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Steuern sparen : Keine Panik vor der neuen Fondsbesteuerung

Änderungen ab 2018: Nicht allein der Anleger, sondern auch der Fonds soll künftig besteuert werden Bild: Picture-Alliance

Keine Steuerfreiheit mehr für vor 2009 gekaufte Fondsanteile und neue Steuern zwischendurch. Skandal? Warum sich am Ende durch die Reform nicht viel ändert und die Steuererklärung sogar einfacher wird.

          Für die Anleger in Publikumsfonds bringt das kommende Jahr große steuerrechtliche Veränderungen. Zum einen hat das deutsche Steuerrecht bisher ausländische Fonds benachteiligt. Zum anderen soll die Besteuerung einfacher werden, weil künftig nur noch vier statt wie bisher 33 Rechengrößen verwendet werden und Anleger keine gesonderten Angaben mehr machen müssen, die sie etwa dem Bundesanzeiger entnehmen mussten. Vor allem werden Steuern nun von den Depotbanken für alle Fonds abgeführt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grundsätzlich neu ist, dass künftig nicht allein der Anleger, sondern auch der Fonds besteuert wird. Auf Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien müssen sie, falls diese Einkünfte aus Deutschland stammen, eine Steuer von 15 Prozent entrichten.

          Wer jetzt eine doppelte Besteuerung befürchtet, muss sich keine Sorgen machen, denn Ausschüttungen und Gewinne werden teilweise von der Abgeltungsteuer freigestellt. Dies hängt von der Fondsart ab. Bei offenen Immobilienfonds sind 60 Prozent der Ausschüttungen künftig steuerfrei, legen sie mehrheitlich im Ausland an, sogar 80 Prozent. Für Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei, für Mischfonds 15 Prozent. Letzteres aber auch nur dann, wenn die Aktienquote mindestens 25 Prozent beträgt. Sind es weniger oder handelt es sich um einen Rentenfonds, gibt es gar nichts.

          Das besitzt eine gewisse Logik. Denn da die Fonds keine Steuern auf Zinseinnahmen zahlen, brauchen Anleger dafür auch keinen Ausgleich. Mieterträge und Verkaufsgewinne machen in Immobilienfonds aber einen größeren Anteil an den Einnahmen aus als Dividenden in Aktienfonds. Mehr Steuern zahlen dagegen Anleger, die bisher keine Steuern auf Einkünfte aus Kapitalvermögen gezahlt haben. Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums sind dies durchschnittlich knapp drei Euro mehr pro Jahr.

          Die Uhr beginnt neu zu laufen

          Für viel Aufregung sorgt dagegen eine andere Änderung. Der Gesetzgeber kassiert nämlich den Bestandsschutz für Fondsanteile, die vor 2009 erworben wurden.

          Dieser war eine Folge der Einführung der Abgeltungsteuer: Für alte Fondsanteile sollte weiter altes Steuerrecht gelten und alle Verkaufsgewinne spätestens ab 2010 steuerfrei sein. Nun ist es damit vorbei. Begründung ist, dass der Bestandsschutz „für Steuergestaltungen ausgenutzt wurde“, so das Finanzministerium.

          Treffen dürfte dies die meisten Privatanleger aber nicht. Denn als Ausgleich gibt es für diese Fondsanteile für die Zeit ab 2018 einen Sonderfreibetrag von 100.000 Euro (200.000 Euro für Ehepaare oder andere „Oder“-Depots). Dieser funktioniert so: Der Fiskus tut so, als ob die Anteile Ende 2017 verkauft und zum 1. Januar neu erworben würden. Damit entsteht 2017 ein fiktiver Veräußerungsgewinn, der aber steuerfrei ist. Danach beginnt die Uhr neu zu laufen. Alle in der Zeit danach anfallenden Wertsteigerungen bis zu 100.000 Euro bleiben steuerfrei. Deswegen lohne es sich auch nicht, die Fondsanteile vor dem Jahresende zu verkaufen, betont der Fondsverband BVI. Denn wenn Anleger die Anteile vor 2018 tatsächlich veräußerten, steht ihnen der Freibetrag nicht mehr zu.

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