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Geld sparen : Dienstfahrrad statt Dienstwagen

Bild: dpa

Viele Firmen bieten ihren Angestellten neuerdings Dienstfahrräder an. Das ist gut für die Fitness, schont die Umwelt - und obendrein sparen die Mitarbeiter sogar noch Geld.

          Zeige mir deinen Dienstwagen, und ich sage dir, wie wichtig du deinem Unternehmen bist, diese Regel galt bisher. Folgerichtig düsen als beliebteste Dienstlimousinen hierzulande Audi A6 und 5er-BMW über die Straßen und oft auch der Passat - natürlich voll ausgestattet. Aber was, bitte schön soll man von einem Mitarbeiter halten, der als Dienstfahrzeug ein Ghost oder Giant fährt? Die Antwort lautet: eine ganze Menge. Solche Angestellte stehen bei ihren Arbeitgebern neuerdings ganz hoch im Kurs, denn sie folgen einem neuen Trend: Die Deutschen fahren immer öfter Rad - Dienstrad. Und viele Firmen fördern das mit barem Geld, weil sie dadurch selber einiges sparen.

          Die Vorradler

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zu den Vorradlern gehören Unternehmen wie Bayer und Bionade, DHL, Deutsche Telekom, Unicredit oder die Allianz. Mehrere hundert Firmen machen bundesweit mit, und Tausende Mitarbeiter nutzen es, so dass Diensträder dem Dienstwagen nun steuerlich gleichgestellt sind, was längst nicht alle wissen. Früher durften Firmen ihren Mitarbeitern zwar bereits kurzzeitig Räder zur Verfügung stellen, aber bloß für Geschäftsfahrten und nicht für den privaten Gebrauch. Da viele Radfans es aber sinnfrei fanden, ein Zweirad abends am Büro stehen zu lassen und nicht damit nach Hause radeln zu können, geschweige denn am Wochenende durch die Landschaft, hielt sich der Run auf Betriebsräder arg in Grenzen. Bis jetzt.

          Ende 2012 hat die Regierung den Diensträdern einen wahren Schub verpasst, als sie das Dienstwagenprivileg auch auf Fahrräder übertrug. Das heißt nun: Auch Räder dürfen den Mitarbeitern „dauerhaft überlassen“ werden. „Niemand muss übrigens zwischen Rad oder Auto wählen“, sagt Derk Möller, Gründer von Planet-Ebike. „Jeder kann auch beides haben, wenn der Arbeitgeber beides unterstützt.“ Dank der Zuschüsse vom Arbeitgeber und mit Steuererleichterungen vom Staat lassen sich nun selbst sündhaft teure Mountainbikes oder Pedelecs bequem finanzieren. Und wer als Normalangestellter schon einmal durch Prospekte mit den neuesten Carbongeschossen oder Highspeed-Elektrobikes für 2500 Euro aufwärts geblättert hat, der weiß, dass er allein ganz schön lange für ein solches Teil arbeiten müsste.

          Der Trick bei der Dienstradregelung

          Der Trick bei der Dienstradregelung ist: Der Arbeitgeber bekommt bei den Fahrradvertrieben Sonderkonditionen und dem Mitarbeiter werden - wenn er einen Leasingvertrag wählt - die Raten für die Räder direkt von seinem Bruttoeinkommen abgezogen. Dadurch zahlt er weniger Steuern und Sozialabgaben auf das verbliebene Gehalt, genau wie übrigens seine Firma. Dafür unterliegt der Radler der Ein-Prozent-Regelung: Er muss ein Prozent des Fahrrad-Listenpreises monatlich als „geldwerten Vorteil“ versteuern, weil er das Rad nutzen darf. Das klingt nach viel, ist es aber nicht. Zumal jeder Dienstradfahrer (wie beim Auto) die Strecke zur Arbeit pauschal mit 0,30 Cent pro Kilometer in der Steuererklärung geltend machen kann, was seine jährliche Steuerlast mindert. Zudem kann er nach drei Jahren Laufzeit entweder sein Rad für zehn Prozent des ursprünglichen Kaufpreises übernehmen oder sich einfach ein neues Leasingfahrrad bestellen.

          Unterm Strich, so rechnen Unternehmen vor, sparen Angestellte 30 bis 50 Prozent gegenüber dem, was sie als Privatpersonen für ein Rad bezahlen würden. In konkreten Zahlen funktioniert das so: Ein Angestellter mit 3000 Euro Bruttogehalt sucht sich ein Rad für 2000 Euro aus. Für Leasingrate plus Versicherung gehen monatlich 65 Euro von seinem Gehalt ab, bleiben 2935 Euro übrig, plus 20 Euro geldwerter Vorteil aus der Ein-Prozent-Regel. Der Angestellte muss also nur 2955 Euro versteuern. Darauf zahlt er rund 22 Euro weniger Steuern und Sozialabgaben als auf sein Ursprungsgehalt. Tatsächlich kostet ihn das Radleasing also nur 43 Euro im Monat - auf drei Jahre gesehen, macht das 1548 Euro. Am Vertragsende kann er zudem das Rad für einen Restwert von 200 Euro übernehmen.

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