In diesem Frühling verhalten sich die Zinsen ungefähr so beständig wie die Temperaturen: Mal steigen sie, bis sie ein Niveau erreicht haben, wo allen warm ums Herz wird. Dann fallen sie wieder jäh, und alle schaudern. Und ähnlich wie beim Wetter muss man auch beim Tagesgeld sagen: Jede Prognose, in welche Richtung es wohl weitergeht, liegt mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit daneben.
Ob die Zinsen aufs Ersparte also niedrig bleiben oder ob ihr Niveau bis zum Jahresende wieder deutlich ansteigt, können die Anleger nur abwarten. Was sich aber auf jeden Fall lohnt: Die Angebote der Branche genau im Auge zu behalten. Denn die Konditionen der Banken klaffen weit auseinander. Einige bieten derzeit Tagesgeldzinsen, von denen Sparer seit Monaten nur träumen können.
Knifflige Konditionen
Bei den allermeisten Banken bekommen Anleger derzeit zwar weniger Zinsen gutgeschrieben, als die Inflation ihnen mit 2,1 Prozent wieder wegfrisst. Im Schnitt liegt der Tagesgeldzinssatz nämlich bei nur 1,5 Prozent. Aber rund jedes vierte Geldinstitut zahlt immerhin 2,25 Prozent und mehr aufs Ersparte. Und es gibt auch schon wieder richtige Kampfzinsen, mit denen Banken am Markt unterwegs sind und um Kunden werben. Mit 4,6 Prozent beziehungsweise 3,75 Prozent etwa locken Cortal Consors und das österreichische Bankhaus Jungholz. Zumindest auf den ersten Blick klingt das für viele Sparer interessant.
Beim näheren Hinsehen aber relativiert sich der Superzins: Denn um ihn abzugreifen, müssten Anleger auch ihr komplettes Wertpapierdepot zu diesen Banken übertragen, damit wären sie jedoch stark abhängig von den Konditionen dieser beiden Häuser im Wertpapierhandelsgeschäft. Wer dagegen nur eine gewisse Summe Geldes für eine Weile möglichst flexibel parken will, der sollte sich eher nach Banken umschauen, die ihre Tagesgeldzinsen nicht an Zusatzkonditionen knüpfen. Auch da gibt es eine Menge guter Angebote. Übrigens auch von Cortal Consors, die Neukunden derzeit 2,6 Prozent bieten und damit im Markt der Tagesgeldanbieter weit oben mitmischen.
Konkurrenz aus Russland
Getoppt wird das zurzeit nur von den Anbietern MoneyYou (2,65 Prozent) und Ikano (2,71). Beide bieten derzeit nominell die besten Zinsen. An realer Rendite können Kunden aber trotzdem noch mehr als bei ihnen herausholen: Wer ein Tagesgeldkonto bei ING Diba, Bank of Scotland oder 1822 direkt neu eröffnet, wird nämlich mit einem Bonus belohnt, der bei 50 Euro (Diba) liegt, bei 30 Euro (Bank of Scotland) oder 20 Euro (1822). Das katapultiert die Rendite auf ein Jahr gesehen auf stattliche 3,3 bis 4,26 Prozent. Das sind Werte, bei denen man sich schon fast an das Zinsniveau aus Zeiten vor der Finanzkrise erinnert fühlt.
Apropos Finanzkrise: Auch bei einem neuen Wettbewerber im Bankensektor kommen Erinnerungen auf. In den vergangenen Wochen hat die VTB Direktbank sich mit einem Kampfangebot von 2,7 Prozent für Tagesgeld auf den deutschen Markt gewagt. Mittlerweile hat sie es auf 2,5 Prozent gestutzt, was aber immer noch gut ist.
Nicht nur auf die Zinsen schielen
Wer sich nun fragt, wer die VTB Direktbank ist, dem sei gesagt: Sie ist eine Zweigniederlassung der österreichischen VTB Bank, die wiederum zur zweitgrößten russischen Bankengruppe gehört. Hierzulande wird die VTB geführt von Michael Kramer - der verantwortete zuvor die Geschäfte des deutschen Ablegers der isländischen Kaupthing-Bank. Die dürfte vielen Zinsjägern zumindest namentlich im Gedächtnis geblieben sein, nachdem sie lange Superzinsen bot und dann in der Finanzkrise spektakulär in die Pleite schlitterte und Anleger wochenlang um ihr Geld bangen ließ.
Dringend raten Finanzexperten deshalb auch jetzt wieder dazu, nicht nur auf die Höhe der Zinsen zu schielen, sondern auch auf die Absicherung der Einlagen und auf das Herkunftsland der Bank. In der Hinsicht versprechen immer noch heimische Institute die größte Absicherung - jedenfalls auf dem Papier -, die zusätzlich dem Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken angeschlossen sind. Dazu gehören auch ING Diba, Bank of Scotland und Barclays.
Vor allem die Superzinsanbieter jedoch bieten oft keine Sicherung, die über das gesetzliche Mindestniveau hinausgeht. Das gilt für VTB, Moneyyou, Deniz, Garanti und NIBC. Bei ihnen gilt nur die europaweit vorgeschriebene Mindestsicherung von 100.000 Euro.