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Stiftung Warentest : Kreditberatung in Filialbanken miserabel

  • -Aktualisiert am

„Katastrophal“ nannte der Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“, Hermann-Josef Tenhagen, das Ergebnis Bild: dpa

Vier von fünf Filialbanken schneiden mit „mangelhaft“ ab - die anderen aber auch nur mit „ausreichend“: Für die Stiftung Warentest sind nur die Direktbanken ein „Lichtblick“.

          Filialbanken behindern Kunden flächendeckend beim Vergleich von Kreditkonditionen, schädigen sie mit falschen Einträgen bei der Kreditauskunftei Schufa und verstoßen meist gegen gesetzliche Pflichten. Zu diesem Schluss kommt die Stiftung Warentest. Der Chefredakteur ihrer Zeitschrift „Finanztest“, Hermann-Josef Tenhagen, bezeichnete das Ergebnis am Dienstag in Berlin als „katastrophal“.

          Die Verbraucherschützer hatten Testkunden zu zwölf Filialbanken geschickt und insgesamt 85 Angebote für einen Kredit in Höhe von 4000 Euro einholen lassen. Bemerkenswert ist auch ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Vier der fünf getesteten Direktbanken bekamen die Bestnote „sehr gut“. Dies waren die Netbank, die SWK Bank, die DKB und die SKG Bank. Die ING-Diba schaffte dagegen nur ein „ausreichend“.

          „Jeder dieser Fälle ist ein klarer Gesetzesverstoß“

          Wer sich Geld zu möglichst günstigen Konditionen leihen will, muss mehrere Angebote einholen: Da der Zinssatz oft von der persönlichen Bonität abhängt, reicht ein Vergleich von Werbeanzeigen nicht aus. Doch alle zwölf Filialbanken enttäuschten die Tester nachhaltig: Zwei von ihnen bekamen nur ein „ausreichend“ (Commerzbank und Berliner Sparkasse). Alle anderen landeten sogar bei „mangelhaft“. Dies sind Postbank, Berliner Bank, BBBank, Santander Bank, Hypovereinsbank, Targobank, Berliner Volksbank, Deutsche Bank, Santander Consumer Bank und Sparda-Bank Berlin.

          So händigten die meisten Geldinstitute den Kunden nicht die „Europäische Standardinformation für Verbraucherkredite“ aus, die seit zwei Jahren vorgeschrieben ist. Stattdessen mussten die Testpersonen das für sie errechnete Angebot selbst mitschreiben oder bekamen mehr oder weniger verständliche Notizzettel mit auf den Weg. Auch ein Computerausdruck wurde mehrfach verweigert - etwa weil das angeblich nicht zulässig sei (Santander Consumer Bank) oder die neue Software das nicht könne (Berliner Sparkasse).

          „Jeder dieser Fälle ist ein klarer Gesetzesverstoß“, sagte Projektleiterin Stephanie Pallasch. Keine einzige der untersuchten Filialbanken habe es geschafft, in allen jeweils fünf Beratungsgesprächen das vorgeschriebene Formular auszuhändigen. Daraufhin dehnte die Stiftung Warentest das Experiment noch auf jeweils einen Besuch bei 14 weiteren Regionalbanken und Sparkassen aus - mit demselben Resultat.

          Im Zweifel den Schufa-Eintrag selbst kontrollieren

          Außerdem kreiden die Verbraucherschützer dem Kreditgewerbe an, dass zwölfmal eine Anfrage bei der Schufa zu eine verschlechterten Bonität des Testkunden führte. Seit fünf Jahren lässt sich dies vermeiden, indem die Bank ausdrücklich erklärt, dass der Betreffende zunächst nur Vergleichsangebote einholt. Anderenfalls glaubt die Schufa, jemand sei in chronischer Geldnot und versuche überall ein Darlehen zu bekommen. Eine Versuchsperson rutschte durch mehrere falsche Eingaben im Rating um sechs Stufen. Pallasch sagte: „So schlimm wäre es nicht einmal gekommen, wenn der Tester den Kredit tatsächlich genommen hätte.“

          Ein weiterer Stein des Anstoßes sind Restschuldversicherungen, welche die Stiftung Warentest bei einem Darlehen in dieser Größenordnung für überflüssig hält - jedenfalls bei der guten Bonität ihrer Probekunden. Dennoch hätten einige Kreditinstitute den Anfragenden eine Police aufgedrängt. So hieß es bei der Deutschen Bank, sonst sei eine Geldaufnahme generell nicht möglich. Bei der Berliner Volksbank verteuerte sich ein Ratenkredit dadurch von 9,99 Prozent auf 19,33 Prozent. Die Sparda-Bank Berlin war wenigstens ehrlich: „Wenn Sie sterben, verliert die Bank Geld“, erklärte ein Mitarbeiter zur Begründung.

          Die Verbraucherschützer sehen die Direktbanken als „Lichtblick“. Bei ihnen sei die Bearbeitung durch die Abfragen im Internet standardisiert. Wer trotzdem lieber in eine Filialbank gehen will, sollte sich wenigstens gründlich vorbereiten, empfiehlt Tenhagen. Kunden sollten dort auf der Aushändigung des europäischen Informationsblatts bestehen. Außerdem sollten sie von sich aus die Mitarbeiter darauf hinweisen, dass sie bei einer Schufa-Anfrage das Merkmal „Kreditkonditionen“ verwenden müssten. Denn dann wirke sich die Auskunft nicht ungünstig auf die Bonität aus. Im Zweifel sollten Geldsuchende aber hinterher ihren Schufa-Eintrag selbst kontrollieren, rät Pallasch.

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