Home
http://www.faz.net/-hbv-74xcx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Steuertipp Der Fiskus streut im Winter mit

Liegt Schnee vor dem eigenen Haustür, hat man die Pflicht, die Gehwege zu räumen - oder räumen zu lassen. Bei der zweiten Variante beteiligt sich der Fiskus unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten.

© Bengt Fosshag

Zu einem richtigen Winter gehört der Schnee. Doch nicht immer bringt er nur Freude. Liegt er vor der eigenen Haustür, hat der Anlieger die Pflicht, die Gehwege vom Schnee zu räumen - oder räumen zu lassen. Bei der zweiten Variante beteiligt sich der Fiskus unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten.

Der Winterdienst gehört zu den haushaltsnahen Dienstleistungen. In deren Rahmen darf der Steuerzahler jährlich 20 Prozent von maximal 20 000 Euro direkt von der Einkommensteuerschuld abziehen. Als „Dienstleister“ kann auch der Nachbarsjunge fungieren, wenn die erforderlichen Formalien eingehalten werden. Das heißt, ein wirksamer Vertrag und eine Rechnung, die das Finanzamt als Nachweis verlangen kann. Die Zahlung muss per Überweisung oder Scheck auf das Konto des Dienstleisters erfolgen. Eine Barzahlung reicht nicht aus.

Steuerabzug nur für Kosten des Schneeräumens auf eigenem Grundstück

Werden die Kosten für den Winterdienst über die Nebenkosten auf die Mieter umgerechnet, kann der Mieter den Steuerabzug beanspruchen. Sein Anteil an den vom Vermieter unbar gezahlten Aufwendungen für den Winterdienst muss entweder aus der Jahresabrechnung hervorgehen oder durch eine förmliche Bescheinigung des Vermieters oder dessen Verwalters nachgewiesen werden.

Allerdings macht die Finanzverwaltung beim Winterdienst feine Unterschiede. Den Steuerabzug gewährt die Finanzverwaltung bisher nur für die Kosten des Schneeräumens auf dem eigenen Grundstück, nicht für den Aufwand, der auf den angrenzenden öffentlichen Weg entfällt. Dass die Satzung der Kommune die Schneeräumung auch dort vorschreibt, interessiert den Fiskus nicht. Nach seiner Lesart fehlt es beim Winterdienst auf öffentlichen Wegen an der nötigen Haushaltsnähe. Das könnte sich künftig ändern. Denn die Richter des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg wollen dieser Argumentation nicht folgen.

Steuerzahler sollte Einspruch einlegen, wenn Fiskus die Kosten für das Schneeräumen der öffentlichen Wege nicht anerkennt

Nach ihrer Ansicht sind die zivilrechtlichen Grundstücksgrenzen unbedeutend. Deswegen lassen sie den Steuerabzug für die Kosten des Winterdienstes auch auf öffentlich-rechtlichen Wegen zu (FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 23.8.2012, Az. 13 K 13287/10). Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig und wird nun den Bundesfinanzhof beschäftigen (Az. VI R 55/12). Für den Steuerzahler heißt das: Er sollte die Rechnung für die Räumarbeiten in vollem Umfang in der privaten Einkommensteuererklärung geltend machen.

Mehr zum Thema

Erkennt der Fiskus die Kosten für das Schneeräumen der öffentlichen Wege nicht an, sollte der Steuerzahler unter Hinweis auf das anhängige Verfahren Einspruch einlegen und das Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragen. Der Einspruch muss binnen eines Monats nach Erhalt des Steuerbescheids beim Finanzamt eingehen.

Der Autor ist Steuerberater und Partner bei Ernst & Young.

Quelle: F.A.S.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuertipp Was tun bei falschem Steuerbescheid?

Wer einen fehlerhaften Einkommensteuerbescheid erhält, sollte Einspruch einlegen. Worauf Steuerzahler dabei achten müssen. Mehr Von Melanie Heithausen

18.08.2015, 09:22 Uhr | Finanzen
Copa América Neymar für vier Spiele gesperrt

Für den 23-jährigen Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft könnte die Copa América vorzeitig beendet sein. Er wurde für seinen Ausraster nach der 0:1-Niederlage gegen Kolumbien für vier Spiele gesperrt. Noch kann der brasilianische Verband jedoch Einspruch gegen die Sperre einlegen. Mehr

20.06.2015, 11:31 Uhr | Sport
Neuer Betriebskostenspiegel Die zweite Miete steigt nicht mehr

Die Betriebskosten-Abrechnung hält oft böse Überraschungen bereit. Dieses Jahr aber können viele Mieter nach Einschätzung des Mieterbundes mit Rückzahlungen rechnen. Für die vielerorts steigenden Gesamtmieten kann die zweite Miete nicht mehr als Begründung herhalten. Mehr

17.08.2015, 12:02 Uhr | Finanzen
Queensland Weißer Winter in Australien

Wintereinbruch in Australien: Im Bundesstaat Queensland fällt so viel Schnee wie selten. In den nächsten Wochen soll es weiterhin kalt bleiben, mit mehr Schnee ist jedoch nicht zu rechnen. Mehr

17.07.2015, 16:46 Uhr | Gesellschaft
Klinikum Frankfurt-Höchst Einspruch verzögert Klinik-Neubau

Ein unterlegener Bieter unterstellt Fehler beim Bewerbungsverfahren für den Neubau am Klinikum Frankfurt-Höchst. Die Stadt geht von einem haltlosen Vorwurf aus und erwägt nun ebenfalls rechtliche Schritte. Mehr Von Tobias Rösmann, Frankfurt

20.08.2015, 14:33 Uhr | Rhein-Main

Veröffentlicht: 08.12.2012, 19:22 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Wertpapiersuche