http://www.faz.net/-gv6-86gxg

Private Finanzen : Tabuthema Geld

Goldige Schokomünzen: Über Geld redet man nicht, man isst es Bild: Reuters

Gerade Deutsche reden nicht gern über Finanzielles – auch nicht mit dem Partner. Doch in der jüngeren Generation scheint ein Umdenken einzusetzen.

          Über Geld spricht man nicht, man hat es. Diese Redewendung kennt fast jeder. Und viele halten sich auch daran. Sie reden nicht über ihr Einkommen, das Geld auf der hohen Kante, den Preis des neuen Autos oder gar des neuen Eigenheims. Dabei wird offenbar nirgendwo sonst auf der Welt so wenig über Geld gesprochen wie in Deutschland. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Postbank. Für knapp 64 Prozent der Deutschen ist Geld demnach immer noch ein absolutes Tabuthema.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Schweigen über Geldangelegenheiten ist dabei hierzulande weit verbreitet. Es findet sich über verschiedene Bevölkerungsgruppen und Geschlechter hinweg. Die Schweigsamkeit kommt der Umfrage der Postbank zufolge gleichermaßen bei Männern (63 Prozent) und Frauen (64 Prozent) vor – in anderen Lebensbereichen mag das anders sein. Sie ist auch quer durch alle Bildungs- und Einkommensschichten zu finden. Dabei neigen Befragte mit einem Volks- oder Hauptschulabschluss offenbar eher dazu, finanzielle Dinge für sich zu behalten – hier sind es der Studie zufolge 65 Prozent der Befragten. Etwas offener zeigen sich diejenigen mit einem Abitur- oder Universitätsabschluss. Hier sind es rund 57 Prozent Befragten, die sich über ihre Finanzangelegenheiten ausschweigen.

          Ein weiteres Ergebnis der Postbank-Studie: Gerade wer finanziell erfolgreich ist, behält das lieber für sich. Und so machen nur 4 Prozent der Bundesbürger, die sich selbst ein gutes Händchen in Finanzangelegenheiten attestieren, daraus kein Geheimnis. Laut der Postbank sagen übrigens ein Drittel der Deutschen von sich, dass sie finanziell erfolgreich seien. Anders sieht es dagegen in den Vereinigten Staaten aus. Hier plauderten die Bürger ungeniert über monatliche Lohnzahlungen und Gratifikationen, hat die Postbank festgestellt. Auch über den finanziellen Erfolg spreche man jenseits des Atlantiks gern – man zeige ihn zudem. Leichter scheint es dagegen auch hierzulande zu sein, finanzielle Misserfolge zuzugeben. Denn rund ein Viertel der finanziell nicht besonders Erfolgreichen gingen offen damit um, ist ein weiteres Ergebnis der Studie. Rund ein Fünftel behält allerdings auch das für sich.

          „Wer seinen finanziellen Erfolg ungeniert zeigt, zieht hierzulande leicht den Neid und die Missgunst seiner Mitmenschen auf sich – das möchte man natürlich vermeiden“, sagt Thomas Walter, Personalfachmann der Postbank. In Deutschland sähe das mancher Arbeitgeber nicht gern, wenn Mitarbeiter über ihre Einkommen sprächen. Diese Tabuisierung von Geld könne jedoch fatale Folgen haben – zum Beispiel, weil man Hemmungen habe, mit dem Chef über eine Gehaltserhöhung zu sprechen.

          Je höher das Einkommen, desto offener werden Deutsche

          Für einen Unterschied in der Redefreudigkeit über die eigenen Finanzen scheint das Alter zu sorgen. Nach den Ergebnissen einer Studie der Consorsbank sprechen junge Deutsche sogar gern über Geld. So hat eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Direktbank ergeben, dass mehr als 50 Prozent der 18- bis 34-Jährigen Finanzprodukte über soziale Medien wie Facebook, Twitter & Co. bewerten würden oder dort bewertet sehen möchten. Dabei wird dieses Anliegen offenbar mit steigendem Einkommen stärker. So wünschen sich dies 41 Prozent aller Befragten, die zwischen 4500 und 5000 Euro monatlich verdienten. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt dabei mehrmals in der Woche soziale Medien, 40 Prozent tun dies sogar täglich.

          Es gilt auch hier wie so oft: Wenn der eigene Name nicht preisgegeben werden muss, dann werden viele noch offener. Denn ein gutes Drittel der Deutschen könnte sich vorstellen, die finanziellen Erfahrungen anonym in einer „Internet-Community“ zu teilen. Dabei zeigen sich die Deutschen um so offener, je jünger sie sind. Im Alter von 18 bis 24 Jahren sind es 49 Prozent, die dies tun würden. Zwischen 25 und 34 Jahren sind es 43 Prozent und bei den mehr als 55 Jahre alten Befragten sind es nur 26 Prozent.

          Dabei hätten der Studie zufolge die Empfehlungen dieser Community durchaus Auswirkung auf die eigene Entscheidung – nämlich dann, wenn dort ehrliche Bewertungen von tatsächlichen Nutzern zu finden seien, heißt es von der Consorsbank. Dieser Meinung sind 55 Prozent der Deutschen aus der Altersklasse von 25 bis 34 Jahren. Auch hierbei steigt die Zustimmung mit dem Einkommen. Dabei könnten sich 79 Prozent der Befragten generell vorstellen, auch Freunde in eine funktionierende Finanz-Community einzuladen. Dies würden sogar rund drei Viertel der mehr als 55 Jahre alten Deutschen tun. Offenbar vertrauten ältere Menschen besonders dem Rat von Freunden, heißt es von der Consorsbank.

          Doch viele Deutsche schweigen über ihr Geld, selbst wenn es die eigenen vier Wände betrifft. Denn die Consorsbank-Studie hat auch ergeben, dass nur 59 Prozent der Befragten wissen, was der eigene Partner verdient. Dagegen gibt die Mehrheit an, einen guten (29 Prozent) oder sogar sehr guten (59 Prozent) Überblick über die eigenen Ausgaben zu haben. Viele versuchen zudem, mit dem Geld auszukommen, das ihnen monatlich zur Verfügung steht. Rund 44 Prozent der Befragten nehmen den Dispositionskredit ihres Giro-Kontos nie in Anspruch, 17 Prozent tun dies gleichwohl immer.

          Weitere Themen

          Wer soll ETF kaufen?

          Geldanlage : Wer soll ETF kaufen?

          Indexfonds sind billig und bringen viel Rendite. Deshalb sind sie zur beliebten Geldanlage geworden. Doch nicht jeder Fonds eignet sich für jeden Anleger.

          Topmeldungen

          Gab sich nicht geschlagen: Thomas Gottschalk.

          Gottschalk gegen „Spiegel“ : Gegendarstellung muss sein

          Als der „Spiegel“ über Schleichwerbung bei „Wetten, dass ..?“ berichtete, wollte sich Thomas Gottschalk nicht äußern. Eine Gegendarstellung durfte er nachher aber verlangen, sagt das Bundesverfassungsgericht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.