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Steuererklärung : Wann ist Steuer-Schlamperei kriminell?

Hat die Mahnungen ignoriert: der Präsident des Sparkassenverbands Georg Fahrenschon Bild: EPA

Der Präsident des Sparkassenverbands hat zu spät seine Steuererklärung abgegeben. Jetzt kommt er vor Gericht und könnte bald zurücktreten. Ist Schlamperei für uns auch gefährlich?

          Wie ernst muss man Fristen bei der Steuer nehmen?

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sehr ernst. Wer die Fristen versäumt, muss Verspätungszuschläge zahlen und wird im Extremfall wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Das kann zu Geldstrafen oder zu Haft führen. Wer eine Steuererklärung erstellen muss, hat dafür Zeit bis zum 31. Mai des Folgejahres, für 2017 also spätestens bis 31. Mai 2018. Wer die Steuererklärung elektronisch über das „Elster“-Programm abschickt, bekommt Zeit bis 31. Juli des Folgejahres. Wird die Erklärung vom Steuerberater erstellt, darf er bis zum 31. Dezember des folgenden Jahres abgeben, in Hessen sogar bis 28. Februar des übernächsten Jahres, also für die Erklärung 2017 bis zum 28. Februar 2019. Diese Fristen werden künftig verlängert, erstmals für die Steuererklärung für das Jahr 2018. Dann ist Abgabeschluss am 31. Juli des Folgejahres, mit Hilfe eines Steuerberaters sogar bis 28. Februar des übernächsten Jahres. Fallen die Fristen auf das Wochenende oder einen Feiertag, ist Stichtag der nächste Werktag.

          Muss ich überhaupt immer eine Steuererklärung abgeben?

          Nein. Es gibt ein paar wenige Ausnahmefälle, in denen die Steuererklärung nicht verpflichtend ist. Dazu gehören unter anderem unverheiratete Arbeitnehmer, wenn sie nur Lohneinkommen beziehen, die schon der Arbeitgeber abgeführt hat. Oder Studenten und Rentner, die ein zu geringes Einkommen haben und damit noch nicht steuerpflichtig sind. Für diese Personen kann es aber manchmal Sinn ergeben, trotzdem freiwillig eine Steuererklärung abzugeben, weil sie besonders viele Ausgaben absetzen können. Für solche Erklärungen haben die Bürger vier Jahre Zeit.

          Wie kann ich die Abgabe hinauszögern, ohne Ärger zu bekommen?

          Ist man verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, kann die Fristen aber nicht einhalten, darf man schriftlich formlos beim Finanzamt eine „Fristverlängerung“ beantragen. Das geht teilweise sogar mit einer kurzen E-Mail. Eine Verlängerung um einige Monate bis Ende Dezember oder in Hessen sogar bis 28. Februar ist in der Regel kein Problem, wenn das nicht jedes Jahr passiert. Die Verlängerung muss aber begründet werden. Akzeptiert wird dabei zum Beispiel, wenn noch wichtige Dokumente fehlen, wie etwa die Nebenkostenabrechnung der Wohnung, eine Spendenquittung oder eine Bescheinigung über Kapitalerträge. Zu viel zu tun zu haben, wie es Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon andeutete, hat als Grund hingegen wenig Chancen. Eine Krankheit würde Aufschub nur für ein paar Wochen bringen, aber eher nicht bis 31. Dezember. Für die Entscheidung gibt es keine festen Kriterien, sie liegt im Ermessen jedes einzelnen Finanzamtes.

          Was kann ich machen, wenn ich keine Fristverlängerung bekomme?

          Wird die Verlängerung abgelehnt, kann man aber trotzdem noch nicht die Steuerklärung abgeben, kann es sich lohnen, eine teilweise Erklärung zu schicken mit dem Hinweis, dass fehlende Teile nachgeliefert werden. Dann gilt die Steuererklärung nicht als verspätet.

          Für die fehlenden Teile darf man sich dann aber auch nicht zu viel Zeit lassen. Dauert das zu lange, schätzt das Finanzamt die fehlenden Angaben und fordert zur Zahlung auf. Oft sind solche Schätzungen höher als tatsächlich gerechtfertigt. Dann hilft nur, schnell die Steuererklärung zu vervollständigen, um die Steuerlast nach unten zu korrigieren.

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