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Steuern sparen beim Personal : Eine Haushälterin ist gar nicht so teuer

1000 Euro für eine Haushälterin. Ein ausgebildete Hauswirtschafterin kostet jedoch wesentlich mehr. Bild: Your_Photo_Today

Kochen, putzen, Kinder hüten - wer wünscht sich nicht manchmal eine helfende Hand? Man muss kein Millionär sein, um sich eine legale Haushaltshilfe leisten zu können. Mit einem Trick wird es besonders günstig.

          Sie ist freundlich, packt an, wann immer es nötig ist. Sie putzt und wäscht, kocht, näht, holt die Kinder von der Schule ab, kauft ein, räumt auf. Sie nimmt einem einfach alles ab, was im Alltag für Stress sorgt - solch eine Haushälterin hätte jeder gerne im Haus.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Liebevoll wird sie deswegen auch „gute Seele“ oder „Perle“ genannt. Und anders als viele denken, können sich nicht nur die Superreichen solche Haushälterinnen leisten. Sie können sie sogar zu vertretbaren Kosten einstellen. „12 bis 15 Euro pro Stunde sind bei angelernten Kräften fällig, in ländlichen Gegenden manchmal auch nur zehn. Bei Ausbildung zur Hauswirtschafterin können es aber auch 18 bis über 20 Euro sein“, sagt Karl-Heinz Leciejewicz, Geschäftsführer von Lesaco, der mit 32 Jahren ältesten Vermittlungsagentur für Hauswirtschaftskräfte in Deutschland. Für 20 Stunden an fünf Wochentagen kann man also eine Haushälterin ab rund 1000 Euro Monatsgehalt einstellen. Hinzu kommen rund 20 Prozent Sozialabgaben. Im Gegenzug sind aber auch 20 Prozent der Gesamtkosten bei der Steuer absetzbar, maximal 4000 Euro im Jahr.

          Noch etwas günstiger wird es mit einem Trick. Wer die Aufgaben der Haushälterin auf mehrere Minijobs verteilt, zahlt weniger Steuern und Abgaben. Gefördert sind Beschäftigungen bis 450 Euro. Dann sind im besten Fall nur Abgaben von 12,44 Prozent zu zahlen. Wenn die Steuer von der anstellenden Familie übernommen wird (was Verhandlungssache ist), sind es 14,44 Prozent. Bis zu 510 Euro der Kosten können im Jahr steuerlich geltend gemacht werden.

          Für das Gehalt von zwei Minijobbern kann man sich Hilfe für knapp 20 Stunden in der Woche einkaufen. Die Verteilung auf mehrere Köpfe kann Sinn ergeben - nicht nur aus finanzieller Sicht. Denn selten hat eine Haushälterin überall ihre Stärken. Sorgfältig putzen, lecker kochen und auch noch der Liebling der Kinder sein - das schaffen nur wenige. „Echte Allrounder sind vielleicht noch zehn Prozent der Haushälterinnen“, sagt Leciejewicz.

          Und die sind dann für einen normalen Haushalt unbezahlbar. Stattdessen könnte eine Haushälterin einkaufen, zweimal die Woche tagsüber putzen und gelegentlich Gartenarbeiten machen. Und die andere jeden Nachmittag die Kinder holen und abends kochen. Dann sind wichtige Aufgaben erledigt, aber die beiden sind nicht gleichzeitig im Haus. Nachteil: Die Familie muss sich auf zwei Personen einstellen.

          Diese Hürde sollte man nicht unterschätzen. Schließlich lässt man fremde Menschen in seine Privatsphäre. Und wenn diese seltener im Haus sind, wird das persönliche Verhältnis möglicherweise nicht so eng.

          Die „Perle“ ist nicht immer verfügbar

          Aber wer sich die Erleichterung durch eine Haushälterin gönnen will und kein Millionär ist, muss sowieso Kompromisse eingehen. Denn die Hilfen sind gefragt. Die Nachfrage steigt gerade in den Großstädten. Gleichzeitig wird aber immer weniger ausgebildet. Hauswirtschaftsschulen schließen. „Das Image der Hauswirtschafterin ist nicht gut, und der Staat spart bei der finanziellen Förderung“, klagt Leciejewicz. Er gründete einst die Europäische Hauswirtschaftsakademie, die aber 2013 nach acht Jahren schließen musste, auch weil der Staat die Zuschüsse für Umschulungen zur Hauswirtschafterin drittelte.

          Er schätzt, dass nur noch zwei von hundert Haushälterinnen eine entsprechende Ausbildung haben. Und die sind anspruchsvoll geworden: Viele bevorzugen den sicheren Arbeitsplatz im Altersheim, in der Klinik oder Pflegeeinrichtung gegenüber der privaten Familie. Und diejenigen, die sich darauf einlassen, möchten nur in der Nähe des Wohnortes und zu klar vereinbarten Arbeitszeiten eingesetzt werden. Die Haushälterin, die immer zur Verfügung steht, ist selten geworden.

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