Viele junge Leute in Deutschland stehen dem Euro skeptisch gegenüber. Gleichzeitig geht ihr schon geringes Interesse an politischen und wirtschaftlichen Themen weiter zurück. Das geht aus einer Studie hervor, die der Bundesverband Deutscher Banken kürzlich vorgestellt hat. Für die repräsentative Untersuchung, die alle drei Jahre durchgeführt wird, sind Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren befragt worden. Fast alle Befragten wissen von der Finanz- und Euro-Krise, von ihr betroffen fühlen sich allerdings nur wenige. Gut 70 Prozent geben an, dass sie kaum oder gar keinen Einfluss auf das eigene Leben hat.
Es wächst eine euroskeptische Generation heran: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) glaubt nicht, dass der Euro langfristig erfolgreich sein wird. Jeder Zweite kann sich eine Zukunft ohne die Gemeinschaftswährung vorstellen. Ebenso viele finden, der Euro habe sich bisher nicht bewährt. Diese Euroskepsis geht freilich einher mit einem nicht großen und weiter zurückgehenden Interesse für Politik und Wirtschaft. Für Europapolitik interessieren sich nur 23 Prozent der Befragten, als Europäer fühlen sich 43 Prozent, von der EU halten 52 Prozent viel. Ein deutliches Interesse an Politik allgemein hat nur noch knapp ein Fünftel, vor neun Jahren waren es noch knapp 30 Prozent gewesen.
Krisenthemen für Jugendliche nur schwer verständlich
Nach Auffassung des Bankenverbandes führt die schwere Verständlichkeit der Krisenthemen dazu, dass das Interesse der jungen Menschen an Wirtschaft weiter zurückgeht. Vor drei Jahren interessierte sich noch ein Drittel der Befragten für Wirtschaftsthemen, in diesem Jahr nur noch ein Fünftel. Dabei ist das Wissen über Wirtschaft und Finanzen weiterhin sehr lückenhaft: Jeder zweite junge Deutsche hat schlechte oder sehr schlechte Kenntnisse. So können vier von zehn Befragten mit dem Begriff Soziale Marktwirtschaft nichts anfangen. Doch verbinden 51 Prozent derjenigen, die den Begriff kennen, etwas Positives damit. Gut die Hälfte kann nicht erklären, was die Inflationsrate ist, kaum jemand hat eine ungefähre Vorstellung von ihrer Höhe. Besonders wenig Bescheid wissen die Umfrageteilnehmer über die Rolle der Europäischen Zentralbank, die im derzeitigen Krisengeschehen eine herausragende Rolle spielt. Nur 27 Prozent wissen, dass die EZB für die Preisstabilität in den Euroländern zuständig ist.
Auch in Geld- und Finanzfragen kennen sich die meisten jungen Leute nicht aus. Zwar wissen drei Viertel, was eine Aktie ist, doch schon der Begriff Rendite ist sieben von zehn nicht geläufig. Sechs von zehn sagen, dass sie keine oder wenig Ahnung davon haben, was an der Börse geschieht. Weil nach Ansicht des Bankenverbandes grundlegende Wirtschaftskenntnisse nötig sind, um Finanzfragen zu verstehen oder Entscheidungen als Anleger oder Verbraucher zu treffen, fordert er seit Jahren ein Fach Wirtschaft in der Schule. Die junge Generation unterstützt dieses Anliegen: Zwei Drittel der Befragten, in deren Bundesland es das noch nicht gibt, wünschen sich ein Schulfach Wirtschaft.