Vermögensverwalter empfehlen gerade jungen Menschen, im Jahr 2012 die Geldanlage in Aktien nicht zu vernachlässigen. Zu Beginn dieses Jahres sollte ein 30 Jahre alter Anleger rund 40 Prozent seines frei verfügbaren Vermögens in Aktien investiert haben. Dies ist der Durchschnittswert in einer Umfrage unter elf Vermögensverwaltern, die diese Zeitung zum achten Mal durchgeführt hat. Sobald sich eine Entspannung in der europäischen Staatsschuldenkrise andeutet, raten einige Vermögensverwalter dazu, diese Aktienquote aufzustocken. Älteren Anlegern, die auf jährliche Ausschüttungen angewiesen sind und die Kursschwankungen am Aktienmarkt wegen ihres meist kürzeren Anlagehorizonts weniger gut verkraften können, empfehlen einige Vermögensverwalter allerdings eine niedrigere Aktienquote als jungen Anlegern.
Vor einem Jahr war der Optimismus größer. In der damaligen Umfrage empfahl ein identischer Kreis von zehn Vermögensverwaltern - in diesem Jahr nahm Gebser & Partner zusätzlich teil - einem 30 Jahre alten Anleger eine Aktienquote von gut 50 und eine Rohstoffquote von gut 10 Prozent. Vor allem Rohstoffe und Edelmetalle wie Gold haben seither in der Gunst der Vermögensverwalter verloren. An Bedeutung gewonnen hat dagegen wegen der niedrigen Kreditzinsen der Immobilienerwerb. Rund doppelt so hoch wie im Vorjahr ist auch die Position „Kasse“. Darin spiegelt sich Unsicherheit über künftige Trends.
Bogen um Anleihen machen
Anleihen sind zwar für die traditionell auf Vermögenserhalt ihrer Kunden setzenden bankunabhängigen Vermögensverwalter wichtig. Viele aber raten von lang laufenden Anleihen wegen der niedrigen Zinsen und der Gefahr von hohen Kursverlusten im Fall steigender Zinsen ab. Die meisten setzen ausschließlich auf kurz laufende Anleihen. Viele lehnen zudem Staatsanleihen ab und setzen nur auf Unternehmensanleihen. „Falls sich die Krise im Euroraum weiter zuspitzt, kann ich mir aber den Einstieg in Anleihen mit dann attraktiver Verzinsung von Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich und Österreich vorstellen“, sagt Burkhard Wagner von Partners Vermögensmanagement (PVM).
Die anderen Vermögensverwalter sind überwiegend skeptischer. „Um Anleihen sollten Anleger grundsätzlich einen Bogen machen“, sagt Bert Flossbach vom Kölner Vermögensverwalter Flossbach & von Storch (FvS). Die Notenbanken, allen voran in Amerika, monetarisierten die Staatsschulden durch Gelddrucken. Anleihen hätten nach Abzug von Inflation oft negative Zinsen. „Um eine schleichende reale Entwertung ihres Vermögens zu vermeiden, sollten Anleger vorrangig in Sachwerten wie Qualitätsaktien, Gold und Wohnimmobilien investieren“, sagt Flossbach. Zur Ergänzung eines Depots empfiehlt er kurz laufende Anleihen „aus rohstoffreichen Ländern mit eigener Währung“ wie Norwegen und Australien sowie Wandelanleihen, weil sie dank des Rechts zum Bezug von Aktien des Emittenten auch „Sachwertcharakter“ haben.
„Nicht Inflation, sondern Deflation“
Joachim Paul Schäfer, Partner der PSM Vermögensverwaltung, rechnet dagegen mit einem Konjunkturrückgang im Jahr 2012 und sinkenden Verbraucherpreisen. „Nicht Inflation, sondern Deflation ist das nächste Thema. Deshalb bleibt Geld Trumpf vor Sachwerten“, sagt Schäfer. Mit dem höchsten Anteil aller Vermögensverwalter in kurz laufenden Staatsanleihen will Schäfer für seine Kunden den Wert der Vermögen erhalten. Wenn die Inflation von derzeit 3 Prozent zurückgeht, könnte ihm das gelingen. Schäfer ist auch nicht blind für den Aktienmarkt. Seine hohe Liquiditätsquote steht auch dazu bereit, „Chancen wahrzunehmen, die sich am Aktienmarkt ergeben können“.
Auch Jörg Bohn von Artus und Hans-Georg Kuhlmann von PAM halten die Inflationsgefahr im Jahr 2012 noch für gering. Beide wollen im Verlauf des Jahres 2012 ihre Aktienquote aufstocken. Bohn erwartet Impulse für den Aktienmarkt durch „Wachstumspakete für schwache Euroländer“. Kuhlmann rechnet zunächst am Aktienmarkt mit einem Rückschlag. „Die Euro-Krise und Gewinnwarnungen von Unternehmen werden die Börse zwischenzeitlich negativ beeinflussen und zu niedrigeren Einstiegsmöglichkeiten an den Aktienmärkten führen“, sagt er voraus. Das Überschreiten von 6000 Punkten, das dem Dax schon am ersten Handelstag des Jahres gelang, werde nur kurzfristig sein. „Sobald es unter den 17 Euroländern zu einer einheitlichen Vertragsgestaltung der Schuldenbremse und zu einer Transferunion kommt, sollte der Aktienanteil auf 50 Prozent erhöht werden“, nennt Kuhlmann das aus seiner Sicht positive Szenario für die Aktienmärkte. Anleger sollten aber nicht nur in Europa, sondern auch 15 Prozent ihrer Aktien in Schwellenländern wie China und Indien investieren. „Dort besteht nach der erheblichen Korrektur von fast 30 Prozent Erholungspotential“, sagt Kuhlmann.
Gebser & Partner und Hansen & Heinrich empfehlen sogar, einen Anteil von 25Prozent der Aktien in Schwellenländern zu investieren. Hauptmerkmal von Aktien sollte aber nach Ansicht beider eine hohe Dividendenrendite sein. Die Dividendenrenditen sind vielerorts nicht nur höher als die Anleiherenditen. „Manchmal weisen Dividendenrenditen mit rund 6 Prozent eine ähnliche Zahl auf wie die Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Aktien“, stellt Georg Thilenius fest. Derart niedrige KGVs habe es nur kurz vor Wendepunkten am Aktienmarkt in Jahren wie 1982, 2003 und 2009 gegeben, sagt Thilenius.