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Veröffentlicht: 19.01.2013, 19:21 Uhr

Steuertipp Weniger Elterngeld durch neue Berechnung

Von Januar 2013 an berechnet der Staat das Elterngeld auf einer neuen Basis. Vom Bruttoeinkommen werden jetzt pauschal 21 Prozent für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Das lässt das Elterngeld für die meisten geringer ausfallen.

von Thorsten Koch
© Bengt Fosshag

Elternsein wird vom Staat stark gefördert. Zum Beispiel über das Elterngeld. Es wird gezahlt an Mütter und Väter, die mit ihren Kindern in einem Haushalt leben und sie selbst betreuen. Sie dürfen dabei nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten. Voraussetzung ist ein Wohnsitz oder ein gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland. Seit Anfang des Jahres 2013 hat sich beim Elterngeld einiges verändert.

Das Elterngeld beträgt zwar weiter 65 bis 67 Prozent, in Ausnahmefällen sogar bis zu 100 Prozent des bisher erzielten Netto-Erwerbseinkommens, höchstens 1800 Euro im Monat. Es wird für maximal 14 Monate nach der Geburt gezahlt. Dazu müssen beide Eltern in Elternzeit gehen. Ab dem zweiten Kind erhöht sich das Elterngeld um 10 Prozent, mindestens um 75 Euro pro Monat.

Berechnungsbasis für das Elterngeld verändert sich

Wesentliche Änderung von 2013 an ist jedoch die Berechnungsbasis für das Elterngeld. Bisher war bei Arbeitnehmern das tatsächliche Nettogehalt maßgeblich. Für Kinder, die vom 1. Januar 2013 an geboren werden, ist nun ein „fiktives“ Nettoeinkommen entscheidend. Um dieses zu errechnen, wird das Bruttoeinkommen zugrunde gelegt, von dem verschiedene Pauschalbeträge abgezogen werden.

Zurückgegriffen wird auf das durchschnittliche Bruttoeinkommen der zwölf Monate vor der Geburt ohne sonstige Bezüge wie eine Bonuszahlung. Nicht berücksichtigt wird der Zeitraum, für den Mutterschaftsgeld gezahlt wurde.

Davon werden jetzt pauschal 21 Prozent für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Die tatsächlichen Abzüge spielen anders als bisher keine Rolle mehr. Schon das schmälert das Nettoeinkommen gegenüber dem bisherigen Ansatz. Zur Berücksichtigung der Werbungskosten geht monatlich pauschal ein Zwölftel des Arbeitnehmerpauschbetrags von 1000 Euro ab.

Elterngeld lässt sich nicht mehr durch hohe eingetragene Freibeträge erhöhen

Die größten Einbußen im Vergleich zur alten Berechnung werden sich jedoch bei der Berücksichtigung der Lohnsteuer ergeben, die ebenfalls vom Bruttoeinkommen abgezogen wird. Anders als bisher erhöht sich das Elterngeld durch hohe eingetragene Freibeträge (beispielsweise für Fahrtkosten zur Arbeit oder Kinderbetreuungskosten) und damit geringerem Lohnsteuerabzug nicht mehr.

Ein weiteres probates Mittel, den Nettolohn und damit das Elterngeld anzuheben, war bisher der Wechsel in eine günstigere Lohnsteuerklasse. Das funktionierte sogar kurzfristig. Doch jetzt ist nur noch die Steuerklasse der Eltern ausschlaggebend, die in dem maßgeblichen Berechnungszeitraum, also den zwölf Monaten vor der Geburt am längsten Bestand hatte. Da der Mutterschutz in den Berechnungszeitraum regelmäßig nicht einberechnet wird, sollte der Steuerklassenwechsel de facto also bereits einige Monate vor der Geburt des Kindes erfolgt sein.

Steuerklassenwechsel beim Finanzamt beantragen

Um den günstigsten Weg wählen zu können, müssen sich die werdenden Eltern frühzeitig darüber klar werden, wer von beiden in Elternzeit geht und damit das Elterngeld beantragt. Derjenige Elternteil sollte dann die Steuerklasse wählen, die für ihn das höchste Netto verspricht. Wichtig: Der Steuerklassenwechsel muss nicht mehr wie bislang bei der Gemeinde, sondern beim Finanzamt beantragt werden.

Im Übrigen: Das Elterngeld ist zwar steuerfrei, kann aber den Steuersatz für andere im selben Kalenderjahr erzielte steuerpflichtige Einkünfte erhöhen, wie etwa bei Einkünften aus einer während der Elternzeit ausgeübten Teilzeittätigkeit oder einer vor Bezug des Elterngeldes ausgeübten Vollzeitbeschäftigung. In solchen Fällen ist es unabdingbar, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Eine eventuelle Steuernachzahlung sollten die Eltern dann ebenfalls einplanen.

Der Autor ist Director bei Ernst & Young.

Quelle: F.A.S.

 

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