http://www.faz.net/-ht6-7n3ip

Steuerhinterziehung : Und ewig lockt der Steuertrick

Auf dem Weg zur Bank? Kofferträger in Zürich Bild: Mark Henley/PANOS/VISUM

Steuerhinterziehung hat in Deutschland eine lange Tradition. Jetzt sind die Schlupflöcher eng geworden. Die Superreichen aber haben noch einige Möglichkeiten.

          Vom Kavaliersdelikt zur hochkriminellen Tat: So hat sich die Bewertung der Steuerhinterziehung in Deutschland seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gewandelt. Die Veränderung greift tief. Der Schutz der Privatsphäre ist verblasst. An ihre Stelle ist der Wunsch nach mehr Gerechtigkeit, nach einer härteren Gangart gegen die Reichen und zusätzlichen Staatseinnahmen getreten. Der gläserne Bürger wird nicht mehr als Bedrohung, sondern als Verheißung empfunden. Die Fälle von Uli Hoeneß und Alice Schwarzer sind dafür exemplarisch.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die öffentliche Meinung urteilt im Bereich der individuellen Lebensgestaltung liberaler, in Gerechtigkeitsfragen dagegen unnachsichtiger als noch vor fünfzig Jahren. In den sechziger Jahren, der Hochphase des „Wirtschaftswunders“, wurden erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland wieder größere Vermögen gebildet. Deren Versteuerung war Einstellungssache. Kapitalerträge wurden in der Steuererklärung freiwillig angegeben – oder auch nicht. Die Kontrollen der Finanzämter waren lasch und beschränkten sich auf offensichtliche Unterschiede zwischen sichtbarem Luxus und deklarierter Bescheidenheit in der Steuererklärung. Wer sich im Kalten Krieg noch sicherer fühlen wollte, deponierte sein Geld in Luxemburg, Österreich, Liechtenstein oder am besten in der neutralen Schweiz. All diese Länder besaßen ein Bankgeheimnis, das nichts nach außen dringen ließ, wenn nicht Tollpatschigkeit seitens der Steuerzahler, verlassene Partner oder missgünstige Verwandte die Steuerflüchtlinge verpfiffen.

          Die „Steueroptimierung“ und ihr angenehmer Nebeneffekt

          Die Studentenrevolte und der Amtsantritt der ersten sozialliberalen Bundesregierung von SPD und FDP 1969 brachten einen ersten Einschnitt. Unter den Vermögensbesitzern griff die Furcht vor Enteignung und kommunistischen Tendenzen um sich. Mit Bundeskanzler Willy Brandt und seinem Staatssekretär Egon Bahr waren die Politiker an die Macht gekommen, die in der Ostpolitik einem „Wandel durch Annäherung“ das Wort redeten. Mehr Geld denn je floss in die Nachbarländer, die sogenannte „Steueroptimierung“ war ein angenehmer Nebeneffekt. Zahlreiche Deutsche wanderten ganz aus und wechselten damit auch ihren Steuersitz. Der Vater von Klaus-Michael Kühne, Mehrheitsaktionär des Logistikkonzerns Kühne + Nagel und reichster Deutscher in der Schweiz, verlegte 1969 den Konzernsitz an den Zürichsee, weil ihn die „frappierende Wirtschaftsfeindlichkeit“ der neuen Regierung zutiefst beunruhigte.

          Kühne war mit dieser Einschätzung nicht allein. Die erste Ölkrise verunsicherte 1973 die „Besserverdienenden“ ein weiteres Mal. Trotz Wirtschaftsflaute verarmten die Deutschen aber nicht, und 1982 kam die Wende der FDP: Sie wechselte als Juniorpartner von den Sozialdemokraten zur CDU/CSU unter Helmut Kohl. Inzwischen traten die Väter und Mütter des Wirtschaftswunders allmählich ab. Sie hatten noch Inflation und Kriegszerstörungen erlebt. Sicherheit war gesucht, zum Beispiel im Schweizer Franken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Panne bei Hessenwahl : „Fehler können passieren“

          Für den hessischen Landeswahlleiter ist der Rummel um Tausende falsch ausgezählte Stimmen am Wahlabend in Hessen unverständlich. Fehler seien normal, müssten aber korrigiert werden. Und er hat Verbesserungsvorschläge.
          Angela Merkel in Chemnitz

          Merkel in Chemnitz : „Nicht von denen die Tagesordnung vorgeben lassen“

          Bei ihrem Besuch in Chemnitz will Angela Merkel ein anderes Bild der sächsischen Stadt zeigen. Es sei schrecklich, dass ein Mensch gestorben sei, sagt die Kanzlerin. Das aber rechtfertige nicht, selbst Straftaten zu begehen.

          Richter urteilt gegen Trump : Jim Acosta kehrt ins Weiße Haus zurück

          Ein Bundesrichter zeigt Donald Trump die rote Karte und hebt die Verbannung des CNN-Reporters Jim Acosta aus dem Weißen Haus auf. Acostas Suspendierung sei „mysteriös“, so der Richter. Die Presse feiert einen Sieg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.