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Der Steuertipp : Aufpassen bei Dividenden aus dem Ausland

  • -Aktualisiert am

Nach Trumps Wahlsieg ging es an der New Yorker Wall Street hoch her. Bild: AP

Bei Dividenden außerhalb der EU gab es für deutsche Anleger bislang einen Wermutstropfen. Doch nach zwei Urteilen des Bundesfinanzhofes lohnt es sich genau hinzuschauen.

          Der Ausgang der Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten hat weltweit die Börsen beflügelt. Für deutsche Anleger hatte die Investition in Aktien außerhalb der Europäischen Union bislang allerdings einen Nachteil. So sollten Dividenden und dividendengleiche Kapitalmaßnahmen (beispielsweise eine Ausgliederung eines Unternehmensteils in eine eigenständige Gesellschaft) im Falle von Aktien außerhalb der EU nach Meinung der deutschen Finanzverwaltung stets steuerpflichtig sein.

          Dies sollte auch dann gelten, wenn die ausländische Aktiengesellschaft gar nicht über ausreichende Gewinne beziehungsweise Jahresüberschüsse verfügte, die als Dividenden hätten ausgeschüttet werden können. Dieser Haltung der deutschen Steuerbehörden erteilte der Bundesfinanzhof (BFH) mit zwei Urteilen vom 13. Juli 2016 eine Abfuhr.

          Hat Ihre Bank Abgeltungsteuer einbehalten?

          Die Richter begründeten dies so: Da die europäische Kapitalverkehrsfreiheit auch für Investitionen in nichteuropäische Aktien gilt, muss eine Besteuerung von Dividenden unterbleiben, wenn keine Jahresüberschüsse zur Verfügung stehen, aus denen die Dividenden geleistet werden konnten. Somit handele es sich um eine Rückzahlung von Einlagen. Die nicht steuerbaren Dividendeneinkünfte erhöhen jedoch einen späteren Veräußerungsgewinn bei den Aktien. Dieser Veräußerungsgewinn kann bei einem Privatanleger jedoch nur dann besteuert werden, wenn er die Aktien vom 1. Januar 2009 an erworben hat. An jenem Datum wurde die Abgeltungsteuer eingeführt.

          Deutsche Anleger sollten daher bei größeren Dividendenerträgen (einschließlich Kapitalmaßnahmen wie etwa Ausgliederungen) aus nichteuropäischen Aktien prüfen, ob ihre Bank Abgeltungsteuer einbehalten hat. Falls dem so ist, sollten sie ferner nachsehen, ob es plausibel ist, dass die dividendenzahlende Aktiengesellschaft über Jahresüberschüsse verfügte, die ausgeschüttet werden konnten. Ist letzteres - auch für Dividenden der Vergangenheit - nicht der Fall, sollten Anleger dies mit ihrer Bank abstimmen, die die Abgeltungsteuer einbehalten hat.

          Der Autor ist Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner bei KPMG.

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