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Rückerstattungen vom Finanzamt : So klappt es mit der Steuererklärung

Keine Zeit zu verschenken: Auch beim Lohnsteuerhilfeverein in Frankfurt-Hausen läuft die Uhr für den Steuerzahler. Bild: Jung, Hannes

Ab jetzt kann man sich für das vergangene Jahr gegenüber dem Fiskus erklären. Doch das kostet viel Zeit und Nerven. Es lohnt sich aber: Denn in vielen Fällen winken hohe Rückzahlungen.

          Für viele Deutsche ist sie eine sehr lästige Pflichtübung: die Steuererklärung. Doch auch wenn sie Zeit und Nerven kostet – oftmals lohnt sie sich: Im Schnitt bekommen Arbeitnehmer zwischen 800 und 900 Euro vom Finanzamt zurück. Häufig sind sogar Rückerstattungen von 2000 Euro und noch mehr möglich. Deshalb sollten auch jene eine Steuererklärung abgeben, die eigentlich keine abgeben müssten – denn warum sollte man dem Finanzamt sein Geld schenken?

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grundsätzlich müssten ledige Arbeitnehmer nämlich keine Erklärung abgeben. Denn der Arbeitnehmer zieht Monat für Monat die Lohnsteuer bereits ab. Doch es wird schon anders, sobald man verheiratet ist und in die Lohnsteuerklasse 3 oder 5 wechselt – dann muss eine Steuererklärung abgegeben werden. Auch wer staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld oder Kurzarbeitergeld erhalten hat, muss die Steuererklärung machen. Zu guter Letzt müssen sich auch all diejenigen erklären, die Einnahmen aus einer Vermietung oder einem Gewerbe haben.

          Alternativen zum Steuerberater

          Am schnellsten geht es mit der Steuererklärung, wenn man sie im Internet abgibt. Dazu haben die Finanzämter mit der elektronischen Steuererklärung – kurz Elster – das passende Instrument geschaffen. Mehr als 15 Millionen Menschen nutzen laut dem Branchenverband Bitkom bereits diese Möglichkeit. Elster ist quasi die elektronische Form der zahlreichen Formulare und Dokumente. Sorgen um die Sicherheit sollte niemand haben: Die Daten werden verschlüsselt und mit Hilfe einer gesicherten Internetverbindung übertragen. Dann muss nur noch ganz altmodisch per Post bestätigt werden, dass man selbst der Antragsteller ist.

          Der Vorteil bei der elektronischen Abgabe: Die Daten müssen von den Finanzbeamten nicht umständlich ins System eingepflegt werden, der Bescheid kann früher ausgestellt werden. Wem das trotzdem zu umständlich ist, der kann auch auf Steuererklärungsprogramme für den Computer zurückgreifen. Diese geben wertvolle Hinweise, wo Geld gespart werden kann. Bei den Tests der Stiftung Warentest schneidet das „Wiso Steuer Sparbuch“ von Buhl Data gut ab. Das gibt es bereits ab rund 25 Euro zu kaufen und kann ähnlich wie der Steuerberater von der Steuer wieder abgesetzt werden – damit spielt es seine Kosten in vielen Fällen problemlos wieder ein. Wem das auch noch zu umständlich ist, der kann natürlich auch einen Steuerberater beauftragen – doch dieser kostet in vielen Fällen mindestens 150 Euro. Auch ein Lohnsteuerhilfeverein, dem jeder für eine jährliche Gebühr beitreten kann, ist eine Alternative.

          Nicht nur Ausgaben für den Job lassen sich absetzen

          Doch wo genau liegt nun das Geld versteckt? Der größte Teil dürfte sich in den so genannten Werbungskosten wiederfinden. Hinter dem sperrigen Begriff verstecken sich alle Ausgaben rund um das Berufsleben. Grundsätzlich erhält jeder Arbeitnehmer einen Pauschbetrag in Höhe von 1000 Euro, was der Vereinfachung dienen soll. So muss nicht jeder Textmarker einzeln abgerechnet werden. Man sollte aber immer selbst prüfen, ob bei einem einzelnen Nachweis der Werbungskosten der Pauschbetrag überschritten wird. Wenn das der Fall ist, muss das im Einzelnen angegeben werden und per Beleg nachgewiesen werden. In vielen Fällen ist das kein Problem, denn rund um das Berufsleben kann man mehr absetzen als gemeinhin gedacht: Dazu gehört zum Beispiel der Weg zur Arbeit, für den es je Kilometer 30 Cent gibt. Aber auch eine Zweitwohnung, ein Arbeitszimmer oder Dienstreisen fallen unter diese Kategorie, genauso wie Arbeitsmittel und Fortbildungen.

          Aber nicht nur Ausgaben für den Job lassen sich absetzen, sondern auch die sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen. Wird zum Beispiel das Treppenhaus von einer Putzfrau sauber gehalten oder kümmert sich ein Hausmeister um die eigenen vier Wände, kann das in der Steuererklärung angegeben werden. Dann können 20 Prozent der Arbeitskosten abgesetzt werden. Aber auch die Kirchensteuer, die Ausbildung, Versicherungen und Spenden lassen sich angeben, genauso wie Kosten für die erste Ausbildung.

          Vieles davon muss schriftlich belegt werden. Grundsätzlich ist es dann besser, lieber einen Beleg zu viel als einen Beleg zu wenig abzugeben. Das Finanzamt kann fehlende Quittungen auch nachfordern, und man kann selbst auch fehlende Belege nachreichen, aber das kostet wiederum Zeit.

          Die Säumnisgebühr kann teuer werden

          Der letzte Abgabetermin für alle, die dazu verpflichtet sind, eine Steuererklärung für das Jahr 2014 abzugeben, ist im laufenden Jahr der 1. Juni. Doch umso zeitiger die Erklärung eingereicht wird, desto besser. Denn die Steuererklärungen werden in der Reihenfolge der Eingänge bearbeitet – wer also seine Erklärung im Januar bereits abgegeben hat, wird auch als einer der Ersten bearbeitet. Es ist auch ratsam, sich so zeitig wie möglich zu erklären, denn besonders im April und Mai reichen viele auf dem letzten Drücker ihre Erklärungen bei den Finanzämtern ein – lange Wartezeiten sind die Folge.

          Wer nicht rechtzeitig abgibt, muss mit einem Verspätungszuschlag rechnen und verschenkt somit bares Geld. Bis zu 10 Prozent der fälligen Einkommensteuer sind als Säumnisgebühr möglich, maximal jedoch 25.000 Euro im Jahr. Damit es so weit nicht kommt, kann auch im Notfall eine Fristverlängerung beantragt werden. Diese erfolgt formlos beim zuständigen Finanzamt, so dass man auch noch bis in den Sommer oder gar Herbst Zeit hat. Befreit von dieser Frist sind übrigens alle, die einen Steuerberater beauftragt haben.

          Noch mehr Zeit haben alle, welche die Steuererklärung freiwillig abgeben. Dann beträgt der Zeitraum vier Jahre. Im Jahr 2015 können also immer noch die Erklärungen für die Steuerjahre 2011 bis 2014 eingereicht werden. Im eigenen Interesse sollte man die Steuererklärung aber nicht auf die lange Bank schieben: Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, fehlende Belege aufzutreiben und sich an alle einzelnen Sachverhalte zu erinnern. Und man gibt gegebenenfalls ohne Not dem Fiskus ein zinsloses Darlehen.

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