http://www.faz.net/-gv6-774df
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 21.02.2013, 22:51 Uhr

Urteil des BHF Anleger können Optionsprämien absetzen

Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs muss der Fiskus auch bei wertlos gewordenen Termingeschäften Prämien als Verlust anerkennen. Das sei ein „Gebot der Gleichbehandlung des Gleichartigen“.

von
© dpa Das Wappen des Bundesfinanzhofs in München

Privatanleger könnten von einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofs profitieren. Danach können die Ausgaben für Optionen auf den Kauf oder Verkauf von Aktien und anderen Finanzprodukten beim Finanzamt abgesetzt werden - selbst dann, wenn der Inhaber sie wegen einer gegenläufigen Entwicklung des Marktes verfallen lässt. Denn dann ist beispielsweise der Kauf von Wertpapieren an der Börse billiger als zu dem vorher vereinbarten „Basispreis“ des „Stillhalters“.

Joachim Jahn Folgen:

Der Richterspruch betrifft zwar unmittelbar nur die Rechtslage bis zum Jahr 2009: Seither werden Werbungskosten für Kapitaleinkünfte im Zuge der Abgeltungssteuer durch einen Pauschalbetrag abgegolten. Steuerrechtler halten es aber für denkbar, dass sich die Argumentation auch auf die neue Rechtslage übertragen lässt. Die obersten Finanzrichter verwarfen mit dem Urteil nachträglich die frühere Linie des Bundesfinanzministeriums, das eine Absetzbarkeit schon immer für ausgeschlossen hielt.

„Das Gesetz verlangt kein wirtschaftlich sinnloses Verhalten“

Das Gericht pocht dabei auf eine Vorschrift im Einkommensteuergesetz über Termingeschäfte. Bei solchen privaten Veräußerungsgeschäften dürfen Werbungskosten vom Gewinn abgezogen werden. Dem liege die Absicht zugrunde, alle Optionen gleich zu behandeln, schreiben die Richter und erklären anschaulich an Beispielrechnungen, wie mit Put- und Call-Optionen Gewinne und Verluste entstehen (Az.: IX R 50/09).

Der Kerngedanke: Falls jemand eine wertlos gewordene Option dennoch ausübt (und dadurch noch mehr Geld verliert), könnte er diese „negative Differenz“ beim Finanzamt geltend machen. Dann müsse dies auch für den geringeren Verlust gelten, der entsteht, wenn der Besitzer die Option einfach verfallen lässt. Das sei ein „Gebot der Gleichbehandlung des Gleichartigen“. Die Richter betonen: „Das Gesetz verlangt vom Steuerpflichtigen kein wirtschaftlich sinnloses Verhalten.“

Mehr zum Thema

Nach Ansicht der Steuerberaterin Martina Ortmann-Babel von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young spricht einiges dafür, sich gegenüber dem Finanzamt auch unter der neuen Rechtslage auf den Richterspruch zu berufen. Denn nach Paragraph20 Absatz4 Satz5 des Einkommensteuergesetzes können bei Termingeschäften weiterhin Aufwendungen geltend gemacht werden, die im „unmittelbaren sachlichen Zusammenhang“ damit stehen. „Das könnte das Einfallstor sein, um sich das Urteil zunutze zu machen“, sagte Ortmann-Babel.

Der Frankfurter Finanzanalyst Ralf Kugelstadt hat mit dieser Begründung bereits Widerspruch gegen seinen eigenen Steuerbescheid beim Finanzamt eingelegt. Auch hat er beim Bundestag eine Petition eingereicht, denn die unterschiedliche Besteuerung der Optionsprämien hält er für einen „systematischen Diebstahl des Staates am Bürger“. Kugelstadt ärgert sich darüber, dass das Bundesfinanzministerium das Urteil noch nicht amtlich veröffentlicht hat.

Finanzbeamte dürfen es daher in anderen Fällen nicht anwenden. Außerdem fürchtet er, dass Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) wieder mit einem der umstrittenen Nichtanwendungserlasse reagiert. Nach seinen Informationen wollen sich Ende des Monats die zuständigen Referenten mit der Frage befassen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue EU-Richtlinie Ältere Kunden kommen schwerer an Baukredite

In Zeiten der Niedrigzinsen bietet es sich an, in die eigenen vier Wände zu investieren. Ein neues Gesetz macht aber vielen älteren Kunden und jungen Familien einen Strich durch die Rechnung. Mehr Von Tim Kanning und Daniel Mohr

21.07.2016, 15:41 Uhr | Finanzen
Nach dem Brexit Finanzplatz Frankfurt wittert die große Chance

Noch 2015 war die City of London laut des Statistischen Bundesamts der bedeutendste Finanzplatz der Welt. Vor New York, Hongkong, Singapur. Das deutsche Finanzzentrum Frankfurt dagegen liegt auf Platz 14. Zweitklassig, ein bisschen provinziell wirkt Frankfurt am Main gegenüber den gigantischen Finanzmetropolen der Welt. Doch mit dem Brexit könnte sich das ändern. Mehr

06.07.2016, 17:07 Uhr | Finanzen
Die Vermögensfrage Zankapfel Zusatzversorgung

Nach einem Gerichtsurteil können Beschäftigte im öffentlichen Dienst auf eine höhere Zusatzrente hoffen. Aber wann kommt sie und in welcher Höhe? Mehr Von Barbara Brandstetter

24.07.2016, 11:52 Uhr | Finanzen
Bestellerprinzip hat Bestand Makler dürfen Provision nicht auf Wohnungssuchende abwälzen

Wer bestellt, der zahlt: Für Mieter ist das seit 2015 geltende Bestellerprinzip bei Maklerprovisionen eine große Entlastung. Makler hingegen fürchten um ihr Geschäft. Das Bundesverfassungsgericht hat nun geurteilt. Mehr

21.07.2016, 13:12 Uhr | Finanzen
BGH-Urteil Sparkassen gewinnen Streit ums Banken-Rot

Das Rot ist in Deutschland für die Sparkassen reserviert. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Eine ausländische Bank muss sich nun eine neue Farbe aussuchen. Mehr

21.07.2016, 10:04 Uhr | Finanzen
Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Gold -- --