Home
http://www.faz.net/-hbv-75vay
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Steuertipp Weniger Elterngeld durch neue Berechnung

Von Januar 2013 an berechnet der Staat das Elterngeld auf einer neuen Basis. Vom Bruttoeinkommen werden jetzt pauschal 21 Prozent für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Das lässt das Elterngeld für die meisten geringer ausfallen.

© Bengt Fosshag

Elternsein wird vom Staat stark gefördert. Zum Beispiel über das Elterngeld. Es wird gezahlt an Mütter und Väter, die mit ihren Kindern in einem Haushalt leben und sie selbst betreuen. Sie dürfen dabei nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten. Voraussetzung ist ein Wohnsitz oder ein gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland. Seit Anfang des Jahres 2013 hat sich beim Elterngeld einiges verändert.

Das Elterngeld beträgt zwar weiter 65 bis 67 Prozent, in Ausnahmefällen sogar bis zu 100 Prozent des bisher erzielten Netto-Erwerbseinkommens, höchstens 1800 Euro im Monat. Es wird für maximal 14 Monate nach der Geburt gezahlt. Dazu müssen beide Eltern in Elternzeit gehen. Ab dem zweiten Kind erhöht sich das Elterngeld um 10 Prozent, mindestens um 75 Euro pro Monat.

Berechnungsbasis für das Elterngeld verändert sich

Wesentliche Änderung von 2013 an ist jedoch die Berechnungsbasis für das Elterngeld. Bisher war bei Arbeitnehmern das tatsächliche Nettogehalt maßgeblich. Für Kinder, die vom 1. Januar 2013 an geboren werden, ist nun ein „fiktives“ Nettoeinkommen entscheidend. Um dieses zu errechnen, wird das Bruttoeinkommen zugrunde gelegt, von dem verschiedene Pauschalbeträge abgezogen werden.

Zurückgegriffen wird auf das durchschnittliche Bruttoeinkommen der zwölf Monate vor der Geburt ohne sonstige Bezüge wie eine Bonuszahlung. Nicht berücksichtigt wird der Zeitraum, für den Mutterschaftsgeld gezahlt wurde.

Davon werden jetzt pauschal 21 Prozent für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Die tatsächlichen Abzüge spielen anders als bisher keine Rolle mehr. Schon das schmälert das Nettoeinkommen gegenüber dem bisherigen Ansatz. Zur Berücksichtigung der Werbungskosten geht monatlich pauschal ein Zwölftel des Arbeitnehmerpauschbetrags von 1000 Euro ab.

Elterngeld lässt sich nicht mehr durch hohe eingetragene Freibeträge erhöhen

Die größten Einbußen im Vergleich zur alten Berechnung werden sich jedoch bei der Berücksichtigung der Lohnsteuer ergeben, die ebenfalls vom Bruttoeinkommen abgezogen wird. Anders als bisher erhöht sich das Elterngeld durch hohe eingetragene Freibeträge (beispielsweise für Fahrtkosten zur Arbeit oder Kinderbetreuungskosten) und damit geringerem Lohnsteuerabzug nicht mehr.

Ein weiteres probates Mittel, den Nettolohn und damit das Elterngeld anzuheben, war bisher der Wechsel in eine günstigere Lohnsteuerklasse. Das funktionierte sogar kurzfristig. Doch jetzt ist nur noch die Steuerklasse der Eltern ausschlaggebend, die in dem maßgeblichen Berechnungszeitraum, also den zwölf Monaten vor der Geburt am längsten Bestand hatte. Da der Mutterschutz in den Berechnungszeitraum regelmäßig nicht einberechnet wird, sollte der Steuerklassenwechsel de facto also bereits einige Monate vor der Geburt des Kindes erfolgt sein.

Steuerklassenwechsel beim Finanzamt beantragen

Um den günstigsten Weg wählen zu können, müssen sich die werdenden Eltern frühzeitig darüber klar werden, wer von beiden in Elternzeit geht und damit das Elterngeld beantragt. Derjenige Elternteil sollte dann die Steuerklasse wählen, die für ihn das höchste Netto verspricht. Wichtig: Der Steuerklassenwechsel muss nicht mehr wie bislang bei der Gemeinde, sondern beim Finanzamt beantragt werden.

Im Übrigen: Das Elterngeld ist zwar steuerfrei, kann aber den Steuersatz für andere im selben Kalenderjahr erzielte steuerpflichtige Einkünfte erhöhen, wie etwa bei Einkünften aus einer während der Elternzeit ausgeübten Teilzeittätigkeit oder einer vor Bezug des Elterngeldes ausgeübten Vollzeitbeschäftigung. In solchen Fällen ist es unabdingbar, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Eine eventuelle Steuernachzahlung sollten die Eltern dann ebenfalls einplanen.

Der Autor ist Director bei Ernst & Young.

Quelle: F.A.S.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Zahlen zum Armutsrisiko Den Geringqualifizierten geht es doch nicht so schlecht

Das Armutsrisiko der Geringqualifizierten ist gestiegen. Diese Nachricht war an diesem Donnerstag überall zu hören. Doch es lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen. Die Einkommen der Geringqualifizierten etwa sind keineswegs gesunken. Mehr Von Dietrich Creutzburg

27.08.2015, 18:27 Uhr | Wirtschaft
Großbritannien Royals halten Medien auf Distanz zu Nachwuchs

Die bevorstehende Geburt des zweiten Kinds von Prinz William und seiner Frau Kate wird weltweit Schlagzeilen machen, doch die Eltern versuchen, die Medien auf Distanz zu ihrem Familienleben zu halten. Für Prinz William wohl eine Konsequenz aus dem tragischen Tod seiner Mutter auf der Flucht vor Papparazzi. Mehr

20.04.2015, 17:59 Uhr | Gesellschaft
Vermögensfrage Denk’ ich an Schäuble in der Nacht

Wer über Jahrzehnte spart, sollte nicht vergessen, dass das Finanzamt am Ende ein dickes Stück vom Kuchen abhaben will. Steuern spielen eine zentrale Rolle bei der Altersvorsorge. Wie tritt man möglichst wenig an den Fiskus ab? Mehr Von Daniel Mohr

22.08.2015, 15:00 Uhr | Finanzen
Royaler Geburtstag Prinz George wird zwei

Prinz George, die Nummer drei in der britischen Thronfolge, wird zwei Jahre alt – und ganz Großbritannien feiert mit. Der kleine Royal hat die Herzen seiner künftigen Untertanen seit seiner Geburt am 22. Juli 2013 im Sturm erobert. Mehr

22.07.2015, 14:53 Uhr | Gesellschaft
Kaiserschnitt Checkliste gegen die Angst

Der Kaiserschnitt ist in Deutschland zu einer beliebten Methode geworden, ein Kind zur Welt zu bringen. Es spricht viel für diesen Weg. Aber ist es wirklich der bessere? Immer mehr Ärzte und Mütter, auch die Politik bezweifeln das. Mehr Von Lucia Schmidt

30.08.2015, 08:16 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 19.01.2013, 19:21 Uhr