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Veröffentlicht: 15.06.2013, 19:21 Uhr

Steuertipp Warum die Außenprüfung auch Privatpersonen droht

Die Außenprüfung betrifft nicht nur Unternehmen. Auch bei Privatpersonen ist sie möglich - und jüngst tritt sie gehäuft auf. Wir erklären Ihnen, wer sich darauf gefasst machen muss und wie Sie sich am besten vorbereiten.

von Jürgen Lindauer
© Bengt Fosshag

Der Durchschnittsbürger denkt bei einer steuerlichen Außenprüfung an die Prüfung von Unternehmen. Dass diese auch bei Privatpersonen möglich ist und jüngst gehäuft auftritt, ist den wenigsten bekannt.

Bei Privatpersonen, die nur Einkünfte aus Überschusseinkunftsarten beziehen (nichtselbständige Arbeit, Vermietung und Verpachtung oder Kapitalvermögen) bedurfte die Anordnung einer Außenprüfung bis zum Jahr 2010 einer besonderen Begründung. Bis dahin musste der Steuerpflichtige für seine Überschusseinkünfte keine Unterlagen aufbewahren. Durch das ab 2010 geltende Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz wurden Privatpersonen mit hohen Überschusseinkünften verpflichtet, ihre steuerrelevanten Aufzeichnungen und Unterlagen sechs Jahre aufzubewahren.

Diese Regelung betrifft Steuerpflichtige, bei denen die Summe der positiven Überschusseinkünfte im Jahr mehr als 500.000 Euro beträgt. Es bedarf hierzu keiner besonderen Aufforderung durch die Finanzverwaltung. Die Aufbewahrungspflicht gilt nicht für Unterlagen außerhalb der Einkünfteermittlung, wie etwa Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen. Hinsichtlich der Form der Aufbewahrung hat der Gesetzgeber kein Mindestmaß definiert. Daher sollte auch der berühmte „Schuhkarton“ ausreichend sein.

Praxis der „privaten Buchhaltung“ hat sich bewährt

Zusätzlich wurde geregelt, dass bei den aufzeichnungspflichtigen Privatpersonen grundsätzlich eine steuerliche Außenprüfung zulässig ist, ohne dass es einer besonderen Begründung bedarf. Allein die Höhe der Einkünfte wird als ausreichender Grund gesehen. Eine Prüfung in den Privaträumen des Steuerpflichtigen ist nur mit dessen Zustimmung möglich. In der Praxis findet daher die steuerliche Außenprüfung häufig in den Geschäftsräumen des Steuerberaters statt.

Nach der vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Betriebsprüfungsstatistik 2011 wurden von 15.281 aufzeichnungspflichtigen Privatpersonen 1999 geprüft. Die Prüfungsquote in Höhe von 13,1 Prozent war damit in 2011 nach den Großbetrieben die zweithöchste.

Es ist auch künftig mit einem Anstieg der Prüfungsquote bei vermögenden Privatpersonen zu rechnen. Neben der intensiven Überprüfung der steuerlichen Bemessungsgrundlage und den Angaben in der Einkommensteuererklärung wendet die Finanzverwaltung im Rahmen der steuerlichen Außenprüfung regelmäßig als Verprobungsmethode eine Mittelverwendungsrechnung an. Dadurch sollen zum Beispiel bisher unbekannte Geldanlagen im In- und Ausland aufgedeckt werden. Dem Mittelzufluss aus den erklärten Einkünften werden die Ausgaben des Steuerpflichtigen gegenübergestellt und plausibilisiert. Dies kann zu einer Rechtfertigung von Ausgaben für das private Hobby führen.

Als Lösung hat sich in der Praxis die „private Buchhaltung“ mit Vermögensübersicht und digitaler Aufbewahrung der Unterlagen bewährt. Hierbei werden nicht nur die unmittelbar zu steuerbaren Einkünften führenden Einnahmen und Ausgaben erfasst, sondern auch relevante private Zahlungen systematisch dokumentiert. Hierdurch ist der Steuerpflichtige nicht nur in der Lage, seine steuerlichen Aufbewahrungspflichten zu erfüllen, sondern er kann auch einer Mittelverwendungsrechnung entspannt entgegensehen. In der Praxis zeigt sich, dass viele ursprünglich durch den Steuerpflichtigen als nicht steuerrelevant gewertete Ausgaben, zum Beispiel abzugsfähige Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen darstellen. Allein hierdurch werden Mehrkosten für die private Buchhaltung regelmäßig kompensiert.

Sie haben steuerliche Fragen? Dann schreiben Sie uns unter steuertipp@faz.de Wir wählen regelmäßig Fragen aus, die unsere Fachleute hier im Steuertipp beantworten.

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