http://www.faz.net/-hbv-90d0t

Wegen Ausschluss von Frauen : Freimaurerloge nicht gemeinnützig

  • Aktualisiert am

Die Gleichheit ist eine der fünf Grundideale der Freimaurer - Frauen nehmen die traditionellen Logen deshalb aber nicht auf. Bild: dpa

Wer nur Männer aufnimmt, ist nicht gemeinnützig, entscheiden die Bundesfinanzrichter. Deshalb haben traditionelle Freimaurerlogen keinen Anspruch auf Steuervorteile. Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben.

          Schließt eine traditionelle Freimaurerloge Frauen von der Mitgliedschaft aus, ist sie nicht gemeinnützig. Eine Befreiung von der Körperschaftsteuer komme daher nicht infrage, entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil (AZ: V R 52/15). Im konkreten Fall hatte das Finanzamt der in Nordrhein-Westfalen ansässigen Freimaurerloge die Anerkennung der Gemeinnützigkeit verweigert und für das Streitjahr 2012 insgesamt 201 Euro Körperschaftsteuer verlangt.

          Die Behörde begründete dies mit der Satzung der Loge. Danach ist die Loge eine „auf vaterländischer und christlicher Grundlage beruhende Vereinigung wahrheitsliebender, ehrenhafter Männer“. Ziele seien unter anderem die Förderung christlicher Religiosität, die allgemeine Menschenliebe und die Hebung der Sittlichkeit.

          Mit dem Ausschluss von Frauen von der Mitgliedschaft werde die Allgemeinheit aber nicht gefördert, argumentierte das Finanzamt. Denn das Freimaurerritual sei nur Männern offen. Der Bundesfinanzhof entschied ebenfalls, dass keine Gemeinnützigkeit vorliegt. Es gebe für den Ausschluss von Frauen keinen sachlichen Grund. Ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht bestehe nicht, da die Loge auch ohne Steuervergünstigung weiterhin nur Männer als Mitglieder zulassen kann.

          Anerkennung der Gemeinnützigkeit steht für viele Vereine infrage

          Ohne Erfolg verwiesen die Freimaurer auf als gemeinnützig anerkannte katholische Ordensgemeinschaften, die ebenfalls Männer oder Frauen von der Mitgliedschaft ausschließen. Dies sei nach dem Gesetz zulässig, da diese wegen mildtätiger oder kirchlicher Zwecke Gemeinnützigkeit beanspruchten und nicht wegen der Förderung der Allgemeinheit, so der Bundesfinanzhof.

          Das Urteil kann auch Auswirkungen auf zahlreiche Vereine wie Schützenbruderschaften, Männergesangsvereine oder Frauenchöre haben, die ein Geschlecht ohne sachlichen Grund von der Mitgliedschaft ausschließen. Auch hier steht die Anerkennung der Gemeinnützigkeit infrage.

          Weitere Themen

          Der Abmahn-Terror

          Missbrauch von Rechtsmitteln : Der Abmahn-Terror

          Findige Anwälte treiben mit dem Missbrauch von Abmahnungen ihr Unwesen. Ein kleiner Fehler kann arglose Bürger finanziell zugrunde richten. Auch ein neuer Gesetzesentwurf greift nicht weit genug.

          Die Geduld der Drägerwerk-Aktionäre

          Nebenwerte 2018 : Die Geduld der Drägerwerk-Aktionäre

          Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk investiert seit Jahren, um sein Geschäft wieder flott machen. Die Kosten belasten zunehmend das Konzernergebnis. Der Aktienkurs fällt seit Monaten. Ist Besserung in Sicht?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.