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Unzulässige Klauseln bei Lebensversicherungen Wie Kunden nach jüngsten Urteilen an ihr Geld kommen

 ·  Lebensversicherer haben in den vergangenen Jahren gekündigte oder beitragsfrei gestellte Policen falsch berechnet. Millionen Versicherte können nun mit Rückzahlungen rechnen. Was Sie tun müssen, um an Ihr Geld zu kommen.

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Signal Iduna, Ergo, Generali, Deutscher Ring - eine ganze Reihe von Lebensversicherern hatte in der Vergangenheit unzulässige Klauseln in ihren Verträgen und wurde dafür erfolgreich von der Hamburger Verbraucherzentrale (VZHH) verklagt. Betroffenen Kunden stehen nun Rückzahlungen zu.

Mit der Allianz akzeptierte am Dienstag der Branchenführer ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart. Teils müssen Kunden selbst aktiv werden, um an das Geld zu kommen - in vielen Fällen aber nicht.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind Kunden oder ehemalige Kunden der Lebensversicherer, die in den vergangenen Jahren ihre Versicherungsverträge gekündigt oder beitragsfrei gestellt haben. Einen Vertrag beitragsfrei zu stellen heißt, dass kein Geld mehr eingezahlt wird und dieser damit auf Eis liegt.

Allein bei der Allianz können um die 900.000 Kunden mit Rückzahlungen rechnen. Die VZHH geht davon aus, dass Millionen Versicherte Anspruch auf Erstattungen haben.

Um was geht es?

In den Klagen der VZHH ging es um Bestimmungen in Verträgen zu Lebens- und Rentenversicherungen, die zwischen 2001 und Ende 2006 abgeschlossen wurden. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied 2012 den Großteil der Verfahren gegen die Versicherer. In seinen Entscheidungen kam der BGH zum Schluss, dass die Bestimmungen der Versicherer zu Beitragsfreistellungen, Kündigungsgebühren und Rückkaufswerten in Versicherungsverträgen undurchsichtig und damit unwirksam waren.

Am Dienstag beugte sich auch die Allianz einem entsprechenden Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart und zog eine Beschwerde beim BGH zurück.

Was müssen betroffene Versicherungskunden tun?

In vielen Fällen müssen Versicherungsnehmer gar nichts tun. Dies gilt für Kunden, die ihren Versicherungsvertrag beitragsfrei gestellt haben. Allianz und Deutscher Ring etwa zahlen oder zahlten Kunden nach eigenen Angaben automatisch die zu viel entrichteten Gebühren zurück. Dies geschieht mit der jährlichen Mitteilung zum Stand der Versicherung. Das Geld wird den Kunden auf ihre Versicherungssumme gutgeschrieben.

Aktiv werden sollten hingegen auf jeden Fall jene Versicherungsnehmer, die ihre Verträge gekündigt haben und nicht mehr Kunde einer Versicherung sind. Möglicherweise verfügt der Versicherer nicht mehr über aktuelle Adressdaten. Bei der Allianz etwa meldeten sich nach Angaben des Unternehmens bislang mehrere tausend Kunden. Der Deutsche Ring hat nach eigenen Angaben die Rückzahlungen bereits weitgehend abgewickelt. Hier hatten 137.000 Kunden ihre Verträge storniert und Anrecht auf Nachzahlungen. Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg gibt es entsprechende Musterschreiben.

Wie viel Geld bekommen Kunden zurück?

Die Versicherer tun sich mit Angaben hierzu schwer. Dies mag auch daran liegen, dass sich die Versicherungspolicen von Kunde zu Kunde teils erheblich unterscheiden. Die Allianz geht bei beitragsfrei gestellten Verträgen von durchschnittlich 120 Euro aus. Der Deutsche Ring spricht von Nachzahlungen zwischen 500 und 1500 Euro. Die Allianz stellte für Rückzahlungen insgesamt 117 Millionen Euro zurück.

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