http://www.faz.net/-gv6-6ze0a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.04.2012, 16:44 Uhr

Urteil zu Onlinebanking Kunden haften selbst für leichtfertige Fehler

Bankkunden müssen selbst für die Kosten aufkommen, wenn sie leichtfertig mit ihren Transaktionsnummern für das Onlinebanking umgehen und Betrüger dann ihr Konto plündern. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden.

von , Berlin
© dapd Wer seine Tans als Onlinebank-Kunde nicht schützt, muss für den Schaden im Zweifelsfall selbst aufkommen.

Wer beim Onlinebanking auf eine gefälschte Internetseite hereinfällt, muss den Schaden meist selber tragen. Das hat der Bundesgerichtshof am Montag klargestellt. Seinen Prozess verloren hat damit ein Rentner, von dessen Konto Betrüger offenbar 5000 Euro abgebucht hatten. Er hatte zuvor für eine andere Überweisung am Heimcomputer seine persönliche Geheimzahl (PIN) sowie zehn Transaktionsnummern von einer Liste (iTANs) eingetippt. Den Empfänger bei einem griechischen Geldinstitut konnte die Polizei nicht ermitteln. Der Rentner war nach seiner eigenen Darstellung Opfer eines „Pharming-Angriffs“ geworden. Dabei werden Nutzer durch ein Schadprogramm auf eine täuschend echt aussehende Homepage umgeleitet, die von Kriminellen eingerichtet wurde.

Mehr zum Thema

Joachim Jahn Folgen:

Der Karlsruher Bankensenat bewertete dieses Verhalten als fahrlässig. Schon damals habe die Bank bei jedem Log-In-Vorgang ausdrücklich davor gewarnt, auf Anforderung mehr als eine iTAN auf einmal einzugeben. Damit habe der Kunde seine Vertragspflichten verletzt, weil er die erforderliche Sorgfalt außer acht gelassen habe (Az.: XI ZR 96/11).

Bank trifft keine Schuld

Das Kreditinstitut traf nach Ansicht der obersten Zivilrichter keine Mitschuld. Es habe zwar die Pflicht, ein möglichst wenig missbrauchsanfälliges System bereitzustellen. Doch damals habe das iTAN-Verfahren dem Stand der Technik entsprochen. Auch müsse eine Bank einen Kunden nicht davor schützen, dass durch eine Transaktion sein Konto und sein Kreditrahmen überschritten werden.

Die Richter ließen offen, ob sie das Verhalten nur als „leicht fahrlässig“ bewerten. Seit einer Gesetzesänderung, die am 1. Oktober in Kraft trat, haften Bankkunden nur dann für einen Betrag von mehr als 150 Euro, wenn sie „vorsätzlich oder grob fahrlässig“ gegen ihre Sorgfaltspflichten verstoßen (Paragraph 675v des Bürgerlichen Gesetzbuchs).

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fintech Die Deutsche Bank wird zum Marktplatz

Im Wettbewerb mit der digitalen Konkurrenz holt die Deutsche Bank zum Gegenangriff aus. Mit neuer App, Robo-Beratern und ungewöhnlichen Kooperationen versucht sie sich selbst als Fintech. Mehr Von Tim Kanning

20.04.2016, 08:37 Uhr | Finanzen
Video Trübe Aussichten für die Commerzbank

Für das laufende Jahr hat die Commerzbank ein großes Fragezeichen hinter den erhofften Milliardengewinn gesetzt. Auf seiner letzten Hauptversammlung übte der scheidende Vorstand Martin Blessing abermals Kritik an der Geldpolitik der EZB. Mehr

21.04.2016, 09:04 Uhr | Finanzen
Kontogebühren Postbank-Kunden könnten bald fürs Girokonto zahlen müssen

Die Zinspolitik der EZB setzt vielen Banken zu. Deshalb überlegen nun immer mehr Institute, an Kontogebühren zu feilen. Damit ist nun die Postbank an der Reihe. Schon gibt es Forderungen der Politik, Sparer anderweitig zu entlasten. Mehr

17.04.2016, 10:41 Uhr | Finanzen
Autofinanzierung Autokredite zu null Prozent sind gang und gäbe

Auch für Fahrzeuge gibt es inzwischen Leasingverträge mit negativen Zinsen. Das freut nicht nur die Kunden: Autobanken erzielen einen Rekord im Neugeschäft. Mehr Von Christian Siedenbiedel

20.04.2016, 12:24 Uhr | Finanzen
Geldanlage Sparen ganz ohne Zinseszins

Die Zinsen sind überall niedrig. Manche Banken zahlen sogar überhaupt keinen Zinseszins mehr. Ist das schlimm? Mehr Von Christian Siedenbiedel

23.04.2016, 08:41 Uhr | Finanzen
Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Wertpapiersuche