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Studienfinanzierung Was kostet die Uni?

812 Euro braucht ein Student im Monat. Meistens zahlen Mama und Papa. Wenige trauen sich zur Bank. Mit gutem Grund.

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© Wolfgang Korall / VISUM Warum nicht die Universität Greifswald? Allzu teuer ist das Studentenleben hier jedenfalls nicht.

Die meisten Deutschen haben von den gewaltigen Schulden gehört, die amerikanische Verbraucher mit ihren Kreditkarten anhäufen. Weniger bekannt ist, dass die amerikanischen Studenten viel größere Schuldenberge anhäufen als die Kreditkarten-Shopper: Mehr als 1 Billion Dollar beträgt die Bürde der „student loans“, die auf manchem Absolventen bis zur Rente lastet.

So weit kann es hierzulande nicht kommen. Abgesehen davon, dass das Studium an öffentlichen Hochschulen wieder gebührenfrei ist, ist die wichtigste Einnahmequelle der Studenten kein Bankkredit, sondern noch immer das Konto von Mama und Papa. 87 Prozent aller Studenten wurden 2009 von ihren Eltern mit durchschnittlich 445 Euro im Monat unterstützt, zeigt die jüngste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Die zweitwichtigste Geldquelle ist ein Nebenjob, auf Platz 3 folgt Bafög. So kommt ein durchschnittlicher Student im Monat auf Einnahmen über 812 Euro, meistens steuern die Eltern mindestens 600 Euro bei.

Das Thema Studienfinanzierung betrifft faktisch also weniger die Studierenden als die Eltern. Dabei gibt es eine Vielzahl von Finanzierungsmodellen, die Eltern entlasten, ohne junge Leute zu überlasten. Vier Modelle stellt „Meine Finanzen“ hier vor. Zudem finden Sie zwei Tools, mit denen Sie die Kosten des Studiums überschlagen und den eventuell passenden Kredit finden können.

Wie viel Geld brauche ich?

Vor der Frage der Studienfinanzierung steht die Frage der Kosten. Sie hängen entscheidend von der Wahl des Studienortes ab, vor allem, weil die Lebenshaltungskosten der Uni-Städte so stark variieren. Weniger groß ist die Bandbreite der Semesterbeiträge, die zwischen 100 und 300 Euro liegen, je nachdem, ob etwa ein Semesterticket inbegriffen ist. Hinzu können an privaten Hochschulen Studiengebühren kommen. Der „Finanzbedarf-Check“ von Studienkredit.de hilft, den nötigen Betrag auszurechnen.

Können Eltern ein Studium nicht finanzieren, gibt es zwei Wege: Schulden machen oder eine Förderung ergattern, etwa ein Stipendium. Scheitert letzteres, könnte man sich fragen, ob sich nicht eher die Eltern verschulden sollten, als dass die Kinder mit Schulden in den Beruf starten. Selbst wenn Eltern bereit sind, den Kredit ihres Kindes ganz oder teilweise abzuzahlen - was geschieht, wenn sie erwerbslos oder arbeitsunfähig werden? Eltern könnten also auf die Idee kommen, einen Verbraucherkredit für die Ausbildung des Kindes aufzunehmen. Davon ist aber abzuraten - es könnte wohl kein Angebot die Konditionen der Studienkredite übertreffen. Eher könnte es sich lohnen, etwa eine Lebensversicherung aufzulösen.

Bafög ist das beste Angebot

Soll das Studium fremdfinanziert sein, ist Bafög das unschlagbar beste Angebot: die Hälfte der Förderung schenkt der Staat, der Rest ist ein zinsloses Darlehen. Die Tilgungsbedingungen sind großzügig, hinzu kommt eine Deckelung der Schulden auf 10.000 Euro. Doch der Kredit ist abhängig von Einkommen und Vermögen der Eltern, anders als der Bildungskredit der Staatsbank KfW, der allen offensteht. Zwar greifen nur 3 Prozent der Studierenden zu, doch hat die KfW so schon viele Angebote örtlicher Banken verdrängt, die Kunden jetzt nur noch an die KfW vermitteln. Eine sehr gute Übersicht bietet der „Studienkredit-Test 2012“ des Centrums für Hochschulentwicklung.

Die Studienkosten werden im Steuerrecht berücksichtigt. Hier gelten verschiedene Regeln für Studenten und Eltern: „Unterhaltspflichtige Eltern, die weder Kindergeld beziehen noch Kinderfreibeträge haben, können Ausbildungskosten für ihre Kinder als Sonderbelastung geltend machen“, sagt Bernhard Börsel, Experte für Studienfinanzierung des Deutschen Studentenwerks. Mit Kindergeld und Kinderfreibetrag könnten die Eltern zusätzlich nur einen Freibetrag für auswärtige Unterbringung der Kinder geltend machen, wenn diese im Studium nicht daheim wohnen.

Nebenjobs im Studium sollten nicht ausufern

Für Studenten gilt verschiedenes für Erst- und Zweitstudium: „Die Kosten des Erststudiums sind grundsätzlich nur als Sonderausgaben absetzbar“, sagt Börsel. „Das hilft nur Studierenden mit recht hohem Einkommen während des Studiums.“ Die Kosten eines Zweitstudiums dagegen, etwa der Master, sind als Werbungskosten voll absetzbar. Achtung: Auch wer im Zweitstudium noch keine Steuern zahlt, sollte seine Kosten jährlich beim Finanzamt anmelden. Dann werden sie später im ersten Einkommensjahr mit der Steuerschuld verrechnet.

Nebenjobs im Studium sollten aber nicht ausufern, sonst drohen den Eltern Verluste. Zwar gibt es keine feste Einkommensobergrenze mehr für Kinder, von denen an Kindergeld und Kinderfreibetrag gefährdet wären. Doch es gilt jetzt eine zeitliche Obergrenze von 20 Arbeitsstunden die Woche.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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