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Uber im Test : Kann mein Auto auch ein Taxi werden?

Das Uber-Handy: Es meldet neue Aufträge und zeigt die Fahrtstrecke an. Und ganz wichtig: Es rechnet den Fahrpreis aus Bild: Waldner, Amadeus

Als Fahrer beim Taxikonkurrenten Uber anzuheuern, ist komplizierter als erwartet. Unser Redakteur hat den Selbstversuch gewagt – und dabei überraschende Erfahrungen gemacht.

          Uber, Uber, Uber. Der neue Dienstleister ist in aller Munde. Er vermittelt Taxifahrten an private Fahrer ohne Ausbildung. Und das für deutlich weniger Geld als bei den klassischen beigen Taxis. Mit „Uber Pop“ kann jeder Fahrer werden, lautet das Versprechen. Das will ich ausprobieren.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich stellte mir das ganz unkompliziert vor, ein paar Daten am Computer eingeben, und dann geht es los. Wie man das eben bei einem kalifornischen Internet-Start-up so erwartet. Die Website suggeriert das auch so. Name, Adresse, E-Mail, schon war das Konto erstellt. Dann der erste Hinweis: Das Auto darf maximal zehn Jahre alt sein, muss vier Türen haben und sauber und unbeschädigt sein. Ich merkte erst viel später, dass das eine echte Hürde ist.

          Noch ein paar Angaben zu Automarke, Farbe, Nummernschild, dann bin ich fertig. Dachte ich. Aber nein. Es kommt noch eine Seite. Jetzt will Uber eine Menge Dokumente haben: Kfz-Schein, Führerschein, Personalausweis und einen Nachweis, dass die Versicherung Uber-Fahrten erlaubt. Das tut sie nämlich oft nicht. Und schließlich muss ich auch noch meine Vergangenheit offenbaren: polizeiliches Führungszeugnis und Punktestand in Flensburg. Die Uber-Jungs nehmen es viel genauer als erwartet.

          Start-up-Luft schnuppern

          Also ist es erst mal nichts mit dem sofortigen Losfahren. Beim Einwohnermeldeamt beantrage ich für 13 Euro ein Führungszeugnis. Die Kosten übernimmt Uber. Es wird mir nach zehn Tagen zugeschickt: Und ich habe keine Einträge. Sonst hätte mich Uber nicht genommen. Beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) fordere ich kostenlos eine Auskunft des Punktestandes an. Auf der Homepage des KBA findet sich das nötige Formular. Schon nach einer Woche kommt das Ergebnis per Post. Drei Punkte wären noch akzeptiert worden, ich habe keine. Puh, Glück gehabt! In einem Jahr werde ich beide Dokumente aktualisiert vorlegen müssen. Da ich einen Dienstwagen fahre, muss mir auch der Arbeitgeber bestätigen, dass ich sein Auto für Uber benutzen darf.

          Mein Handy klingelt. Kalifornische Nummer. Ruft der Uber-Chef mich persönlich an? Leider nein. Ein deutschsprechender Uber-Mitarbeiter, der gerade auf den Philippinen ist, will nur mal nachfragen, ob ich schon alle Dokumente zusammen- und ich noch Fragen habe. Die Papiere könne ich einscannen oder zur Einweisung mitbringen. Immer Mittwoch, Donnerstag und Freitag, zweimal am Tag, im Frankfurter Uber-Büro im Bankenviertel. Das haben mir mehrere SMS und E-Mail auch schon mitgeteilt.

          O.k., das nehme ich jetzt mal in Angriff. Ohne Anmeldung gehe ich hin. Am Eingang des schmucklosen Bürohauses findet sich kein Schild von Uber. Ich fahre in den fünften Stock. Zwei Räume sind dort für Uber freigehalten, drei Mitarbeiter arbeiten hier. Mich begrüßt Johannes, knapp 30 Jahre alt, Jeans, Sportschuhe und T-Shirt mit dem Aufdruck „Going elsewhere“. Wie passend. Ich atme Start-up-Luft.

          Randaliert der Mitfahrer, zahlt Uber

          Ich bin der Einzige in der Einweisung. Johannes erklärt die Handy-App, das wichtigste Spielzeug des Fahrers. Durch das iPhone, das Uber leihweise zur Verfügung stellt, mit dem man aber nicht telefonieren oder surfen kann, bekommt der Fahrer Anfragen übermittelt. Den Fahrtwunsch erhält immer das nächstgelegene Auto. Wenn ich das bin, vibriert mein Handy. Adresse und voraussichtliche Fahrzeit bis zum Kunden werden angezeigt. 15 Sekunden habe ich Zeit, die Fahrt per Wisch über den Bildschirm anzunehmen, sonst bekommt ein anderer Fahrer den Auftrag.

          Will ich die Fahrt annehmen, wird mir die ideale Fahrtroute zum Kunden auf der Karte angezeigt. Dort gebe ich das Ziel ins Navigationssystem des Handys ein. Der Fahrpreis wird anhand von GPS-Satellitendaten ermittelt, einen Taxometer gibt es nicht. Das Geld wird vom Konto des Kunden abgebucht, der Fahrer muss nur das Ende der Tour bestätigen. An jedem Kilometer verdient der Fahrer einen Euro, je Minute 25 Cent. Je Fahrt kommen noch einmal ein Euro und in der Anfangsphase von Uber noch zwölf Euro dazu. Immer montags ist Zahltag. Dann überweist Uber die Fahrteinnahmen der Vorwoche abzüglich 20 Prozent Vermittlungsgebühr. Verschmutzt der Mitfahrer das Auto oder randaliert er sogar, zahlt Uber die Kosten.

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