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Einkommensteuer : So trifft Sie die „kalte Progression“

Bild: dpa

Die Bundesregierung denkt darüber nach, die Bürger von der „kalten Progression“ zu entlasten. Aber was heißt das überhaupt? FAZ.NET hat nachgerechnet.

          Mit jeder Lohnerhöhung zahlt man mehr Geld an den Staat, selbst wenn sie nur die Inflation ausgleicht: Fachleute nennen das  Phänomen „kalte Progression“. Nach einigen Tagen Debatte sieht Bundesfinanzminister Schäuble angeblich Spielraum, die „kalte Progression“ zu mildern.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eigentlich ist die Progression in der Einkommensteuer durchaus gewollt: Mit steigendem Einkommen zahlt man nicht nur mehr Euro an Steuern, sondern auch einen höheren Anteil am Einkommen. So sollen Bürger, die mehr zahlen können, einen höheren Anteil der Steuerlast tragen, ohne dass man den ganz Reichen am Ende alles wegnimmt. Das bedeutet auch, dass mit jeder Lohnerhöhung ein höherer Anteil an den Staat geht. Manchmal aber sind Lohnerhöhungen nur zum Inflationsausgleich – das kümmert das Finanzamt aber bisher nicht: Die Steuern steigen trotzdem, denn die Steuertabelle wird nicht an die Inflation angepasst. Wie trifft das Sie? Wir haben drei Typen durchgerechnet.

          Alleinstehender Geringverdiener

          Ein 50jähriger Single, der 13.000 Euro zu versteuern hat, zahlt derzeit 208 Euro Lohnsteuer. Bei einer Gehaltserhöhung von 1 Prozent, die die Inflation ausgleichen soll, klettert das Einkommen auf 13.130 Euro, die Steuerlast aber auf 226 Euro. Damit zahlt der Arbeitnehmer statt 1,6 nun 1,72 Prozent Steuern. Unter dem Strich bleiben von 130 Euro Gehaltserhöhung 112 Euro. Ohne den Effekt der kalten Progression wären dem Single aber 16 Euro mehr geblieben, die er nun tatsächlich weniger hat, weil das Mehr an Gehalt die Inflation nicht ausgleicht.  Einer der Kinobesuche mit der netten Kollegin von der Pforte, den die Gehaltserhöhung ermöglichen sollte, wird wohl nicht stattfinden können.

          Verheiratete mit geringem Einkommen

          Das Ehepaar Uwe und Isolde Kohlmann verdient mit 24.000 Euro im Jahr und zahlt derzeit 316 Euro an Lohnsteuer. Bei einer Gehaltserhöhung von 1 Prozent klettert das Einkommen auf 24.240 Euro, die Steuerlast aber auf 348 Euro. Damit zahlt das Paar statt 1,32 nun 1,44 Prozent Steuern. Unter dem Strich bleiben damit von 240 Euro Gehaltserhöhung 208 Euro. Ohne den Effekt der kalten Progression wären Kohlmanns aber 16 Euro mehr geblieben, die sie  nun tatsächlich weniger haben, weil das Mehr an Gehalt die Inflation nicht ausgleicht. Trotz Gehaltserhöhung wird Uwe wohl in der Woche wohl zwei Zigaretten weniger rauchen müssen.

          Familie mit 2 Kindern

          Die vierköpfige Familie Hahn mit einem bisherigen Einkommen von 40.000 Euro bekommt nach einem Aufschlag von 1 Prozent brutto 40.400 Euro. Von den 40.000 Euro gingen 3506 Euro an Steuern weg, von den 40.400 Euro aber 3594 Euro. Damit zahlt Familie Hahn statt 8,77 nun 8,89 Prozent Steuern. Unter dem Strich bleiben von 400 Euro Gehaltserhöhung 312 Euro. Ohne den Effekt der kalten Progression wären Hahns aber 51 Euro mehr geblieben, die sie nun weniger haben, weil das Mehr an Gehalt die Inflation nicht ausgleicht. Das wird den Familienurlaub in der Ferienwohnung in der Provence zwar nicht gefährden, aber das Eröffnungsessen bei „Chez Brigitte“ am Anreisetag wird diesmal wohl ausfallen müssen.

          Quelle: FAZ.NET

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