Home
http://www.faz.net/-gv6-73eqt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Unisex-Tarife Gleichheit in der Versicherung

Unisextarife verlangen, dass von Dezember an Versicherungsprämien für Frauen und Männer gleich hoch sein müssen. Also lieber vorher noch einen Vertrag zu den alten Konditionen abschließen? Oder besser abwarten?

© Illustration F.A.S.

Der kleine Unterschied zwischen Mann und Frau kann ganz schön große Folgen haben. Und seit dem Kampf der Geschlechter um einheitliche Versicherungstarife lassen sich die auch beziffern: Bisher machte es, übers Leben gesehen, locker ein paar zehntausend Euro aus, bei manchen Policen sogar hunderttausend, je nachdem, ob man nun männlich oder weiblich war. Doch damit ist nun Schluss, denn vom 21. Dezember an dürfen Versicherer nur noch Unisextarife anbieten.

Nadine Oberhuber Folgen:

Hier wird's billiger für Frauen

Hier wird's teurer für Frauen

Hier wird's billiger für Männer

Hier wird's teurer für Männer

Mit diesen neuen Einheitstarifen sollen Männer und Frauen für die gleichen Policen auch das Gleiche zahlen. Bisher mussten Frauen für Verträge wie zum Beispiel Renten-, Pflege- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen deutlich mehr hinlegen als die Männer. Weil sie laut Statistik älter würden und daher über einen längeren Zeitraum Leistungen beziehen. Das mache es teurer, eine Frau langfristig abzusichern, lautete die Begründung der Versicherungswirtschaft. Deswegen bekamen Männer solche Verträge günstiger. Umgekehrt zahlten Männer mehr für die Auto-, Unfall- und der Risikolebensversicherung, wegen ihres größeren Hangs zum Risiko und ihres statistischen Frühablebens. Das macht es wahrscheinlicher, dass die Versicherungen früher als bei Frauen zahlen müssen.

Versicherer nutzen Unisex-Tarife für Preiserhöhungen

Grund für die Unisextarife ist ein Urteil des Europäische Gerichtshofs vom 1. März 2011. Das hat die Frauen- und Männertarife mit Blick auf die Gleichstellungsrichtlinie für unzulässig erklärt. Kein Kunde dürfe allein aufgrund seines Geschlechts einen Nachteil haben. Schließlich könne man sich ja sein Geschlecht nicht aussuchen.

Dieses Urteil muss nun zum 21. Dezember in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Dann zahlt dasjenige Geschlecht, das vorher bessergestellt war, mehr. Und umgekehrt. Es wäre aber naiv, anzunehmen, dass der neue Preis in der Mitte zwischen altem Männer- und altem Frauentarif liegt. Die Versicherer werden die Einführung der Unisextarife auch für Preiserhöhungen nutzen, die sie mit dem Aufwand erklären, den sie durch die Neuberechnung haben. Praktisch unverändert bleiben dürften bei Männern die Konditionen der Kapitallebensversicherung und bei Frauen die der Pflegeversicherung.

Taillenumfang oder Body-Mass-Index

Der Zwang zum Unisex gilt für alle Verträge, die vom 21. Dezember an neu geschlossen werden. Wer kurz vorher noch einen Versicherungsantrag stellt, um sich die alten Konditionen zu sichern, sollte also sichergehen, dass der bis zum 21. Dezember vom Versicherer angenommen wird. Einige Versicherer bieten auch Übergangstarife an, bei denen die Kunden wählen können, ob sie nach altem oder neuem Recht versichert werden wollen. Andere garantieren eine Wechseloption, mit denen man nach dem 21. Dezember in den Unisextarif wechseln kann. Alte Verträge bleiben aber in jedem Fall unberührt.

Vorsichtig sollte sein, wer von 2013 an Versicherungssummen aufstockt oder Konditionen in Altverträgen nachjustiert. Solche Vertragsanpassungen werden von manchen Gesellschaften wie Neuverträge behandelt und würden damit unter die Unisexregelung fallen. Und schließlich werden einige Versicherer auch künftig Möglichkeiten nutzen, um nicht alle Kunden in einen Risikotopf zu werfen: Krankenkassen und Lebensversicherer etwa werden mit neuen Indikatoren wie Taillenumfang oder Body-Mass-Index versuchen, das Risiko von Mann und Frau neu in den Griff zu bekommen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verivox Preisvergleichs-Seite Pro Sieben Sat.1 zahlt 170 Millionen für Internetportal

Wer den Stromanbieter wechseln will, schaut Preise im Internet oft auf Verivox nach. Das Portal bekommt jetzt einen neuen Eigentümer: Pro Sieben Sat.1. Warum das Medienhaus Verivox so spannend findet - trotz erst kürzlich ausgeräumter Kartellvorwürfe. Mehr

26.06.2015, 12:43 Uhr | Wirtschaft
Für Frauen verboten Spanische Männerkochclubs in der Kritik

Im spanischen Baskenland florieren die traditionellen Kochclubs für Männer. Hier wird nicht nur gemeinsam gekocht, auch geschäftliche Beziehungen werden gepflegt. Frauen dürfen dort nicht Mitglieder werden, oft ist ihnen sogar der Zutritt verboten. Mehr

02.07.2015, 13:41 Uhr | Stil
Die Vermögensfrage Lohnt es, die private Krankenkasse zu wechseln?

Seinen alten Anbieter zu verlassen und einen neuen zu suchen ist zeitaufwendig und anstrengend. Doch es kann viel Geld sparen. Mehr Von Volker Wolff

21.06.2015, 10:51 Uhr | Finanzen
Gericht in Lille Strauss-Kahn vom Vorwurf der Zuhälterei freigesprochen

Im Prozess um schwere Zuhälterei ist der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, freigesprochen worden. Das Gericht im nordfranzösischen Lille sah keine ausreichenden Beweise für den Vorwurf, dass er ausschweifende Sexpartys mit Prostituierten mitorganisiert habe. Strauss-Kahn hatte seine Teilnahme an den Sexpartys nie bestritten, er versicherte aber, nicht gewusst zu haben, dass es sich bei den Frauen um Callgirls handelte. Mehr

12.06.2015, 14:59 Uhr | Gesellschaft
Günstige Tarife Wegweiser für die private Krankenversicherung

Potentielle Kunden einer privaten Krankenversicherung sollten auch kleinere Anbieter prüfen. Gute Leistungen sind nicht automatisch mit hohen Preisen verbunden. Mehr Von Philipp Krohn

24.06.2015, 10:09 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.10.2012, 19:21 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Genossen gegen Monopolisten

Von Bernd Freytag

Heute geht es ums Ganze: Auf einer Versammlung entscheiden die Prokon-Gläubiger, ob der insolvente Windparkbetreiber als Genossenschaft fortgeführt oder aber verkauft wird - ein Glaubenskrieg. Mehr 1

Zinsen
Wertpapiersuche