihnen bläst zwar seit der Finanzkrise heftiger Wind ins Gesicht, aber wenn es um Geld geht, können sie darauf bauen, dass Frauen weiter zu ihnen kommen werden. Das ist aber mit Gefahren für Leib und Seele verbunden. Vorteilhafter ist, sich bei der Gestaltung der finanziellen Ruhestandes nicht auf Männer zu verlassen.

Eine ledige Ärztin, 66 Jahre jung, hat Ende des letzten Jahres ihre Praxis verkauft. Es sind Kapitalversicherungen fällig geworden, und das Versorgungswerk hat die Bezüge auf Betreiben der Ärztin auf einen Schlag ausbezahlt. Nun liegen seit einigen Wochen rund 950.000 Euro auf den Konten und harren der Verwendung. Das mag auf den ersten Blick viel Geld sein, doch beim zweiten Blick trübt sich der Ruhestand ein. Die Ärztin ist gesund und munter. Sie baut darauf, mindestens 90 Jahre alt zu werden. Trotz ihrer Lebensfreude ist die Dame auf Sicherheit bedacht und will mit der knappen Million kein Risiko eingehen. Außerdem rechnet sie in den nächsten Jahren mit einer Inflation von mindestens 2 Prozent pro Jahr.

Das sind in jeder Hinsicht „unerfreuliche“ Vorgaben. Wer auf Sicherheit setzt, kann zurzeit nach Steuern mit einem Anlagezins von bestenfalls 2 Prozent rechnen. Wird eine Geldentwertung in ähnlicher Höhe erwartet, strebt die Verzinsung gegen null. Letztlich brauchen die 950.000 Euro nur durch die „Restlaufzeit“ der Medizinerin geteilt werden. Bei 24 Jahren kommen 3299 Euro pro Monat heraus, so dass die erste Aufgabe gelöst zu sein scheint. Davon ist die Ärztin aber ein ganzes Stück entfernt, weil sie davon träumt, jeden Monat wenigstens 4000 Euro ausgeben zu können.

Viele Gespräche enden mit faulen Kompromissen

Der Wunsch ist aber nicht erfüllbar, und das ist der wunde Punkt vieler Beratungen. Die Anleger haben Träume, und die Verkäufer nur selten den Mut zu dem Hinweis, dass nicht passend gemacht werden kann, was eben nicht geht. Daher enden viele Gespräche mit faulen Kompromissen. Hier eine Beteiligung, da ein Investmentfonds, dort eine Rentenversicherung. Bei einem Anlagebetrag von 950.000 Euro muss jeder Verkäufer unruhig werden, weil Provisionen von 4 bis 5 Prozent beziehungsweise 38.000 bis 47.500 Euro winken.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Die Vermögensfrage Die gesetzliche Rentenversicherung - besser als ihr Ruf

Freiberufler und Beamte können freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Eine Leibrente rechnet sich aber nur, wenn nicht mehr alle Kerzen auf der Geburtstagstorte Platz finden. Dafür kann man auch im hohen Alter noch beruhigt schlafen. Mehr Von Barbara Brandstetter

22.03.2015, 09:38 Uhr | Finanzen
Deutschland lernt sparen 2013 Das individuelle Depot optimal gestalten

Wie soll das Depot aussehen? Soll mehr Geld in sichere Anlagen wie Tagesgeld oder in Aktienfonds gesteckt werden? Das hängt von den Lebensumständen des Anlegers ab. Mehr

21.11.2014, 12:44 Uhr | Finanzen
Aktienfonds für den Nachwuchs Besser sparen für die Zukunft der Kinder

Ob für Führerschein, Ausbildung oder erste Wohnung: Je früher und mutiger Verwandte Geld für den Nachwuchs anlegen, desto höhere Beträge kommen zusammen. Warum also kein Aktienfonds? Mehr Von Thomas Klemm

24.03.2015, 10:35 Uhr | Finanzen
Energiewende Wieviel kostet sie wirklich?

Um den Strom aus den neuen Offshore-Windparks von Nord nach Süd zu transportieren, sind gewaltige Investitionen nötig – bis zu 4500 Kilometer Stromnetze müssen gebaut werden, geschätzte Kosten: rund 28 Milliarden Euro. Mehr

05.03.2015, 10:03 Uhr | Wirtschaft
Energiespeicher Ein schlaues Sparschwein für den Sonnenstrom

Das Unternehmen Caterva aus Pullach hat ein System von Energiespeichern entwickelt, die an private Betreiber von Photovoltaikanlagen vermietet werden. Ganz billig ist das allerdings nicht. Mehr Von Lukas Weber

21.03.2015, 14:55 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.03.2013, 10:27 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Wertpapiersuche